Seid umschlungen, Milliarden!

Keine Krise – egal ob Corona oder Ukraine-Krieg – an der die „obersten Zehntausend“ nicht kräftig profitieren. So lässt sich im „Zentralorgan der liberalen Demokratie“ leicht über „Krisenresistente Vermögen“ titeln (Standard, 10.6.2022). An den Superbilanzen und Rekordgewinnen von Banken und Konzernen wie auch am Vermögenszuwachs für die oberste Klasse ist das auch unübersehbar.

Laut dem „Global Wealth Report 2022“ der Boston Consulting Group (BCG) sind die privaten Nettofinanzvermögen weltweit im Corona-Jahr 2021 um elf Prozent auf sagenhafte 473 Billionen US-Dollar gewachsen. Das ist ein Durchschnittswert – denn die Superreichen legten gleich 16 Prozent zu, während sich die Mittelschicht mit mageren fünf Prozent Zuwachs begnügen musste.

Auch regional gibt es Unterschiede: Am kräftigsten wuchsen die Vermögen in Osteuropa und Zentralasien um gleich 25 Prozent auf zwölf Billionen Dollar. Etwas abgeschlagen die Entwicklung in Nordamerika mit „nur“ 15 Prozent Zuwachs, aber mit 159 Billionen Dollar weiterhin der Spitzenreiter des Reichtums.

In Österreich wuchsen die Finanzvermögen um magere sechs Prozent auf eine satte Billion Dollar. Deutlich besser lief es für die Upper Class bei den Sachvermögen – der Flucht in Immobilien, Rohstoffe, Wein, Kunst und anderen physischen Anlagen – mit einem Plus von zwölf Prozent – das ist dreimal so viel wie im Schnitt der vergangenen zehn Jahre – auf 1,7 Billionen Dollar. Womit die österreichischen privaten Haushalte abzüglich ihrer 200 Mrd. Dollar Schulden ein Gesamtnettovermögen von 2,4 Billionen Dollar aufweisen.

Und so konstatiert BCG recht trocken, dass in Österreich 400 „Superreiche“ ein Drittel des heimischen Finanzvermögens besitzen und sich bis 2026 über einen prognostizierten Zuwachs von 3,5 Prozent ihrer Finanzanlagen und 6,6 Prozent der Sachvermögen erfreuen dürfen. Da haben gewöhnliche Sparer*innen – die dank der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank – für ihre paar Netsch zinslos abgespeist werden – klarerweise das Nachsehen.

Mehr als in anderen Ländern trifft für die Austro-Oligarchen das Prinzip „Gierig und geizig“ zu, wie dem Wehklagen des Fundraising Verband Austria (FVA) zu entnehmen ist, dass Österreich „als Philanthropie-Standort abgerutscht“ ist (OTS0035, 10.6.2022). Demzufolge ist die Hilfs- und Spendenbereitschaft in Österreich zwar „derzeit auf einem Höchststand“, allerdings nur dank des Engagements der Mittelschicht, denn „im internationalen Vergleich sind Großspenden Vermögender hierzulande eher selten anzutreffen“.

2021 wurden in Österreich insgesamt 850 Mio. Euro gespendet, was 90,50 Euro pro Kopf und Nase entspricht. Da liegt die Schweiz mit 222 Euro und auch Deutschland mit 126 Euro deutlich vorne. Während in Deutschland 50 Prozent der Gesamtspenden von der Bevölkerungsgruppe mit den höchsten Einkommen stammen, sind dies in Österreich gerade fünf Prozent. Obwohl Österreich beim Pro-Kopf-Vermögen europaweit auf Platz 5 noch vor Deutschland und Großbritannien rangiert und nicht weniger als 4,5 Prozent der Österreicher*innen Millionär*innen sind.

Der FVA will die Spendenfreudigkeit der Oligarchen durch eine „Weiterentwicklung des Gemeinnützigkeitspakets 2015“ erhöhen um Österreich als Philanthropie-Standort attraktiver zu machen. Dazu soll auch die Zahl der aktuell 750 aktiven gemeinnützigen Stiftungen gesteigert werden, gibt es doch im Verhältnis zur Bevölkerungszahl in Deutschland viermal und in der Schweiz sogar zwanzigmal so viele solche Stiftungen. Doch hierzulande wird die Kohle vorrangig in denen seinerzeit zur Steuervermeidung geschaffenen aktuell rund 3.000 Privatstiftungen – eine genaue Zahl gibt es nicht, weil die Stifter*innen auf Diskretion pochen – gebunkert, denn Gemeinwohl ist für die Superreichen offensichtlich Teufelszeug.

Da wird das Geld aus Milliardenvermögen wie im Falle der jetzt verstorbenen Horten-Witwe Heide Goess-Horten (1941-2022) – bekanntgeworden zuletzt durch 931.000 Euro Spende in Tranchen von 49.000 Euro gerade unter der Meldungsgrenze an den Rechnungshof für die Kurz-ÖVP in den Jahren 2018/2019 – lieber in Kunstmuseen investiert, vor allem wenn es ursprünglich aus Arisierungen in der NS-Ära stammt.

Das Resümee aus der Geschichte ist freilich nicht, ob man die Multimilliardär*innen und -millionär*innen moralisierend zu mehr Spendenfreudigkeit bewegen kann, sondern dass man ihren Reichtum durch eine entsprechende Besteuerung dem Gemeinwohl zuführt. Denn statt Banken, Konzerne oder Superreiche zum Sponsoring für Kultur, Soziales etc. anzuhalten ist es allemal besser, wenn der Staat genug Geld hat, um die Abhängigkeit wichtiger Bereiche der Gesellschaft vom profit- und dividendenorientierten Denken abhängig zu machen.

Das Potenzial dafür macht die jährlich veröffentlichte Liste der hundert reichsten Österreicher*innen – davon 45 Milliardär*innen – deutlich (trend, 26.6.2021): Demnach besitzen mit Stand von 2021 die TOP10 – die Corona-bedingten Verluste von 2020 wurden mehr als aufgeholt – 109,50 Mrd. Euro (2020: 85,76), die TOP50 besitzen 178,95 Mrd. Euro (2020: 146,76), die TOP100 besitzen 203,02 Mrd. Euro (2020: 169,75). Eine Vermögenssteuer von nur zwei Prozent würde allein vom Reichtum der TOP100 pro Jahr mehr als vier Milliarden Euro bringen. Das Geld für eine Umverteilung und soziale Gerechtigkeit ist also vorhanden, es muss nur abgeholt werden.

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