Die „Alten Herren“ des LH

Posted on 29/06/2020


Burschen1

Die rührigen „Omas gegen Rechts“ haben einen „Offenen Brief“ geschrieben. Wieder an den Landeshauptmann Stelzer – mit dem sie immer noch ein Hühnchen zu rupfen haben, seit mit seinem Segen die „Omas“ im „Oberösterreichischen Handlungskonzept gegen Extremismus“ 2019 in der Kategorie „Linksradikalismus/-extremismus in OÖ“ aufgelistet wurden.

Doch auch der jetzige Brief ist für den LH ebenso wenig erfreulich wie die harsche Kritik vom Spätherbst 2019. Der Landesfürst hat nämlich im Zuge seiner periodischen Verleihung von Ehrentiteln, Ehrenzeichen und sonstigem Klimbim zwei Herren ausgezeichnet, die im Landessicherheitsbericht eindeutig in der Kategorie „Rechtsradikalismus/-extremismus“ aufscheinen müssten. Was freilich angesichts des Koalitionspartners FPÖ wohlweislich nicht der Fall ist.

Es handelt sich um Helmut Grünling, früherer Klubdirektor des FPÖ-Landtagsklubs, FPÖ-Gemeinderat in Leonding und „Alter Herr“ der pennalen Burschenschaft c.P! Eysn zu Steyr
sowie um Klaus Mitterhofer, FPÖ-Gemeindevorstand in Altmünster und „Alter Herr“ der pennalen Burschenschaft MSV! Arminia zu Gmunden. Ausgezeichnet wurden die beiden am 2. März 2020 mit dem Ehrenzeichen des Landes für „Verdienste um die Oö. Jugend“. Gemeinsam mit 16 anderen Personen als „herausragende und verdienstvolle MitarbeiterInnen in Jugendorganisationen, Jugendeinrichtungen und Jugendzentren“ die „sich vorbildlich für junge OberösterreicherInnen engagieren und somit die oö Jugendarbeit bewegen und einen Mehrwert für Jugendliche schaffen“.

Nun fragen sich nicht nur die „Omas“ zu Recht, welche Werte „schlagende“ Burschenschaften, also jene die sich als Mutprobe duellieren und dann den Rest ihres Lebens stolz auf die dabei erhaltenen Schmisse (im Klartext Verunstaltungen ihres Gesichts) sind, Jugendlichen vermitteln. Wohlgemerkt natürlich nur männlichen Jugendlichen, denn bei den Burschenschaften dürfen bekanntlich nur Männer Mitglied sein. Als Zugeständnis an den Zeitgeist gibt es mittlerweile zwar auch Mädelschaften, deren Einfluss freilich mehr als bescheiden ist, ihre Funktion ist eher jene einer Zierde für „ihre“ Männer.

Was also bringen die „Alten Herren“ den Jungspunden neben der Mensur (also Fechten) und der Kneipe (im Klartext Saufen) bei? Vor allem was sie im Studium, im Privatleben und im Beruf zu erfolgreichen Männern macht, was Entschlusskraft, Risikofreude, Selbstbeherrschung und Schneid fördert und wie sich die burschenschaftlichen Seilschaften möglichst optimal vernetzen, um ihre Mannen in wichtige Positionen in Wirtschaft, Gesellschaft und Staatsapparat zu hieven.

Und weil das streng deutschnational von statten geht lernen sie in Vorträgen die einschlägige Interpretation von Geschichte. Wenn es passt sogar mit Gästen, die sich über die „Umvolkung“ auslassen dürfen. Wie etwa dem Boss der Identitären, Martin Sellner, wie 2017 bei der Eysn in Steyr geschehen. Und natürlich findet sich auf den Websites der Burschenschaften Einschlägiges für solch krude Geschichtsauffassung.

Allerdings verwundert es nicht, dass der LH ebensolche „Jugendarbeit“ ehrt und fördert. Schüttet das Land doch seit Jahren das Steuer-Füllhorn für Rechtsextreme aus. Während von der schwarz-blauen Koalition bei Kultur- und Sozialvereinen auf Teufel komm raus gestrichen wurde, förderte das Land Oberösterreich den Landesdelegierten-Convents (LDC), den Dachverband pennaler Burschenschaften, von 2006 bis 2019 vom Land Oberösterreich mit satten 945.000 Euro. Bis 2018 im Rahmen der von den Landtagsparteien abgestimmten „Paketförderungen” sogar stets einstimmig, also auch mit Zustimmung von SPÖ und Grünen. Dem LDC gehören 15 pennale Verbindungen an, davon allein sechs in Linz.

Bis 1999 wurden die mit dem Rechtsextremismus verfilzten deutschnationalen Burschenschaften von der damaligen Staatspolizei – heute Verfassungsschutz – überwacht. Auch wenn dabei allzu oft keine Konsequenzen damit verbunden waren. Unter Schwarz-Blau I wurde diese Überwachung ab 2000 eingestellt und auch nach dem Regierungseintritt der SPÖ 2006 nicht wiederaufgenommen. Seither wird der ausufernde Rechtsextremismus – wobei Oberösterreich seit Jahren im Spitzenfeld bei den einschlägigen Straftaten liegt – durch Aufrechnung mit anderen Extremismen systematisch kleingeredet.

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