Im blauen Sumpf

Die FPÖ habe „einen fehlerlosen und höchst dynamischen Wahlkampf absolviert“ und trotzdem bei der steirischen Landtagswahl massiv verloren beklagte FPÖ-Chef Norbert Hofer. Wie blauäugig muss man für einen solchen Befund sein?

Strache wollte in Ibiza Wasser und „Krone“ verkaufen und schwadronierte locker über Spenden der Industrie „am Rechnungshof vorbei“. Dann kam auf, dass er jahrelang höchst üppig Spesen auf Parteikosten kassierte. Zuletzt der Postenschacher mit Löger, Kurz & Konsorten, um den FP-Mann Sidlo in die Casinos zu hieven.

Klar, die FPÖ hat im Vergleich zu ÖVP und SPÖ – die sich nach 1945 streng nach Proporz das Land aufgeteilt haben – Nachholbedarf in punkto Postenbesetzung. Und so hievte man schon unter Rot-Blau (1983-1986) blaue Vertrauensleute in den staatlichen Sektor, detto unter Schwarz-Blau I (2000-2006) und Schwarz-Blau II (2017-2019). Die einst übliche Überwachung von Burschenschaftern durch den Verfassungsschutz wurde ja schon längst abgeschafft.

Aber was ficht das Strache an, der sich in altgermanischer Manier ganz schuldlos als Opfer stilisiert. Und jetzt will diese politische Leiche ähnlich wie einst Lazarus wiederauferstehen und bietet seine Rückkehr an.

Unbekannt ist Hofer wohl auch steirische FPÖ-Abgeordnete Zanger, der schon 2018 sein Parteifreund Landbauer in Niederösterreich ein Faible für burschenschaftliche Liederbücher hat, aus denen „wir schaffen die siebte Million“ gesungen wird. Alles nur „Einzelfälle“, die sich freilich längst zum System verdichtet haben. Wer sich ernsthaft damit anlegt, würde wohl als Sprengmeister der FPÖ in die Geschichte eingehen.

Da hat der oö Parteichef Haimbuchner voll zu tun um solche „Störungen“ abzuwehren. Er ist zwar selbst Burschenschafter, für ihn hat jedoch die Achse zur Industrie – gepflegt etwa über vom Land mit 145.000 Euro (2018) dotierten „Liberalen Klub“ – Vorrang. Um genüsslich erklären zu können: „Wir halten die ÖVP am rechten Weg“ (Kurier, 7.4.2019). Denn die eigentliche Misere ist, dass die „staatstragenden“ Parteien mit Koalitionen die FPÖ salonfähig gemacht haben: Die ÖVP aktuell immer noch in Oberösterreich, die SPÖ im Burgenland und informell trotz Aufkündigung auch in Linz.