Mit dem SUV ins ASZ?

Posted on 16. Oktober 2019


„Getrennte Abfälle sind wertvolle Rohstoffe“ erklärt der Bürgermeister von Puchenau (Bezirk Urfahr-Umgebung), Gerald Schimböck (ÖVP) seinem Gemeindevolk in einem Rundbrief zur Umstellung der Sammlung von Kunststoffabfällen von der „Gelben Tonne“, also öffentlichen Sammelbehältern, auf den „Gelben Sack“, die vom Bezirksabfallverband ab 2020 verordnet wurde.

Wenn aber getrennte Abfälle wertvolle Rohstoffe sind, heißt das im Klartext, dass die Abfallwirtschaft damit kräftig Profit macht. So gesehen wäre es wohl logisch, dass die Abfallwirtschaft verpflichtend fußläufig erreichbare Sammelbehälter in allen dicht verbauten Wohngebieten aufstellt und entsorgt. Und zwar in einer solchen Dichte und Regelmäßigkeit, dass „vermüllte Sammelplätze, mehr als 1/3 Fehleinwürfe in den öffentlichen Kunststoffsammelbehältern, illegale Müllablagerungen bei Containerstandplätzen, Mülltourismus und damit verbundene hohe Reinigungskosten“ reduziert und soweit möglich ganz beseitigt werden. Denn es wird doch wohl niemand im Ernst annehmen, dass mit dem „Gelben Sack“ diese Probleme schlagartig beseitigt werden. Vielmehr ist anzunehmen, dass vielfach Kunststoffabfälle zum Rest- oder gar Biomüll wandern.

Bereits im Sommer machte die Gemeinde Walding (ebenfalls Bezirk Urfahr-Umgebung) mit einer von der ÖVP mit tatkräftiger Unterstützung der Grünen beschlossenen Auflassung der vorhandenen Müllinsel von sich reden. Stupide Begründung: Mangelnde Mülltrennung und Verschmutzungen. Zeitgleich forderte Grünen-Landeschef Stefan Kaineder „Anreizsysteme, wie zum Beispiel bei der Mülltrennung“. Die Auflassung öffentlicher Sammelstellen dürfte dabei freilich nicht das adäquate Mittel zu sein. So wird Kaineders Behauptung „Die Grünen stehen als Einzige glaubwürdig für Umweltschutz“ (OÖN, 8.8.2019) aber ziemlich unglaubwürdig.

Was für Kunststoffabfälle gilt, trifft auch für andere Abfälle zu. So wurden etwa beim Spar-Markt am Pöstlingberg (Gemeinde Gramastetten, ebenfalls Bezirk Urfahr-Umgebung) nach dem Wechsel des Betreibers im Sommer 2019 überfallsartig die dort seit gut zwanzig Jahren stationierten Sammelbehälter für Kunststoff, Altmetall und Altkleider mit dem sattsam bekannten Argument der Verschmutzung – meist Überfüllung als Folge nicht häufig genug erfolgender Entleerung – eliminiert und im September folgten auch die Altglassammelbehälter.

Auf Nachfrage bei der Gemeinde wurde lapidar erklärt, es gäbe ohnehin den „Gelben Sack“ der alle sechs Wochen zur Müllabfuhr bereitgestellt werden könne. Andere Altstoffe sollten gefälligst im Abfallsammelzentrum entsorgt werden. Und wie der Puchenauer Bürgermeister ankündigt, sollen ab 2021 sogar die noch vorhandenen öffentlichen Altpapiertonnen aufgelassen werden und Altpapier nur mehr über die Tonnen in Haushalten oder direkt in Altstoffsammelzentren entsorgt werden können.

Von Maßnahmen etwa die Plastikflut bei Verpackungen einzudämmen oder den Wildwuchs bei Glasflaschen zugunsten standardisierter Normflaschen zu beseitigen ist freilich weder von Seiten der Abfallverbände oder des Handels etwas zu hören. Auch nicht davon, dass etwa die diversen Supermärkte verpflichtet werden könnten auf ihren Parkplätzen Sammelbehälter für den Einkaufsverkehr aufzustellen. Abgeladen wird die Abfallflut ausschließlich bei den Konsument_innen, also den Haushalten. Ganz nach dem Motto „Den letzten beißen die Hunde…“

So schaut das also aus: Damit die Abfallwirtschaft mit den „wertvollen Rohstoffen“ kräftig Profite machen kann, sollen die Haushalte auf eigene Kosten dafür sorgen, Abfälle kilometerweit in ein Sammelzentrum zu transportieren, steht es laut Bgm. Schimböck doch jedem frei „Verpackungen direkt ins SZ zu bringen“. Das Argument von Bgm. Schimböck „richtige Entsorgung spart Rohstoffe und Energie“ erweist sich damit als Liebesdienst für die Abfallwirtschaft auf Kosten der Konsumenten.

Der politisch schwarz-grün geprägte Bezirk gilt als Speckgürtel mit einem hohen Anteil von gut betuchten Mittelstandsbürgern und „Stadtflüchtlingen“, die hinaus ins Grüne gezogen sind und vielfach täglich – natürlich mit dem Auto – in die Stadt pendeln und die dann wohl mit ihren SUVs den Abfall ins Altstoffsammelzentrum kutschieren. Das ist in Zeiten des angeblichen Klimaschutzes dann wohl das Non plus Ultra ökologischen Verhaltens…

 

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