Systematische Hinterfragung

Posted on 11. September 2019


Anklopfen

Der Klimawandel hat die politische Debatte erfasst. Abgesehen von notorischen Leugnern im rechten Eck – die das Thema durch Ignoranz aus der Welt schaffen wollen – ist allen klar, dass gehandelt werden muss. Auch wenn manche dabei auf Dampfplaudern setzen.

Aber auch die Lösungsorientierten machen es sich oft recht einfach: Die Hardcore-Neoliberalen wollen das Problem streng marktwirtschaftlich lösen. CO2-Steuer heißt das Zauberwort dafür. Aber eine Regelung, die nur rigoros auf Preise und Steuern beschränkt, begünstigt Gutverdienende und Vermögende und lässt die Habenichtse blechen. Ergo verstärkte Umverteilung nach oben.

Andere machen ausschließlich die „oberen Zehntausend“ und die Konzerne für den Klimawandel verantwortlich und kultivieren als Draufgabe gleich auch noch überhöhten Fleischkonsum, Billigfliegerei und ähnliche Auswüchse einer hemmungslosen kapitalistischen Konsumgesellschaft. Auch moralische Appelle an den Verzicht wie gerne von gutsituierten grünen oder katholischen MittelstandsbürgerInnen zu hören gehen am Kern der Sache vorbei, auch sie treffen Schwächere, die auf manches nicht so einfach verzichten können.

Das Problem ist freilich viel komplizierter. Ein Schlüsselbegriff dabei ist die „imperiale Lebensweise“, die Tatsache, dass die Menschen in den reichen Regionen der Erde auf Kosten der ärmeren Regionen leben und das gilt – natürlich in Abstufungen – durchaus für alle. Es gilt daher die kapitalistische Produktions- und Lebensweise und die damit verbundene und schon von Karl Marx charakterisierte Ausplünderung der Erde grundsätzlich zu hinterfragen.

Natürlich müssen Maßnahmen für den Klimaschutz vorrangig die soziale Komponente berücksichtigen. Natürlich gilt es die Verteilungs- und Eigentumsfrage zu stellen. Natürlich gilt es die Ökologie in Verbindung mit dem Anspruch auf ein gutes Leben für alle zu sehen. Gleichzeitig darf aber das nicht den Blick auf Fehlentwicklungen – etwa eine grenzenlose Mobilität, überhöhte Konsumansprüche zu Dumpingpreisen – verstellen. Wirkliche Lösungen brauchen demnach stets eine kritische Hinterfragung von Fehlentwicklungen. Und es gilt ein globales Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, das einer solidarischen Gesellschaft angemessen ist.

 

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