Linzer Schnapsideen

Posted on 17. Dezember 2018


Luger

Unter Bürgermeister Dobusch gab sich Linz noch damit zufrieden „Kulturhauptstadt“ oder „Sozialhauptstadt“ zu sein. Sein Nachfolger ist ehrgeiziger. Geht es nach dem „sozialliberalen“ SPÖ-Bürgermeister Luger muss Linz mindestens zur „Innovationshauptstadt“ werden.

Es geht um Standortkonkurrenz und Investorensuche, 350.000 Euro kostet das bürgermeisterliche Innovationsbüro für diesen Zweck. Während rundherum gekürzt wird, spielt für den neoliberalen Zauber Geld keine Rolle. Die wirklichen Probleme der Stadt müssen warten. Umso mehr sind Luger und sein blauer Koalitionspartner von zeitgeistigen Projekten begeistert und geben das medial mit voller Inbrunst kund.

Ob ein ukrainischer Investor beim Lentos einen Aussichtsturm – im Volksmund umgehend „Penisturm“ genannt – bauen oder eine Investorengruppe eine Planetenseilbahn kreuz und quer über die Donau errichten will. Ob es ein Fußgängersteg zwischen Römerberg und Tiergarten über die Donau oder das vom Land forcierte Prestige-Projekt eines LASK-Stadions im Grünen am Pichlingersee ist. Ob das von FPÖ-Stadtrat Hein forcierte Projekt einer Seilbahn im Linzer Osten zwischen Ebelsberg und Plesching oder ein Katamaran zwischen Ottensheim und dem Linzer Hafenareal, das kostenmäßig für den Berufsverkehr zu vergessen ist.

Ein Projekt jagt das nächste, Medien und Politik geben sich begeistert. Bleibt zu hoffen, dass möglichst wenig davon realisiert wird. Denn auch wenn diverse Investoren beteuern, alles privat zu finanzieren – erfahrungsgemäß bleibt immer etwas an den Steuerzahler_innen hängen. Und manches erinnert an frühere Schnapsideen wie etwa einer Ski-Weltmeisterschaft auf der Mayrwiesen oder einer Skialm auf dem Pöstlingberg, beide erfreulicherweise heute längst Schnee von gestern.

So wie die schwarz-blaue Bundesregierung durch eine strikte „Message Control“ gezielt von ihren unsozialen Anschlägen ablehnt versucht man es in Linz mit Luftnummern. Hauptsache es erregt die Gemüter, dann wird nicht über die triste Alltagspolitik gesprochen und diese nicht hinterfragt. Liegengebliebene Aktenberge, umstrittene Hochhäuser, ungelöste Verkehrsprobleme, Budgetnöte trotz Kürzungspolitik bei Sozialem, Personal und Kultur bewegen die Menschen. Da braucht man immer etwas zum Ablenken.

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