Auf in die Anonym-Gesellschaft?

Posted on 10. Dezember 2018


AnonymMit großem Trara trat am 25. Mai 2018 die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Angeblich sollten damit die persönlichen Daten der BürgerInnen vor Missbrauch geschützt werden.

Eine erste Bilanz ein halbes Jahr später ist freilich ernüchternd. Gerade die größten Datengeier – Google, Amazon, Facebook und Konsorten – konnten auf Kosten kleinerer Unternehmen ihren Anteil in der Online-Werbung ausweiten. Die globalen Kosten von 7,8 Mrd. Euro der 500 größten Konzerne weltweit für die DSGVO-Konformität haben sich also voll rentiert.

Laut einer Studie des Ökonomen Liad Wagman haben sich durch die DSGVO die Hürden für den Markteinstieg erhöht. Große Unsicherheit und Klagen von Kleinunternehmern und Vereinen bestätigen das. Eine gigantische Bürokratie und entsprechende Kosten belasten gerade die Kleinen, bringen aber wenig praktischen Nutzen.

Auch Startups machen das große Geschäft mit dem Datenschutz. Wie schon bei EU-Richtlinien zu Lärmschutzwänden, Hausbriefkästen, Smartmeter oder Energiesparlampen gilt es zu fragen, wer damit das große Geschäft macht. Wobei Österreich immer als Musterknabe der EU gelten will.

Welche Stilblüten das treibt machte die Stadt Wien deutlich, als sie nach einer Klage eines Mieters im Eilzugstempo verfügte für 220.000 Wohnungen in 2.000 Gemeindebauten die Namensschilder gegen TOP-Nummern auszutauschen – um zwei Monate später die Aktion wieder abzublasen. Kosten summa summarum für den zu fünf Prozent bereits durchgeführten Tausch 33.000 Euro für nichts.

Während die wirklichen Datengeier – Internetkonzerne, Geheimdienste, Verfassungsschutz, Staatsapparat – die Menschen systematisch bespitzeln, wird die Gesellschaft in Unsicherheit versetzt.

Postler und Paketdienste stehen verwirrt vor kryptischen TOP-Schildern. In Ordinationen wird verlangt PatientInnen nicht mit Namen sondern per Nummer aufzurufen. Fotos von Veranstaltungen in Kindergärten, Schulen oder im Vereinsleben werden untersagt. Kursveranstalter dürfen keine Teilnahmelisten mehr bereitstellen. In Lokalen sollen Gäste nicht mehr namentlich begrüßt werden dürfen. Sind wir also auf dem Weg in eine Anonym-Gesellschaft, wo Menschen zu Nummern degradiert werden?

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