Im göttlichen Auftrag?

Posted on 20. August 2018


Habsburgergesetz„Ohne Verklärung, aber auch ohne Vorurteile“ wollen uns die „OÖN“ mit einer Serie den Adel in Oberösterreich nahebringen.

Mit Verweis auf den Prager Fenstersturz von 1618, dem ein Vorfahre der Clam-Martinic zum Opfer fiel, will man uns die Leiden der Starhembergs, Spiegelfelds, Salm-Reifferscheidts, Kinskys und Konsorten nahebringen, deren früher „aufwendiger Lebensstil nicht mehr finanzierbar“ ist wie Carl Philipp Clam-Martinic klagt.

Der Historiker Roman Sandgruber beklagt dazu die „wirtschaftliche Katastrophe“ in welche der Adel mit dem Ende der Habsburger-Monarchie 1918 gestürzt wurde. 1919 wurde die Führung von Adelstiteln verboten – die Verwaltungsstrafe dafür beträgt lächerliche 14 Cent, was den damaligen 20.000 Kronen entspricht. Dass der Hochadel das einfache Volk im quasi göttlichen Auftrag jahrhundertelang ausgeplündert hatte, wird freilich schamvoll verschwiegen.

Aber auch wenn es de jure keinen österreichischen Adel mehr gibt, lässt sich dieser „nicht durch ein Titelverbot auslöschen.“ Ist doch die wirtschaftliche Macht des „verborgenen Standes“, der laut der Adels-Expertin Gudula Walterskirchen in Oberösterreich immerhin rund 3.000 Personen umfasst, „immer noch ein Faktor, aber kein bestimmender“ mehr. Immerhin hat das Haus Sachsen-Coburg und Gotha 19.000 Hektar Grundbesitz, davon 15.000 Hektar Wald. Clam-Martinic hat die Burg Clam zum renommierten Veranstaltungszentrum ausgebaut. Spiegelfeld ist im Immobiliengeschäft tätig, um einige Beispiele zu nennen.

Wie eine „Großfamilie, untereinander verwandt, versippt und verschwägert“ (Walterskirchen) ist dieser Adel ein „nahezu unsichtbares Netzwerk“ (Sandgruber), das seit Jahrhunderten quasi als Vorläufer der EU „europäisch, durch Heirat, Zuwanderung und vielfältige persönliche und politische Kontakte“ seine Macht ausübt.

Nun gibt es in dieser Szene lustige Figuren wie Ernst August aus dem Hause Hannover mit Schloss im Almtal, der von der Klatschpresse als „Prügelprinz“ und „Pipiprinz“ abgefeiert wurde. Andere sind politisch aktiv, wie etwa Spiegelfeld als langjähriger ÖVP-Bundesrat. Auch wenn sich manche seinerzeit zur NSDAP „verirrten“ wie Karl Ottmar Lamberg und Rüdiger Starhemberg als Heimwehr-Führer sich als Leitfigur des Austrofaschismus profilierte, war nicht nur in der 1. Republik generell die Sehnsucht nach Wiedererrichtung der Monarchie die Leitlinie.

So gesehen muss man den „OÖN“ dankbar sein, dass sie Aussagen öffentlich machen. Etwa den Sager von Norbert „van“ Handel „Die Monarchie ist die bessere Staatsform und billiger, weil man sich eine Wahl spart“ (OÖN 14.8.2018). Die Pikanterie dabei ist nämlich, dass besagter Handel 2008 den Sankt-Georgs-Orden als Hausorden der Habsburger wiederbegründet hat und diesem Orden neben den FPÖ-Politikern Hofer und Haupt auch die ÖVP-Politiker Pröll, Pühringer und Stelzer angehören. Und das obwohl Handel 2016 demonstrativ aus der ÖVP ausgetreten ist, weil diese nicht Norbert Hofer bei der Bundespräsidentenwahl unterstützt hat.

Man muss wohl zu Recht fragen, wie es ein Landeshauptmann einer Partei, die neben SPÖ und KPÖ, zu den drei Gründungsparteien der 2. Republik gehört, vereinbaren kann, einem Orden anzugehören, in dem ein Adelsmann führend tätig ist, der offen für die Beseitigung der mühsam erkämpfen Demokratie eintritt.

 

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