Verkehrte Begrifflichkeit

Posted on 26. April 2018


Arbeitgeber„Was wäre der Tag der Arbeit ohne Arbeit-Geber?“ fragt zum wiederholten Male die oberösterreichische Wirtschaftskammer recht demagogisch vor dem 1. Mai und ernennt dabei flugs den 30. April zum „Tag der Arbeitgeber“, obwohl dieser eigentlich eher als „Tag der Arbeitslosen“ begangen wird.

Versehen ist das Ganze mit dem Zusatz „517.000 Unternehmerinnen und Unternehmer schaffen 2,6 Millionen Arbeitsplätze“. Was natürlich ein Fake ist, sind doch laut WKO-Statistik von bundesweit insgesamt 633.683 Kammermitgliedern satte 305.603 oder 48 Prozent EPU (Ein-Personen-Unternehmen), die also bestenfalls den eigenen Unternehmer-Arbeitsplatz sichern, bei dem es sich freilich durchwegs eher um eine Schein-Selbständigkeit handelt.

Ja was wäre der Tag der Arbeit ohne Arbeitgeber? Vielleicht würde in vielen Betrieben die Arbeit einfach weitergehen, ohne dass das Fehlen der „Arbeitgeber“ – das gilt insbesondere für Großbetriebe wo die „Arbeitgeber“ meist anonyme Aktionäre, Spekulanten und Kuponschneider sind – besonders auffallen würde. Schließlich ist doch schon die Begrifflichkeit eine völlig verkehrte: Geben doch in Wahrheit nicht die Kapitaleigner die Arbeit, sondern nehmen sie de facto von den zu „Arbeitnehmern“ degradierten Lohnabhängigen. Diese sind es ja, die jene Arbeit leisten, aus deren Ertrag der Mehrwert entsteht, den sich zu einem erklecklichen Teil die Besitzer der Unternehmen – also die angeblichen „Arbeitgeber“ – unter den Nagel reißen.

Aber frei von solchen Fakten trieft die Leistungsbilanz der Wirtschaftskammer nur so von angeblicher Selbstlosigkeit zum Wohle der Beschäftigten. Ganz so als ob es eine Gnade wäre via Lohnarbeit das kapitalistische System zu sichern. Während sich die Kämmerer tagaus, tagein über die angeblich unerträgliche Belastung der Unternehmen durch Löhne plus Nebenkosten, Sozialabgaben und Steuern, Arbeitsinspektorate und Steuerprüfungen und vieles mehr beschweren, gibt man sich zum Tag der Arbeit ganz generös und selbstlos.

Freilich ist das Eigenlob über „Top-Zufriedenheitswerte“ bei Jobs und Arbeitsbedingungen, laut dem eine Studie der „London School of Economics“ Österreich unter 150 Ländern als „Weltmeister“ ermittelte, umgehend mit der Forderung nach Entlastungen verbunden. Klar, denn „soziale Verantwortung“ hin oder her, der Profit geht immer noch vor. Wäre ja sonst auch kein Kapitalismus.

Bemerkenswert dabei ist freilich: 2017 wurde etwa in Oberösterreich bei einem Beitragsvolumen von 7,7 Mrd. Euro eine Pünktlichkeitsquote von 97,6 Prozent und eine Einbringlichkeitsquote von 98,46 Prozent verzeichnet. Und laut Bauarbeiterurlaubskasse (BUAK) gab es zwar bei 40 Prozent der ausländischen Unternehmen – zumeist ziemlich kriminelle Subunternehmen – Feststellungen über Unterentlohnung von Beschäftigten, aber nur bei weniger als einem Prozent der österreichischen Betriebe. Warum errichtet die Wirtschaftskammer bei so viel Seriosität immer ihrer Mitglieder umgehend eine Wagenburg zum Schutz ihrer „schwarzen Schafe“ statt diese einfach zur Räson – sprich Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen – zu rufen?

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