Mit modischem Design für satte Dividenden

Posted on 31. Juli 2017


Nimmt

Die Post bringt zwar laut Werbespruch angeblich allen was. Bei genauerer Betrachtung stellt man jedoch rasch fest, dass sie in erster Linie nur ihren Aktionär_innen wirklich etwas bringt. Beschäftigte und Kunden sind in vielfacher Hinsicht die Draufzahler und müssen mit ihren Opfern für angemessene Dividenden geradestehen.

Das oberste Gebot des Post-Managements ist unübersehbar eine maximale Bedienung der Aktionär_innen: So nahm die Post AG als ATX-Unternehmen im Geschäftsjahr 2016/17 mit der Auszahlung von 135 Mio. Euro Dividende von einem Gewinn von 153 Mio. Euro und damit einer Ausschüttungsquote von 88,5 Prozent einen Spitzenplatz ein.

Der neueste Streich des überbezahlten Postmanagements – Post-Boss Georg Pölzl rangiert mit einem Jahresbezug von 2,45 Mio. Euro auf Platz 8 der ATX-Unternehmen – ist die Ausstattung der 12.000 Mitarbeiter_innen mit von der Star-Designerin Marina Hoermanseder gestalteten neuen Uniformen. Diese hat allerdings nicht unbedingt das beste Renommee – ihre zeitgeistigen Entwürfe für neue Unformen der Austrian Airlines wurden nie umgesetzt.

Die Kosten für das neugestaltete Gelb der Postler_innen werden tiefstapelnd mit „ein paar hunderttausend Euro“ angegeben. Das ist somit kein Problem, das spart der Vorstand locker beim Personal ein, sei es durch Personalabbau oder durch bescheidene Löhne. Hat doch GD Pölzl schon vor sieben Jahren klargestellt „Wenn wir über Kosten reden, sind wir schnell bei Personalkosten“ (Die Presse, 25.3.2010). Und meinte als Draufgabe „Wir sprechen sehr konsequent mit Mitarbeitern, die ihre Leistung nicht mehr erbringen können oder wollen“ (Der Standard, 24.10.2011).

So verwundert es auch nicht, wenn die teilstaatliche Post AG (Staatsanteil 52,85 Prozent) auf Werbeflyern in Linzer Postämtern Paket- und Briefzusteller_innen sucht, denen für eine 40-Stundenwoche ein KV-Monatsbruttogehalt von gerade 1.479,62 Euro geboten wird – also weniger als den von der Regierung vorgegebenen und von den Sozialpartnern bis 2020 vereinbarten Mindestlohn von 1.500 Euro brutto (1.199 Euro netto). Als Verhöhnung müssen es Betroffene empfinden, wenn dabei halblustig mit Sprüchen wie „Sie sind gerne an der frischen Luft“ geworben wird, gleichzeitig aber „Kundenorientierung und sympathisches Auftreten, Orientierungsvermögen und Organisationsgeschick, Genauigkeit, Flexibilität und körperliche Fitness, Pflichtschulabschluss und gute Deutschkenntnisse sowie Volljährigkeit und B-Führerschein“ verlangt werden.

Ähnlich fragwürdig ist die Post-Werbung um 1.500 Ferialpraktikanten als Vertretungspersonal: Diesen wird ab 1.000 Euro brutto für Vollzeitarbeit (849 Euro netto) geboten – inklusive Überstundenpauschale. Ob das die angepriesenen „sonnigen Aussichten für deine Urlaubskasse“ sind, darf stark bezweifelt werden.

Die Entwicklung der Post ist im Nachhinein betrachtet eine bezeichnende Tragödie wie hierzulande mit dem öffentlichen Eigentum umgegangen wird. Der einst starke und einheitliche Staatskonzern wurde im Zuge der unter Regie von SPÖ und ÖVP erfolgten Privatisierung gezielt ganz nach dem Geschmack der Dividendenhaie zersplittert:
– Die stets als Cash-Cow geltende Telekom wurde ausgegliedert und steht heute mehrheitlich unter der Fuchtel des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim, der Staatsanteil auf 28,4 Prozent reduziert.
– Die lukrative PSK wurde an die BAWAG verscherbelt, die wiederum vom früheren Eigentümer ÖGB an den US-Fonds Zerberus verkauft wurde, der mit 51,8 Prozent weiterhin Haupteigentümer ist.
– Der Postbus landete nach manchen Wirren bei der immerhin nach wie vor zu 100 Prozent im Staatsbesitz stehenden ÖBB.
– Die „gelbe Post“ wurde als Post AG per Börsegang teilprivatisiert, der Staatsanteil beträgt nur mehr 52,8 Prozent .

Die Politik des Post-Vorstandes beweist einmal mehr, wohin die von der damaligen schwarz-blau-orangen Regierung mit Zustimmung der SPÖ eingeleiteten Börsegang im Jahre 2006 geführt hat. Gerade am Beispiel der Post kann das nur als eine Pervertierung öffentlichen Eigentums bezeichnet werden. Die Leidtragenden sind die Beschäftigten durch Arbeitsplatzabbau, Lohndruck und Sozialabbau und die Öffentlichkeit durch die systematische Ausdünnung der Post-Infrastruktur.

Konkret schaut das so aus, dass etwa von 2002 bis 2014 die Dividenden um 354 Prozent und die Vorstandsgagen um 181 Prozent stiegen, während die Zahl der Beschäftigten um 17 Prozent und jene der mittlerweile zu Ramschläden verkommenen Postfilialen gar um 77 Prozent zurückgegangen ist.

Bekannt ist die Post auch dafür, dass Massen von Bedienstete im Alter von gerade 50 oder sogar darunter auf Staatskosten vorzeitig in Pension geschickt wurden und man „überschüssiges“ Personal durch Zuweisung in posteigene Jobcenters zu untätiger Anwesenheit verdammt und solange mürbe gemacht hat, bis sie entnervt selber das Handtuch geworfen haben. Nicht wirklich überzeugend waren auch die Versuche überschüssiges Post-Personal bei der Polizei unterzubringen.

Dafür wurde der Arbeitsdruck auf das verbleibende Personal systematisch verstärkt, was sich etwa in einer sukzessiven Vergrößerung der Zustellrayone für die klassischen Briefträger_innen und einer allgemeinen Verschlechterung des Betriebsklimas zeigt. Der Vorstand wandelt hingegen ganz in Großmannssucht auf dem Parkett multinationaler Konzerne mit Auslandsbeteiligungen in Deutschland, Polen und der Slowakei, in Ungarn, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Montenegro und der Türkei. Und man macht mit dem Erwerb von Billigschienen wie feibra den eigenen Beschäftigten Konkurrenz.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Post als „Überraschungsgast“ 2016 sogar im „Schwarzbuch Arbeitswelt“ der oö Arbeiterkammer Aufnahme fand. Beanstandet wurden von der Arbeiterkammer rechtswidrige Beendigung von Arbeitsverhältnissen, falsche Berechnungen von Abfertigungen und Urlaubsgeldern, unbezahlte Überstunden und rechtswidrige Abzüge wegen angeblicher „Minusstunden“.

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