Ganz einfache Lösung

Posted on 14. Dezember 2016


schirmDie Gewerkschaft vida „agiert wie eine Frontalopposition und verweigert sich jeder sachlichen Arbeit“ wütet Markus Gratzer, seines Zeichens Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und behauptet, die „Gewerkschaft verweigert sich und nimmt damit die Sozialpartnerschaft in Geiselhaft“.

Schützenhilfe erhält der oberste Hotelier des Landes vom Vorarlbergs Landesstatthalter – ja sowas gibt es noch in Österreich – Karlheinz Rüdisser und dem Salzburger Landtagsabgeordnete Hans Scharfetter, die „zeitgemäße Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“ einfordern. Wie diese ausschauen wird nicht näher definiert, aber kann unschwer erahnen was damit gemeint ist. Nämlich Beschäftigte die zu Hungerlöhnen rund um die Uhr arbeiten und das Maul halten.

Als „positives“ Beispiel wird der vida die Regelung in der Industrie vorgehalten, wo bei der Rot-Weiß-Rot-Karte „die Gewerkschaft nicht alles blockiert“. Denn so die Logik der Hoteliersvereinigung „Jede Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied.“ Wenn man an die Verdienste in Gastronomie und Tourismus denkt, kann diese Kette freilich nicht sehr stark sein.

Wie wäre es mit einer einfachen Lösung: Die Hotellerie und Gastronomie zahlt ihren Beschäftigten solche Einkommen wie in der Industrie und natürlich auch via Rot-Weiß-Rot-Karte ins Land geholtem Personal. Da geht´s aber wohl weniger darum, dass die „Gewerkschaft in die Gänge kommen muss“, sondern vorrangig muss die Unternehmerseite in der für Niedriglöhne, extreme Arbeitszeiten und damit massiver Fluktuation verbundenen Branche in die Gänge kommt.

Wofür die Branche tatsächlich steht demonstriert wie kein zweiter der NEOS-Abgeordnete Sepp Schellhorn, ein Salzburger Hotelier. Er ist voll des Lobes für die Grün-Abgeordnete Birgit Schatz über den Umfaller der Grünen für ein Ganzjahresarbeitsmodell für den Tourismus: „365 Tage Arbeit im Tourismus“ ist nämlich ganz nach dem Geschmack der neoliberalen Einpeitscher, Arbeitszeitverkürzung hingegen Teufelszeug, macht Schellhorn aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Geregelte Arbeitszeiten, Überstundenzuschläge, Urlaubsansprüche sind für die NEOS – und ihnen wohl auch die Grünen – wohl Schnee von gestern. Billiges Personal damit die Profite sprudeln ist ihr Rezept. Jetzt gelte es bloß noch die Regierungsparteien davon zu überzeugen, so Schellhorn. Aber auch wenn alle derzeit 9.000 offenen Stellen im Tourismus besetzt würden, blieben von den 49.000 Arbeitslosen in dieser Branche immer noch 40.000 übrig. Mit dem Rechnen hat es Herr Schellhorn offenbar nicht so richtig.

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