Über Weltverschwörer und Wutbürger

Posted on 7. Juni 2016


Mit einem besonders widerlichen Medienprodukt „beglückt“ der Investor Ronnie Seunig seit einiger Zeit das Land. Es titelt sich „alles roger?“ mit dem Untertitel „Das Querformat für Querdenker“ und wird in einer Auflage von angegebenen 220.000 Exemplaren durchwegs gratis in diversen Lokalen aufgelegt. Der aufgedruckte Preis von 1,50 Euro dürfte also nur symbolischen Charakter haben.

In seiner Selbstdarstellung als „Don Ron“ läßt sich Seunig als „eine der schillerndsten Persönlichkeiten Österreichs“ feiern, die sich „nicht nur als erfolgreicher Geschäftsmann und Gründer des Einkaufsparadieses „Excalibur City“ weltweit einen Namen gemacht“ hat, sondern „unter Insidern als der bedeutendste Sammler von Schuco Blechspielzeug-Modellen, Jukeboxes und Laurel & Hardy Memorabilien“ gilt. Seunig will nun offensichtlich sein 1994 gegründetes Vergnügungszentrum Excalibur City  an der österreichischen Grenze in der Tschechischen Republik mit geistigen Ergüssen besonderer Art auch medial begleiten. Und so ist die Mai-Ausgabe 2016 dem Thema „Das Spiel mit der Welt“ der „globalen Macht der Denkfabriken“ und diversen Verschwörungstheorien gewidmet.

Als besonderes Objekt der Begierde gilt dabei wie bei den meisten Verschwörungstheoretikern der als „Heuschrecke“ dargestellte US-Multimilliardär George Soros der als Inspirator von NATO, Weltbank und EU dargestellt wird. Auch die Bilderberger bekommen dabei ihr Fett ab und werden sowohl als Organisator des Ölschocks von 1973 wie auch als Drahtzieher der österreichischen Innenpolitik bei der Abschaffung der Neutralität, des Schillings und der Wehrpflicht sowie der Grenzöffnung für Flüchtlinge dargestellt. Die Zivilgesellschaft wird dabei als durch auf von Soros finanzierte NGOs gesteuert denunziert.

Und natürlich darf auch ein Schuss Antisemitismus nicht fehlen, konkret mit dem dezenten Hinweis, dass der György Schwartz „als Sohn reicher jüdischer Eltern“ in Ungarn geboren wurde und seine Familie in der Nazizeit ihren Namen in das weniger jüdisch klingende Sorosz umbenannte. Und natürlich fehlen auch die Hinweise auf enge Bande zu den Rothschilds nicht. Unter dem Titel „Geschäftsmodell Asyl“ wird weder neu noch originell alles zusammengefasst um Menschen die vor Krieg, Terror und Verfolgung fliehen schlecht zu machen.

Passend bekommt auch das „rote Wien“ sein Fett ab und wird der Wiener SPÖ eine Politik zugeschrieben, infolge welcher die Wiener „bald fremd in der eigenen Heimat“ würden. Auch der Nationalbank widmen sich die Schreiberlinge von „alles roger?“ und attestieren dieser „von Gnaden der Familie Rothschild“ zu agieren. Und als Draufgabe darf der Ex-FPÖ- und Ex-BZÖ-Politiker Peter Westenthaler sich in einer eigenen Kolumne verbreitern und die Bedeutung der „Panama-Papers“ kleinreden, die nach Westenthalers Meinung als „Plan der Inszenierer“ von einem „riesigen US-Netzwerk finanziert“ wurden hinter dem wie könnte es auch anders sein abermals George Soros steht.

Und das alles mit dem Ziel den russischen Präsidenten Putin anzupatzen und als „gefährlicher als der IS“ einzustufen, obwohl doch die USA ihr eigenes Steuerparadies in Delaware haben. Westenthaler prangert abschließend die Steuerpraktiken österreichischer Unternehmen wie Telekom, OMV oder AUA an, schweigt aber wohlweislich über die mit solchen ehemals oder noch immer teilweise staatlichen Unternehmen verbundenen Korruptionspraktiken in der schwarz-blauen Regierungszeit, als Westenthaler als großer Macher gegolten hat.

Als besonderes Bonmot im Seunig´schen Medienprodukt darf ein dem Tiroler Hotelier Jürgen Ritzler als „Der Tiroler Rebell“ gewidmeter Report gelten. Dieser wird als typischer Wutbürger Marke Roland Düringer oder wie von T.C. Boyle in „Hart auf hart“ geschildert dargestellt, der keine Gewerbeordnung, keine Lebensmittelkontrolle, keine gewerblichen Auflagen mehr anerkennen will und treuherzig meint, mit der beim Einkauf bezahlten Mehrwertsteuer sei seine Steuerpflicht erledigt und daher keine Einkommensteuer mehr bezahlen will. Sich also kurz gefasst aus der österreichischen Gesellschaft und vom Staat verabschieden will. Aber vielleicht sollte ihm der von uns allen finanzierte Staat konsequenterweise die aus Steuergelder finanzierte Straße zu seinem Hotel sperren. Da würde der Wutbürger Ritzler dann wohl schön blöd aus der Wäsche schauen.

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