Lachnummern der Medien

Posted on 19. April 2016


Der eine hat sich selbst schon seit Jahren zum Kasperl ernannt, die anderen fünf werden im Wahlkampf zum Kasperl gemacht. Der Politikberater Thomas Hofer vergleicht durchaus zu Recht den „clownesken Wahlkampf“ für die Bundespräsidentschaft mit einem Polit-Dschungelcamp und spricht von einer „noch nie dagewesenen Infantilisierung“ (Der Standard, 9.4.2016)

In der Tat wird das ohnehin fragwürdige Amt durch die Inszenierung der Kandidat_innen noch weiter beschädigt und zur Lachnummer gemacht. Was auch daran liegt, dass Hundstorfer und Khol als Kandidaten der „staatstragenden“ Regierungsparteien SPÖ und ÖVP so abgeschlagen sind, dass sie nicht einmal mehr auf die Stichwahl hoffen können, was natürlich medialen Spielraum eröffnet.

Dabei ist es schon erstaunlich, was sich die Kandidat_innen von den medialen Dompteur_innen gefallen lassen. Statt an sie gerichtete Ansinnen wie Witze zu erzählen, Hymnen zu erraten und andere Peinlichkeiten als „Eignungstest“ zu absolvieren, mit einem deutlichen Nein zu quittieren steigen sie auf jeden Blödsinn ein. Sie wollen zwar eine „aktive“ Präsidentschaft, lassen sich aber bei dieser „Verlugnerisierung des Wahlkampfes“ von den Medien zu Sklaven degradieren.

Mehr denn lassen es die Medien bei der diesjährigen Präsidentenwahl mit einer Fülle von Home-Storys gewaltig „menscheln“ um die politischen Haltungen der Kandidat_innen zu vernebeln. Da werden Ehegattinnen und Kinder an die mediale Front vergattert um jenen Nonsens abzusondern, der die sechs sympathisch machen soll, was freilich durchwegs ins Gegenteil mündet.

Eine besondere Glanzleistung hat bei der Inszenierung wieder einmal der öffentlich-rechtliche gebührenfinanzierte ORF vollbracht. Gestützt auf Gutachten wurde nämlich verfügt, dass bestimmte Formate in der TV-Berichterstattung nur den fünf „ernsthaften“ Kandidat_innen vorbehalten sind, der „Kasperl“ Lugner aber davon ausgenommen wird. Ohne ein Fan des Baumeisters zu sein ist das natürlich eine ausgemachte Sauerei, die der ORF freilich bei jeder Wahl gegenüber der unerwünschten Konkurrenz für die Etablierten inszeniert.

Unabhängig von der Gratiswerbung der Medien ist jedenfalls auch sicher, dass auch für diese Wahl mächtig viel Geld verblasen wird: Die Rede ist von jeweils fünf Millionen Euro für Hofer und Hundstorfer, drei Millionen für Khol, 1,5 Millionen für van der Bellen, eine Mille für Griss und eine halbe für Lugner, macht nach Eigenangaben in Summe immerhin satte 16 Millionen, wobei es bei dieser Wahl freilich keinen Wahlkostenersatz gibt.

Nach Eigenangaben sind es bedeutend weniger (van der Bellen 2,33, Hofer 1,95, Khol 1,65, Hundstorfer 1,63, Griss 0,84, Luger keine Angaben), wobei dies freilich nur der Stand per 17. April sein dürfte und wie der Politikberater Rudolf Fußi vorrechnete insbesondere die Parlamentsparteien mit diversen Tricks und der Verzögerung von Rechnungen auf die Zeit nach der Wahl die Kosten aus optischen Gründen niedrig halten.

Advertisements
Verschlagwortet:
Posted in: Blog