Die Profi-Schnorrer

Posted on 15. Dezember 2015


Wer kennt das nicht: Beim Gang durch die Fuzo wird man von vorwiegend jugendlichen Keiler_innen, meist in einem dem Anlass entsprechenden Outfit, oft förmlich umzingelt. Sie werken meist für Fundraising-Agenturen, die wiederum im Auftrag von diversen Hilfswerken für Umweltschutz, Tiere oder Menschen in Not zwecks Geldbeschaffung tätig sind.

Das jahrzehntelang praktizierte Modell, dass Vereinsmitglieder in ihrer Freizeit oder Schulkinder mit einer versperrten Spendenkasse von Haus zu Haus für gute Zwecke sammelten hat ausgedient. Im Kapitalismus wird alles professionalisiert. Auch das Spendenkeilen.

Schließlich genügt es nicht per Post mit Schnorrbriefen beglückt zu werden, zu gering ist offenbar die Ausbeute der beiliegenden Zahlscheine. Da müssen Profis ran. Auch wenn diese nur über mehr als prekäre Arbeitsverhältnisse tätig sind, dafür aber professionell geschult werden um entsprechende Erträge zu erwirtschaften.

Professionell heißt auch, dass die Absicht mittels Zahlschein einmalige Spenden zu leisten explizit ausgeschlossen wird. Solche Marginalien sind nicht erwünscht, gewünscht sind laufende Zahlungen via Lastschrift, wohl mit der Absicht, den Ausstieg möglichst schwer zu machen oder damit zu spekulieren, dass die Betroffenen auf den monatlichen Obulus einfach vergessen.

Nun hat, auf Betreiben der FPÖ, der Landtag ein Bettelverbot beschlossen und dieses sogar nachgeschärft. Dabei wird insbesondere gewerbsmäßiges, organisiertes und aggressives Betteln aufs Korn genommen. Damit will man den armen Teufeln aus Osteuropa das Betteln so schwer wie möglich machen, auch wenn diese Tatbestände meist kaum nachzuweisen ist.

Die Bettel-Profis aus der Fundraising-Welt erfüllen hingegen erwiesenermaßen alle drei Kriterien für solches Betteln. Aber die schönfärberisch als „Dialoger“ dürfen das unbehelligt und nicht wenige scheuen auch nicht davor zurück, sich Passanten regelrecht in den Weg zu stellen um Spenden zu erzwingen, von verbaler Vergewaltigung gar nicht zu reden. Damit gewinnen freilich Hilfswerke, die sich solcher Methoden bedienen, ein höchst schales Image. Und wie man hört, dauert es oft Monate oder gar Jahre, bis nach Abzug der Kosten für solches sogar durch Qualitätsstandards geadeltes Fundraising netto wirklich was für den eigentlich gedachten Zweck bleibt.

Advertisements
Verschlagwortet:
Posted in: Blog