Ein ruinöser Traum

Posted on 13. September 2015


Wie „flexibel“ Wissenschaft sein kann, demonstriert uns der für seine Fließbandstudien bekannte Linzer Universitätsprofessor Schneider. Er ist bekannt dafür, zu fast jedem beliebigen Thema auf Knopfdruck die passende Auftragsarbeit zu liefern. Vor allem aber ist Schneider als „Pfusch-Experte“ bekannt, der periodisch anprangert, wieviel Steuern dem Staat durch Pfusch, Nachbarschaftshilfe und Eigenleistung verloren gehen. Natürlich kräftig assistiert von der Wirtschaftskammer, die so verlorene Geschäfte bejammert.

Ganz anders ist es hingegen, wenn Schneider eine Studie über die volkswirtschaftliche Bedeutung des Häuslbauens liefert. Im Auftrag der von der Baufirma Wimberger und deren 20 Partner gegründeten „Initiative Zukunft Einfamilienhaus“. Na net, weiß Schneider was er diesem Auftraggeber schuldig ist. Das Häuslbauen ist bekanntlich der Pfuschsektor Nummer 1, da es sich kaum ein Häuslbauer leisten kann, seine Hütte schlüsselfertig von der Baufirma hinstellen zu lassen.

Nun aber rechnet uns Schneider exakt wie immer vor, dass durch den wesentlich durch Pfusch und Eigenleistung errichteten Traum vom Wohnen im Grünen 2013 in Oberösterreich 3.800 Einfamilienhäuser errichtet wurden wodurch 1,7 Mrd. Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung erbracht wurde, damit 13.500 Beschäftigte Arbeit fanden und 722 Mio. Euro Einkommen erzielten sowie 426 Mio. Euro Steuereinnahmen lukriert werden. Recht verschämt wird eingeräumt, dass dabei Schwarzarbeit und Ausländerbeschäftigung „nicht extra ausgewertet“ wurden. Seltsam für einen Pfuschexperten, der sowas üblicherweise auf Knopfdruck parat hat. Aber immerhin wird angedeutet, dass der Pfusch die Zahlen um ein Drittel erhöhen würde.

Die Unterwürfigkeit der Wissenschaft unter die Belange des Profits wird daran deutlich wie euphorisch der Traum vom „Eigenheim mit Garten“ beworben wird. Aber wo das Zuckerbrot ist, fehlt auch die Peitsche nicht. Diese schwingt Wimberger-Prokurist Norbert Königsecker für alle die sich dem „Traum“ verweigern mit der Aussage: „Plakativ gesagt, lässt der Häuslbauer sein Geld im Land, während jene, die auf Urlaub fahren, ihr Geld im Ausland ausgeben“ Habt ihr es gehört, Leute: Urlaub ist Schmarotzertum, Häuslbauern in der Freizeit ist angesagt, belebt gefälligst die Wirtschaft. Fragt sich nur, was wohl die Tourismusbranche dazu sagen wird, machen doch auch viele Menschen Urlaub im eigenen Land, denen man dies somit madig machen will.

Für den vermeintlichen Traum legt die Branche auch gleich die Axt an geltenden Gesetze und Regelungen, etwa wenn die Lockerung der Energie-Kriterien bei der Wohnbauförderung gefordert wird. Aber da haben sie im blauen Wohnbaulandesrat Haimbuchner einen passenden Bündnispartner, der sich rühmt aus Kostengründen schon den einen oder anderen Standard im Wohnbau gelockert zu haben.

Der Baulobby geht da freilich nicht genug weiter. So beklagt Königsecker den rasanten Anstieg der Grundstückspreise, die das hemmungslose Häuslbauen zwangsläufig hemmen. Um dem Geschäft nachzuhelfen möchte man Bauzwang und Höchstpreise für Baugründe. Damit auch noch der letzte Rest des Grünraums vor allem im Umland der Städte zubetoniert wird.

Wobei am Schlimmsten ist, wenn Menschen aus der angeblich so unerträglichen Stadt hinaus aufs Land flüchten, dann aber von ihrer Oase im Grünen tagtäglich vollmotorisiert, möglichst gar mittels SUV, in die Stadt hineinstinken und der Stadtbevölkerung das Leben mit Lärm, Gestank und Stau zur Qual machen. Was die ÖVP mittlerweile zur schizophrenen Ideologie erhoben hat, wenn sie einerseits in Linz den Stau beklagt, gleichzeitig aber alles tut, um die Straßen allerorts so auszubauen, dass möglichst viele Autos in die Stadt fahren.

Wenn Professor Schneider von der wohltuenden Wirkung des Häuslbauens schwärmt, lässt er wohlweislich die negativen Auswirkungen ganz und gar unwissenschaftlich unter den Tisch fallen. Schon jetzt ist Oberösterreich nämlich ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Land durch hemmungslose Zersiedelung systematisch ruinieren kann. Mit der neoliberalen „Will haben“-Ideologie wird ein Wohnmodell propagiert, das für die Gesellschaft in vielfacher Hinsicht ruinös ist. Statt leistbare Mietwohnungen konzentriert in geschlossener Bauweise mit geringem Flächenverbrauch und kostengünstiger Infrastruktur in Städten und Gemeinden zu errichten wird bis in den letzten Winkel hinaus völlig planlos nach dem Gutdünken der Dorfkaiser der Bau von völlig überdimensionierten Einfamilienhäusern betrieben die nach dem Auszug der Kinder zu einem erklecklichen Teil leerstehen.

Für solche Eigenheime und Eigentumswohnungen wird auch der Löwenanteil der Wohnbauförderung verpulvert, statt sie auf die Errichtung leistbarer Mietwohnungen zu konzentrieren. Denn wer sich Eigentum leisten kann, soll das mit eigenen Mitteln tun und soll dazu nicht auch noch gefördert werden. Einschlägige Erkenntnisse gibt es von allen seriösen Raumordnungsexperten. Vielleicht sollte Professor Schneider dort einmal anfragen. Aber wahrscheinlich sind ihm diese Leute zu wenig wissenschaftlich.

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