Ein Mann der Wirtschaft

Posted on 8. August 2015


Peter McDonald, seines Zeichens aus der Wirtschaft kommender Boss des Hauptverbandes der Sozialversicherungen, philosophiert via „Presse“ über das Gesundheitswesen und fordert mehr Eigenverantwortung der Österreicher_innen ein. Dabei agiert er durchaus geschickt, indem er sich gegen Schweinsbraten- und Schnitzelverbot oder Burger-Steuer ausspricht. Doch die Rute im Fenster ist trotzdem unübersehbar. Etwa wenn der SVA-Boss andeutet für niedrigere Krankenversicherungsbeiträge für sich um ihre Gesundheit kümmernde Menschen offen zu sein.

Ein willkommenes Stichwort in Richtung der ASVG-Versicherten sind ihm Selbstbehalte wie bei der SVA (Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft) von der er kommt, die aber auch für Beamte üblich sind. Auch wenn er relativierend einräumt, dass ein aktiveres Gesundheitsbewusstsein nicht auf finanzielle Aspekte reduziert werden kann.

Nicht erwähnt wird von ihm freilich, dass auch für Arbeiter_innen und Angestellte Selbstbehalte schon längst Tatsache sind, angefangen von der Spitalssteuer bei Krankenhausaufenthalt über diversen Zahnersatz und gar nicht zu sprechen, dass immer mehr Menschen Wahlärzt_innen konsultieren, weil es zuwenig Kassenärzt_innen gibt und die Wartezeiten oft lang sind. Und das kostet natürlich, trotz teilweiser Kostenerstattung durch die Krankenkasse.

McDonald glorifiziert Eigenleistung, für ihn ist „Eigenverantwortung ein ganz positiver Wert“ und faktisch „Basis und damit ein Grundwert der Demokratie“. Dass sich dahinter letztlich doch der schnöde Mammon verbirgt und die gängige neoliberale Politik unter diesem Titel sich aus der finanziellen Verantwortung für das Gesundheitswesen zurückziehen will, lässt er schamvoll unerwähnt.

Nun ist durchaus einzuräumen, dass viele Menschen mit ihrer Gesundheit Raubbau betreiben, beim Essen, Trinken, Rauchen und vielem anderen mehr. Doch ob jemand krank ist oder nicht sollten letztlich immer noch Ärzt_innen feststellen und eine Frage des Geldbeutels sein. Bezeichnenderweise passiert McDonald zur Frage der Kosten eine freudsche Fehlleistung wenn er meint „Wir müssen das ganze System auf den Kopf stellen, Gesundheit fördern und Krankheiten verhindern.“ Meint er mit „auf den Kopf stellen“ etwa, mit einer solchen Methode das Geld aus den Krankenversicherten leichter herausbeuteln zu können?

Dass mehr für die Vorsorgemedizin getan werden muss und dabei ähnlich wie seinerzeit bei der Mülltrennung oder beim Umweltschutz über die Kinder und die Schulen eine Bewusstseinsveränderung erreicht werden soll kann durchaus begrüßt werden. Allerdings läßt McDonald sträflich den wesentlichen Aspekt der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auch für den Gesundheitszustand der österreichischen Gesellschaft vermissen.

Nämlich inwiefern wachsender Leistungsdruck in allen gesellschaftlichen Bereichen, Arbeitsverdichtung für die einen, Arbeitslosigkeit für die anderen, die Ellbogenmentalität der neoliberalen Konkurrenz und aus all diesen Faktoren entstehende soziale Verunsicherung und Zukunftsangst als Ursache von Krankheiten zu sehen sind. Aber das kann man wohl von einem Mann der Wirtschaft, der zum Chef der Sozialversicherung gemacht wurde, wohl nicht erwarten. Für Kapitalismuskritik ist er schließlich nicht zuständig.

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