Unsägliche Sager

Posted on 27. Juli 2015


Zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus waren sie wieder zu hören. Die unsäglichen Stehsätze der Geschichtsverdränger_innen von der „Stunde Null“ und vom „Schlussstrich“ über die Nazizeit.

Allerdings war 1945 keine „Stunde Null“. Der Befreiung durch die Alliierten und den Widerstandskampf vorausgegangen war 1933 die Machtergreifung der Nazis in Deutschland mit dem anschließenden zwölfjährigen Terror, Konzentrationslagern, Völkermord und Weltkrieg. In Österreich führte die Ausschaltung des Parlaments durch Dollfuss zur Niederschlagung des Februaraufstandes 1934 und machte das Land sturmreif für den „Anschluss“ von 1938.

Nicht zu vergessen, dass allzu viele Hitler bejubelten und dann erkennen mussten, was Faschismus in Reinkultur bedeutet. Dass sich nach 1945 die Täter_innen als Opfer darstellten und die Opfer und der Widerstand ausgegrenzt wurden, spricht für den schlampigen Umgang mit der Geschichte in unserem Land. Ein Beispiel dafür ist, wenn im „profil“ der Widerstand als „wahnwitzig“ verunglimpft wird.

Nicht anders ist es um den berüchtigten „Schlussstrich“ bestellt. Diesen wollen jene ziehen, die sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen, weil sie entweder selber damit ein Problem haben oder als Nachgeborene unreflektiert alte Denkmuster übernehmen. Kein Wunder in einem Land, wo eine FPÖ von SPÖ und ÖVP umworben wird und sich diese FPÖ laufend durch rechtsextreme Rülpser am Stammtisch und auf Facebook bemerkbar macht.

Den antifaschistischen Staatsauftrag, festgeschrieben in der Unabhängigkeitserklärung, im NS-Verbotsgesetz und im Staatsvertrag, ernst zu nehmen, ist daher eine Aufgabe, die heute immer noch aktuell ist und an die nicht of genug erinnert werden muss.

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