Wege in die Sackgasse

Posted on 13. April 2015


Der grüne Umweltlandesrat Anschober warnt vor dem Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln wie etwa „Roundup“, in welchen das krebserregende Glyphosat enthalten ist, beim Garteln. Die Aufhebung der Milchkontingentierung der EU eröffnet für Turbokühe mit 13.000 Liter Milchleistung pro Jahr neue Märkte. Und sogar die im höchsten Maße der Wirtschaft verpflichtete Medien wie die OÖN prangern betuchte Investoren an, die mangels anderer lukrativer Anlagemöglichkeiten im großen Stil landwirtschaftliche Gründe als Wertanlage aufkaufen und damit heimischen Bauern zunehmend die Existenz entziehen. Wohin geht unsere Landwirtschaft?

In einer Schwerpunktsendung des deutschen ZDF wurde Anfang April die folgenschwere Dramatik beim Einsatz von Glyphosat dargestellt, das als Ursache für das rätselhafte Verenden von Rindern und die Erkrankung von Menschen ausgeforscht wurde. Dieses Gift ist in gängigen Spritzmitteln enthalten, die auch hierzulande in Baumärkten zum Niederspritzen von Unkraut verkauft werden.

In Argentinien werden solche Mittel großflächig von Flugzeugen über Sojafelder versprüht, dort wohnende Menschen erkranken im großen Stil, Missbildungen von Kindern inklusive. Die Großgrundbesitzer verharmlosen freilich den Gifteinsatz über ihren Feldern mit vom US-Konzern Monsanto gentechnisch veränderten Soja, das als Futtermittel auch nach Europa geliefert wird und dort, wie oben geschildert, Tier und Mensch schädigt. Den Konzernen zum Trotz hat jetzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ eingestuft. Was die EU-Kommission nicht hindert, die Zulassung am europäischen Markt für weitere zehn Jahre verlängern zu wollen.

Apropos Argentinien: Im einstigen Agrarmusterland zeigt sich wie pervers die moderne Agrarindustrie funktioniert. Aus Argentinien wird bestes Rindfleisch in die USA und nach Europa geliefert und hier teuer verkauft. Wie der „Presse“-Korrespondent Andreas Fink aus Buenos Aires berichtet ist bestes Weidemastfleisch im Herkunftsland allerdings auch für den doppelten Preis nicht erhältlich. Die Einheimischen im Musterland des Rindfleisches werden mit Soja und Mais ohne Auslauf hochgezüchteten und mit Antibiotika angereicherten Jungbullen abgefüttert. Argentinien ist dafür aber mit satten 116 Kilogramm Fleischkonsum pro Kopf und Nase im Jahr Weltmeister, darin sind neben dem Beef-Junk auch satte 45 Kilo Huhn enthalten, das angesichts des Hormongehalts eigentlich als Sondermüll entsorgt werden müsste.

Zurück nach Europa: Leuchtende Augen bekommen manche Agrarfunktionäre jetzt für die heimische Milchwirtschaft nach Aufhebung der Milchquote mit 1. April 2015, was freilich kein Aprilscherz ist. Diese Quote wurde vor 37 Jahren eingeführt um den schon damals vorhandenen Milchsee der damaligen EG, also der heutigen EU, zu reduzieren. Diese Quote hat bislang die kleinbäuerlichen Betriebe vor dem Niedergang gerettet. Damit ist es jetzt aus und vorbei.

Im „Kurier“ durfte ein Mostviertler Milchbauer stolz über seine Spitzenkühe berichten, die im Jahr 13.000 Liter Milch erbringen, das sind satte 36 Liter pro Tag und in der Tat sind die Euter solcher Kühe stets zum Platzen gefüllt und man kann kaum mehr von tierischen Wesen sprechen, eher schon von Milchproduktionsmaschinen, „umsorgt“ von Milchrobotern zum Füttern und Melken. Allein schon der Fakt, dass für einen Liter Milch 500 Literblut durch das Herz der Kuh gepumpt werden müssen erweckt Unbehagen, da mag der Bauer noch so stolz auf seine „Kraftwerke“ sein.

Die Durchschnittsleistung des geschilderten Betriebes liegt demnach auch bei 9.800 Liter Milch der 35 gehaltenen Kühe pro Jahr, bei einem Österreichschnitt von auch schon satten 7.000 Liter der noch 31.500 Milchbauern. Ein zum Vergleich dargestellter Kleinbetrieb mit einer mickrigen Milchleistung von gerade 6.500 Liter bei seinen gerade acht Kühen stinkt da richtiggehend ab. Dafür wird der Milchsee dann durch ganz Europa und nach Übersee transportiert, von den Transportkosten mit allen Nebenwirkungen redet schließlich keiner.

Als Hemmnis gilt lediglich noch, dass für 170 Kilo Stickstoff in die ausgebrachte Gülle ein Hektar Grünfläche vorhanden sein muss. Aber so wie wir unsere Agrarbürokratie kennen wird sie das auch noch aufheben, um uns endgültig in einem höchst überflüssigen Milchsee zu ersäufen. Schließlich ist man auch drauf und dran, sogar den Chinesen das Milchtrinken anzugewöhnen, nur um einen Markt zu erobern und Profit zu machen. Denn eigentlich braucht der Mensch abgesehen vom Säuglingsalter keine Milch und Milchprodukte wie Käse oder Butter kann man schließlich auch nicht unbegrenzt fressen.

Weil dank EZB die Zinsen zunehmend ins Negative tendieren und mit traditionellem Sparen oder biederen Veranlagungen nichts mehr zu holen ist und auch der Aktienbesitz nicht wirklich überzeugende Dividenden bringt verlegen sich die zu Reichtum gekommenen Aufsteiger zunehmend auf den Immobilienbesitz. Das erfolgt einerseits mit „Vorsorgewohnungen“ durch deren Ertrag die Pension gesichert oder aufgefettet werden soll, was zwangsläufig die Mieten hochtreibt und leistbares Wohnen zunehmend schwieriger macht.

Besonders findige Köpfe, meist Anwälte, Ärzte, Steuerberater und sonstige geldige Freiberufler haben jetzt allerdings ein weiteres Anlagefeld entdeckt, nämlich landwirtschaftliche Gründe, also Wiesen, Äcker und Wälder. Und so haben sich die Preise für Felder und Wiesen im oö Zentralraum seit 2005 von durchschnittlich sieben auf 15 Euro pro Quadratmeter verdoppelt und sind auch in Randlagen von 1,50 auf zwei Euro gestiegen.

Nun erfolgt zwar beim Erwerb solcher Flächen eine Bedarfserhebung und wird eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung verlangt. Das ist ein Hauptwohnsitz in der Nähe des Grundstücks und eine landwirtschaftliche Fachausbildung oder Praxis, was freilich mit einem zweitägigen Schnellkurs für eine „Bauernprüfung“ rasch erledigt ist. Vielfach wird freilich dann nicht selbst bewirtschaftet, sondern verpachtet. Um teures Geld für Bauern die zusätzliche Flächen brauchen und damit unter Druck kommen.

Bis 2006 gab es ziemlich strenge Regeln im Grundverkehr. Dann hob allerdings der Europäische Gerichtshof – stets auf Chancengleichheit und Wettbewerb bedacht – nach der Klage eines Grunderwerbers in Vorarlberg die strengen Regeln auf, angeblich weil der Gleichheitsgrundsatz verletzt wurde. Seither brauchen solche Käufer nicht mehr nachweisen, die Flächen selbst zu bewirtschaften, da reicht auch die Verpachtung oder spätere Umwidmung von Grünland in Bauland mit entsprechender Wertsteigerung inklusive, wozu sich sicher ein geneigter Bürgermeister finden lässt. Und das ist wohl auch das Ziel solcher „Investoren“: Hauptsache sie können damit Kohle machen.

Gut schauen die Perspektiven der Landwirtschaft angesichts solcher Trends jedenfalls nicht aus.

Advertisements
Verschlagwortet:
Posted in: Blog