Über blaue Traditionen

Posted on 10. April 2015


Der Linzer Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer ließ zu Ostern – garniert mit blauen Ostereiern – Flyer verteilen, auf welchen er unter dem Titel „Unsere Heimat. Unsere Traditionen“ verkünden ließ, was aus blauer Sicht Sache ist.

Da heißt es wörtlich: „Wer in Linz leben will, muss sich auch eindeutig zu unserer Stadt und zu einem Zusammenleben in Respekt und Rücksichtnahme bekennen. Bei aller Modernität und Offenheit von Linz bestehen wir darauf, dass unsere Traditionen alle respektieren.“ Bumm, das hat gesessen.

Denkt der Herr Wimmer dabei etwa an die Tradition ganz nach US-Vorbild Waffen zu tragen und sie dann womöglich in der eigenen Wohnung ungesichert herumliegen zu lassen, auch wenn zwei Kleinkinder den Haushalt bevölkern? Nun ist bekannt, dass in so manchen Weltgegenden die allgemeine Volksbewaffnung gang und gäbe ist. Was Gutes kommt dabei freilich nie heraus. Die Menschheit hat sich nämlich nicht durch das Tragen von Waffen – womöglich auch bei einer Gemeinderats- oder Stadtratssitzung – emanzipiert, sondern ganz im Gegenteil durch das Ablegen solcher Waffen.

Oder versteht Wimmer unter „unseren Traditionen“ sich via Facebook oder in anderer virtueller Form im braunen Sumpf zu wälzen und Nazi-affine Postings zu verbreiten. Das soll bekanntlich im FPÖ-Milieu gar nicht so selten vorkommen. Auch vom Stadtrat ist bekannt, auf das Posting „Ein schöner Tag“ eines Eingefleischten zum „Führergeburtstag“ am 20. April mit „Gefällt mir“ geantwortet zu haben („Österreich“, 26.4.2012). Mit solchen Traditionen können die meisten Zugewanderten, die Wimmer unausgesprochen als Traditionsverweigerer im Auge hat, kaum dienen, auch wenn manchen zugewanderten diverse Fundamentalismen durchaus nicht fremd sind.

Dann gäbe es noch die Tradition sich durch diverse Korruptions- und Bestechungsskandale auszuzeichnen. Davon war die FPÖ zur Blütezeit der schwarzblauen Koalition besonders stark befallen und Österreich zehrt schmerzvollerweise noch heute den Nachwirkungen. Man denke etwa an die von der FPÖ als Vorläufer- und Nachfolgerpartei des Haider-BZÖ angerichtete Hypo-Desaster, das uns nach vorläufigen Stand 19 Milliarden Euro Steuergeld kosten wird. Das ist immerhin rund viermal so viel als das Volumen der aktuellen Steuerreform.

Schließlich bleibt auch die Tradition des Kindesmissbrauchs, gegen die sich die FPÖ zwar immer ganz vehement zur Wehr setzt und bei den Fremden, etwa im Islam ortet, aber leider selber des Öfteren davon befallen wird, wie jüngst der Fall eines FPÖ-Vizebürgermeisters in Steinhaus bei Wels, übrigens die Heimatgemeinde des FPÖ-Landeschefs Haimbuchner, zeigt.

Wenn also Herr Wimmer von „Respekt und Rücksichtnahme“ spricht wäre er gut beraten, im eigenen Haus dafür zu sorgen, dass sich seine Parteifreunde entsprechend gegenüber ihrer Umwelt verhalten. Hört man sich nämlich die Äußerungen von Strache abwärts an, dann ist ein ständiges Wehklagen zu vernehmen, wie arg doch die FPÖ von ihren politischen Gegnern kritisiert und verfolgt wird.

Die Freiheit der Freiheitlichen besteht wohl in der rücksichtslosen Freiheit des Auslebens von Vorurteilen. Sonst hat die FPÖ ja kaum etwas zu bieten, wie auch ein Rückblick auf ihre Regierungstätigkeit unter schwarzblau beweist. Sie steht und fällt mit der Pflege von Fremdenfeindlichkeit, egal ob gegen Ausländer_innen generell, den Islam speziell, gegen die EU, aber darüber hinaus gegen so ziemlich alle die nicht ihrer Meinung sind und die sie daher als „Gutmenschen“ zu verunglimpfen versucht.

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