Der Bundes-Heinz und die Habsburger

Posted on 23. Juli 2014


Am 28. Juni jährte sich zum hundertsten Mal die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand samt Gattin in Sarajewo im Jahre 1914. Einen Monat später am 28. Juli erfolgte in Bad Ischl zynisch und verlogen im „Rate der Vorsehung“ die Kriegserklärung des Kaisers Franz Joseph an Serbien als Ausgangspunkt für den 1. Weltkrieg. Dieser Schicksalstag wäre demnach Anlass genug, nicht nur für die Kleinstadt im Salzkammergut für eine kritische und vor allem selbstkritische Reflexion der Ereignisse vor hundert Jahren.

Auch namhafte Historiker stellen heute fest, dass der Kaiser keineswegs von Deutschland oder dem Militär in den Krieg hineingeritten wurde, sondern schon zum Zeitpunkt des Attentats von Sarajewo vom festen Willen geprägt war, dies zum Anlass für einen Krieg zu nehmen. Denn bekanntlich ist das erste Opfer eines Krieges immer die Wahrheit. Und diese war schlicht so, dass Österreich-Ungarn zwar eine zunehmend verrottete Vielvölkermonarchie, aber desto trotz von imperialistischen Ambitionen zumindest auf dem Balkan geprägt war. Gar nicht zu reden von den wirklichen Großmächten Deutschland, Frankreich, England und Russland, die alle eine Neuaufteilung der Welt betrieben, wie in Lenins „Imperialismus“ treffend analysiert wurde.

Dass der am 28. Juli 1914 erklärte Krieg nicht ein kurzer, zu Weihnachten abgeschlossener Spaziergang für das blutdürstige Militär und den Kaiser war sondern sich zu einem Weltbrand mit zig Millionen Opfern auswuchs war nicht vorgesehen, ist aber historische Tatsache. Ebenso, dass nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 mit Fug und Recht die Habsburger verjagt und ihre Herrschaftsansprüche und Adelstitel per Gesetz für null und nichtig erklärt wurden.

Umso mehr empört es, wenn ausgerechnet in Bad Ischl, in jener Stadt in der 1914 die Lunte für den Weltkrieg gelegt wurde, ein Kaiserkult sondergleichen betrieben wird. Auch wenn sich ein jahrelang von ORF und Tourismus gehätschelter Ersatzkaiser Anfang 2014 durch eindeutige Facebook-Postings als Nazi-Fan entzauberte und rasch abserviert werden musste können es Tourismusdirektor und Bürgermeister nicht lassen, für den schnöden Mammon das Kaisertum zu verharmlosen und zu pflegen.

Ein Paradebeispiel dafür war jetzt die natürlich bei „Kaiserwetter“ begangene Hochzeit der Ururenkelin des verglichen Franz Joseph mit einem „Bürgerlichen“ in Bad Ischl, die dem selbsternannten „Landeshauptblatt“ namens „OÖN“ gleich zwei Seiten Sonderberichterstattung wert war. Das verwundert freilich nicht, ist der habsburgische Brautvater doch Besitzer der „Kaiservilla“ in Ischl und wird dort immer noch als „Erzherzog“ angesprochen, auch wenn Adelstitel seit 1919 abgeschafft sind.

Dass sich das adelige Gesocks aus halb Europa unter den 400 Hochzeitsgästen befand verwundert nicht. Glauben doch die meisten dieser Figuren zumindest insgeheim immer noch das Sagen zu haben. Dass freilich ein sich immer streng „republikanisch“ gebärdender Bundespräsident namens Heinz Fischer, seines Zeichens Sozialdemokrat, bemüßigt sah dem holden Brautpaar höchstpersönlich zu gratulieren ist ein Armutszeugnis für die Republik, für die Sozialdemokratie und natürlich für Fischer himself. Im Windschatten des Bundes-Heinz fällt die Präsenz des sozialdemokratischen Bürgermeisters und des konservativen Landeshauptmannes dann freilich gar nicht mehr auf.

Am 28. Juli 1914 hatte Kaiser Franz Joseph im Vertrauen auf die „tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht“ und „auf den Allmächtigen, daß er Meinen Waffen den Sieg verleihen werde“ die Kriegserklärung unterzeichnet. Kurz vor diesem Jahrestag wird das Habsburger-Brimborium von Politik, Medien und Tourismus wohl als würdiger Beitrag zum Gedenken an die Millionen Opfer des von der Habsburger-Clique vom Zaun gebrochenen 1. Weltkrieges verstanden. Wem da nicht graust, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

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