Oligarchen in Österreich?

Posted on 17. Juli 2014


Welch ein absurder Gedanke, hat sich wohl Ex-Standard-Chefredakteur Gerfried Sperl gedacht und ist zur Ehrenrettung seines steirischen Landsmannes Dietrich Mateschitz angetreten. Denn nach Sperls Lesart sind Oligarchen wohl ein Spezifikum des nachsozialistischen Russland oder angrenzender Gebiete.

Also Typen, die sich nach 1991 durch windig-kriminelle Manöver über Nacht Volksvermögen im großen Stil angeeignet haben und damit zu Milliardären aufgestiegen sind. Die protzig in geschmacklosen Prunkvillen im eigenen Lande, auf mondänen Feriensitzen an der Cote d´Azur oder auf Luxusyachten ihr Protztum zur Schau stellen. Die ihr Geld in Steuerparadiesen wie Zypern horten, sich nebenbei als Hobby einen Fußballklub kaufen und Herrn Putin sagen, was er politisch im Interesse der Oligarchie zu tun hat.

Ganz so als ob es das alles nicht hierzulande auch gäbe. Denn natürlich gibt es auch in Österreich jene Sorte von Oligarchen, die sich mit ihrem Reichtum, der bekanntlich immer auch Macht bedeutet, nicht zufrieden geben und sich direkt und höchstpersönlich in die Niederungen der als schmutzig geltenden Politik begeben. Man denke da nur an Frank Stronachs kurzfristigen Einsatz oder an Hans Peter Haselsteiners Rolle bei der Gründung des LIF und später der Neos oder des vom „Leider Nein“- zum Multimillionär aufgestiegenen Ex-Finanzministers und Wahl-Steirers Hannes Androsch als umtriebiger „Hansdampf in allen Gassen“ der Sozialdemokratie.

Die schlauen Oligarchen hingegen halten sich hingegen wohlweislich lieber im Hintergrund und ziehen von dort aus ihre Fäden. Wozu hat man schließlich Personal, das man für die Mehrung des Profits einsetzen kann. Einer der das meisterhaft beherrscht – und das bestätigt Sperl hinreichend – ist eben Dietrich Mateschitz „einer der (Be)herrscher der modernen Gesellschaft – über Landesgrenzen und ethnische Hürden hinweg.“ (O-Ton Sperl). Und „vergleichbar mit ökonomischen Magnaten wie Bill Gates, Jeff Bezos, Eric Schmid“ werden ihm Blumen gestreut.

Der Standard-Kommentator tut so, als würden nur in Russland oder der Ukraine die Oligarchen vom Hintergrund aus die Politik beherrschen. Für einen Analytiker einer angeblichen Qualitätszeitung ist diese doch recht simple Auffassung des realen Kapitalismus freilich ein geistiges Armutszeugnis. Wo immer in der kapitalistischen Welt man nämlich die Geschichte der letzten hundertfünfzig Jahre studiert wird man feststellen, dass die ökonomisch Reichen immer auch jene waren, die mit aller Macht versuchten ihre Interessen in der Politik durchzusetzen. Und wenn es sein musste bis hin zu Putsch, Blutbad und Krieg.

Natürlich hat diese Herrschaft verschiedene Nuancen: Sie zeigt sich in Gesellschaften mit krassen sozialen Unterschieden deutlicher als in solchen die als sozial ausgewogener gelten wie etwa in Österreich. Aber man kann sicher sein, wenn es um die Wurst, sprich Existenzfrage des Kapitals geht, wird sich kein Oligarch scheuen aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. In solchen Situationen ist dann die „Fassade einer parlamentarischen Demokratie“ (Sperl) nicht viel wert. Beispiel Österreich im Februar 1934 oder Chile im September 1973.

Des (östlichen) Oligarchen „dominante Eigenschaft ist der Eigennutz“ meint Sperl treuherzig. Ja glaubt er wirklich, dass Mateschitz und Konsorten Sport, Kunst oder sonst was aus purer Nächstenliebe sponsern? Ganz davon abgesehen, dass sie diese Aufwendungen zwecks Steuerminderung oder –vermeidung tätigen und damit ihre doch oft recht kritikanfälligen Geschäfte hinter einer Nebelwand von Mildtätigkeit verstecken wollen.

Wenn es um Einfluss geht ist gerade der sich politisch so nobel zurückhaltende Herr Mateschitz, der durch ein eher zufällig in Südostasien aufgegabeltes Getränk aus dem Red Bull entstanden ist zum Multimilliardär geworden ist, ein Paradebeispiel dafür, wie man ganze Landstriche beherrscht. Neben Salzburg ist das vor allem die Obersteiermark, wo der Magnat ganz feudalistisch alles in die Tasche steckt.

Dort werden so nebenbei für die Neubelebung der Formel I in Zeltweg – für die natürlich zeitgerecht das passende Ergebnis von Umweltverträglichkeitsprüfungen erreicht wurde – auch Geldspritzen des Landes dankend angenommen. Die von den Politikern als Alibi dafür angeführte angebliche Umwegrentabilität ist freilich höchst fragwürdig, will sich der Oligarch doch auch um die den Gemeinden zufließende Lustbarkeitsabgabe, bei diesem Großevent immerhin einige Millionen Euro, drücken. Und das Ganze wird dem Volk dann nach dem altrömischen Motto „Brot und Spiele“ serviert, um nicht über die dahinter steckenden Mechanismen nachzudenken. Denn das soll man gefälligst ja den Mächtigen und ihren Haus- und Hofjournalisten überlassen.

 

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