Der kaiserliche Nazi-Poster

Posted on 2. März 2014


Kräftig auf die Schnauze gefallen ist jetzt die Stadtobrigkeit von Bad Ischl, vom Bürgermeister über den Tourismusdirektor bis zur Geschäftswelt durch den Verlust eines kaiserlichen „Originals“.

Im einstigen Urlaubsdomizil von Kaiser Franz Josef I. wird mit wachsender Intensität im August der „Kaisergeburtstag“ als kommerziell-touristischer Rummel begangen. Die örtliche Geschäftswelt nützt den Anlass um gegen den Widerstand der Gewerkschaft, aber mit dem Segen des sozialdemokratischen Bürgermeisters einen Verkaufssonntag durchzusetzen. Dazu wird sogar behauptet, dass deswegen sogar Menschen aus Linz nach Ischl einkaufen kommen würden, weil es offenbar in der Landeshauptstadt keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt.

Als die KPÖ im Vorjahr den Kaiserrummel wegen der Rolle von Franz Josef I. als Kriegstreiber, der in Bad Ischl 1914 die Kriegserklärung an Serbien, welche den Massenmord des 1. Weltkrieges und damit das Trauma des 20. Jahrhunderts auslöste, kritisierte sah sich der Tourismusdirektor eilfertig bemüht den Kaiserkult im Salzkammergut zu verteidigen.

Bei besagtem „Kaisergeburtstag“ ist, vom örtlichen Tourismusverband bis zum ORF eifrig beworben, seit Jahren ein selbsternannter „Volkskaiser“ als touristische Attraktion aufgetreten. Nicht wenige „kaisertreue“ Ortsansässige und eigens zu diesem Anlass angereiste sahen sich bemüßigt, mit diesem rauschebärtigen „Kaiser“ ein Erinnerungsfoto oder –video zu machen, gewissermaßen als Ersatz dafür, dass der kriegsauslösende Kaiser Franz Josef leider schon 1916 verblichen ist.

Nun hat sich peinlicherweise besagter „Volkskaiser“, mit bürgerlichem Namen Hermann Dicker aus Braunau, durch Postings auf Facebook als ziemlich gewöhnlicher Nazi-Poster entlarvt. Das Innviertler Double von Franz Joseph I. setzt damit eine unrühmliche Serie von „Rechtsextremismus – Made in Oberösterreich“ fort.

Wie die „BezirksRundschau“ berichtete, hat „Volkskaiser“ Dicker am 22. Februar 2014 eindeutige NS-Postings auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Zu lesen waren dabei, Rechtschreibfehlern und grammatikalischer Unzulänglichkeiten inklusive, so originelle Hasstiraden wie etwa: „Ich bekenne mich zu unserem Führer Adolf Hitler“, „Nach 80 Jahren ist genug ihr Juden Dreckschweine“, „Ich könnt alle aufgehängt, ihr Judenschweine“ und „Ihr Mauthausen Drecksschwein verschwindet“.

Angesichts solcher brauner Tatsachen musste man in Bad Ischl die Notbremse ziehen. Und so erklärten Bürgermeister Hannes Heide (SPÖ) und Tourismusdirektor Robert Herzog unisono: „Solches Gedankengut hat bei uns keinen Platz und solche Personen haben in Bad Ischl nichts verloren“. Mit den „kaiserlichen Werten“ hatten sie bislang freilich kein Problem. Hingegen war in Sankt Gilgen der „Volkskaiser“ noch nach Tagen auf der Homepage des Tourismusverbandes zu sehen.

Dicker brachte es durch Auftritte in den ORF Sendungen „Barbara Karlich Show“, „Thema“ und „Seitenblicke“) zu einiger Bekanntheit. Was einmal mehr bestätigt, wie tief der öffentlich-rechtliche ORF gesunken ist, wenn er sich für keinen Stumpfsinn zu blöd ist.

Auf jugendlichen Leichtsinn wie so manche Nazi-Poster kann sich der immerhin 63jährige Pensionist Dicker wohl kaum hinausreden. Nach anfänglichem Leugnen, Verfasser der genannten Postings zu sein, meinte er treuherzig zur „BezirksRundschau“ zum fraglichen Zeitpunkt „könnte es zwar sein, dass ich irgendetwas geschrieben habe, aber ich weiß es nicht mehr“. Ein Alkoholexzess als Rechtfertigung? Egal ob Absicht oder Langeweile, Dummheit oder Schnaps, für Nazi-Exzesse gibt es keine Ausrede.

Die Dicker-Postings reihen sich jedenfalls in eine Serie von rechtsextremen Vorkommnissen die vorwiegend im Umfeld der FPÖ ins mit besonderer Intensität in Oberösterreich stattfinden und zeigen, dass sich der Stammtisch zunehmend ins Internet verlagert hat. Es spricht freilich für die mangelnde Intelligenz der Verfasser solcher Postings, dass sie den realen Stammtisch, wo man im Vollrausch getätigte Aussagen in der Regel bestreiten oder eben mit dem Rausch rechtfertigen kann, mit dem virtuellen Stammtisch verwechseln. Letzterer hat freilich die Tücke, dass das so geschriebene für alle Welt sichtbar und faktisch dokumentenecht ist. Dummheit hat wie sich in solchen Fällen zeigt, also durchaus auch etwas Gutes.

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