Die Meister der Codes

Posted on 22. Januar 2014


Was soll man davon halten, wenn wie am 23.12.2013 in der Linzer Rudolfstraße gesehen, an der Heckscheibe eines BMW mit dem Rohrbacher Kennzeichen RO-711CM ein Reichsadler aus der NS-Zeit klebt. Der kleine Unterschied zu 2014 nur, dass der Adler in seinen Krallen nicht wie anno nazimal das Hakenkreuz trägt, sondern das BMW-Logo. Mit solcher Werbung wird der deutsche Autokonzern aber eine Freude haben…

Die Meister der rechtsextremen Codes sind vielseitig unterwegs. So steht etwa die Linzer FPÖ regelmäßig am Samstag am Südbahnhofmarkt mit einem mobilen Leuchtturm mit dem sinnigen Slogan „Mut zur Heimat“. Dort wird an die versammelte blaue Sturmtruppe Bier (im Winter wahrscheinlich auch Met) ausgeschenkt und werden flanierende Einkäufer_innen agitiert.

Das bemerkenswerteste an diesem ominösen Leuchtturm der „Sozialen Heimatpartei“ ist aber das Kfz-Kennzeichen „L-883HC“. Nun läßt sich unschwer „HC“ als Kürzel für den Parteiführer Strache entschlüsseln, woraus wiederum zu schließen ist, dass es sich um ein Wunschkennzeichen und nicht um eine Zufälligkeit handelt. Und als einschlägig informierter weiß man auch, dass der Code „88“ im rechtsextremen Sprachgebrauch für „Heil Hitler“ steht. Fragt sich nur noch wofür die „3“ steht, wahrscheinlich nur als Tarnung um das Ganze nicht allzu offensichtlich zu machen.

„Heut strahlt ja die Sonne besonders schön, muss wohl ein wichtiger Tag sein“, postete ein Facebook-User, der mit zweitem Namen zufällig Adolf heißt, am 20. April 2012, Einige Facebook-Freunden dieses Adolf klickten auf „Gefällt mir“, unter ihnen auch der Linzer FPÖ-Sicherheitsstadtrat und Bezirksparteiobmann Detlef Wimmer. Keiner von ihnen ging darauf ein, welcher „wichtige Tag“ wohl gemeint sei. In den Jahren zuvor postete der Mann, der hier auch von Wimmer Zuspruch erhielt, am 20. April auch Texte wie: „Nicht vergessen der Chef hat heute Geburtstag.“ Der „Chef“, das ist kein anderer als Adolf Hitler, seines Zeichens „Führer und Reichskanzler“ und die Personifizierung des NS-Regimes.

Manfred Pühringer, der freiheitliche Spitzenkandidat bei der Arbeiterkammerwahl und der auch im Linzer Gemeinderat sitzt, gibt es subtiler. Er ist stolz auf sein Bauch-Tattoo das einen österreichischen Bundesadler mit dem Slogan „Ehre, Treue, Vaterland“ zeigt. Freilich zeigt er dieses Kunstwerk nicht nur seinen intimen Freunden, sondern postet es auch auf Facebook für eine breitere Öffentlichkeit. Der gute Mann hat ja schließlich nichts zu verbergen.

Der Wahlspruch Pühringers erinnert allerdings fatal an den Wahlspruch der Jenaer Urburschenschaft von 1815 „Ehre, Freiheit, Vaterland“, der auch heute noch Wahlspruch der deutschnationalen „schlagenden“ Burschenschaften ist. So etwa der als sogar im sowieso sehr rechts stehenden Spektrum der Burschenschaften als besonders rechtslastig bekannten Linzer Burschenschaft Arminia Czernowitz. Auch erinnert Pühringers Geschmacklosigkeit an den Spruch „Unsere Ehre heißt Treue!“, den Wahlspruch der Nazi-SS, die bekanntlich 1945 zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde. An der geistigen Absicht dieses Tattoos kann also auch der Bundesadler nicht viel ändern.

Besagte Burschenschaft Arminia Czernowitz wiederum gibt sich keine besondere Mühe ihr Wirken zu tarnen und flog dabei natürlich sofort auf. Sie warb für einen Vortrag im Jahre 2010 mit einem Plakat, das eine Schlange mit der Aufschrift „Globalisierung“ im Würgegriff eines starken deutschen Armes zeigte. Das Motiv war rein zufällig von einem Plakat der NSDAP von 1931 abgekupfert, dort allerdings mit der Aufschrift „Hochfinanz und Marxismus“ und mit dem Hakenkreuz versehen.

Die Codes funktionieren auch verbal. So wird nicht selten von Rechtsextremisten, Burschenschaftern und FPÖ-Politikern gegen die „Ostküste“ gewettert. Dort ortet man nämlich die aktuelle Version des „Weltjudentums“ aus NS-Zeiten und so wird die „Ostküste“ für alles Üble der Welt verantwortlich gemacht. So etwa in einer Nationalratsdebatte am 20.9.2009 über die Wirtschaftskrise vom damaligen FPÖ-Abgeordneten und Landesobmann Lutz Weinzinger.

Recht subtil versuchte es auch Wolfgang Kitzmüller, FPÖ-Gemeindevorstand in Kirchschlag im Mühlviertel: Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Entschuldung des Vereins HOSI-Linz postete er am 18.1.2013 auf der Facebook-Seite der FPÖ-Linz: „Ich hab’s schon mal zum Ausdruck gebracht: ab mit den Schwuchteln hinters VOEST-Gelände“, offenbar als Anspielung, dass dort von 1939 bis 1945 ein Außenlager des KZ Mauthausen bestand und in den Nazi-Konzentrationslagern wiederum bekanntlich Homosexuelle inhaftiert und ermordet wurden. Immerhin wurde Kitzmüller angezeigt und musste sich vor Gericht verantworten, wenn auch das Verfahren letztlich eingestellt wurde.

Mit Hakenkreuz, SS-Runen, „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ agieren nur die ganz dummen Nazis, die damit trotz der Trägheit von Exekutive und Justiz des Öfteren ins Messer des NS-Verbotsgesetzes laufen. So wie etwa die Bosse der „National Volkspartei“, die Teile ihres Parteiprogramms wortwörtlich aus einem Schulungstext der Nazi-SS abschrieb, was unter anderem dazu führe, dass sie 2009 nicht zur Wahl zugelassen und wegen NS-Wiederbetätigung angezeigt wurde.

Die Schlauen hingegen haben gelernt ihre braune Geisteswelt durch einschlägige Codes geschickt zu tarnen, damit ihnen eben das nicht passiert. Freilich haut es auch so manchen Akademikern den Vogel heraus, wenn sie emsig auf Facebook posten und mit dem Stammtisch verwechseln. Was bei letzterem in bierseliger Laune gesagt wird, kann nicht immer auf die Goldwaage gelegt und immer noch abgestritten werden. Was in sozialen Netzwerken gepostet wird, steht dort hingegen schwarz auf weiß. Auch wenn die Meister der Codes, wenn sie ertappt werden, natürlich völlig ahnungslos geben und jede Ewiggestrigkeit natürlich strikt von sich weisen.

 

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