Freude in den Palästen

Posted on 6. Januar 2014


Die Börsianer_innen jubeln. 2013 war das beste Börsenjahr für die Wall Street seit 1997, der Börsenindex Dow Jones stieg um 26,5 Prozent, jener von Standard & Poor´s um 29,6 Prozent, der von Nasdaq sogar um 37,7 Prozent auf neue Rekordwerte, ermöglicht durch die lockere Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Den Vogel schoss freilich der japanische Börsenindex Nikkei ab, der 2013 ein Plus von 56,7 Prozent verzeichnete.

Auch Europa steht hinter diesen Höhenflügen nicht zurück. So stieg der deutsche DAX um 25,8 Prozent und knackte zu Jahresanfang 2014 erstmals die Marke von 9.600 Punkten. Der Schweizer SMI stieg um 20,2 Prozent, der Eurostoxx 50 um 17,7 Prozent, der französische CAC40 um 17,3 Prozent und der britische FTSE um 14,4 Prozent. Vergleichsweise bescheiden war der Zuwachs beim österreichischen ATX von 6,2 Prozent, aber immerhin erreichte der ATX 2.541 Punkte.

Die Kapitalanleger_innen sind hochzufrieden, haben sie doch bei dieser Entwicklung kräftig abgesahnt, durch steigende Kurse und entsprechende Dividenden. Ermöglicht wurde das nicht zuletzt durch die von der Politik nach dem durch die Lehman-Pleite am 15. September 2008 ausgelösten großen Bankencrashs mit enorm viel Steuergeld vorgenommene Rettung bankrotter, aber als „systemrelevant“ erklärter Banken. Nicht weniger als 1,6 Billionen Euro, das ist mehr als das fünffache der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung Österreichs, wurden allein in Europa an staatlichen Bankenhilfen gewährt.

Auf diese Weise wurden die nach 2008 zu Tage tretenden Risiken bei der geradezu abenteuerlichen Expansion österreichischer Banken in Osteuropa auf die Steuerzahler_innen abgewälzt. Statt Pleitebanken wie Kommunalkredit, Volksbanken und insbesondere Hypo Alpe Adria in die wohlverdiente Insolvenz zu schicken und die früheren Eigentümer_innen, die sich jahrelang kräftig bedient haben, für die angerichteten Schäden heranzuziehen lässt man die Lohnabhängigen, die via Lohnsteuer und Mehrwertsteuer den Löwenanteil des Steueraufkommens leisten müssen, bluten.

Die Kehrseite des Börsenbooms von 2013 ist die Realwirtschaft. Österreich weist in absoluten Zahlen die höchste Arbeitslosigkeit der zweiten Republik auf. Dass die Arbeitslosenrate im EU-Vergleich nach vor eine der niedrigsten ist weil die Zahl der Beschäftigten gleichzeitig entsprechend stieg, ist kein Grund zur Beschwichtigung. Fakt ist nämlich, dass der Zuwachs der Beschäftigten immer stärker nur mehr im prekären Sektor erfolgt, das heißt also eine Absenkung des Niveaus der Beschäftigung und der Einkommen für alle stattfindet.

Wie die Arbeiterkammer in ihrem Wertschöpfungsbarometer feststellt stieg in den letzten Jahren die Wertschöpfung, aber noch stärker die Entnahme der Gewinne. Statt diese in die Unternehmen und damit für Erhaltung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen zu investieren werden sie zu einem großen Teil am Finanzmarkt investiert, womit sich der Kreis zum Börsenboom schließt.

Das Kursfeuerwerk an den Börsen ist demnach die Kehrseite eines gleichzeitigen Arbeitslosigkeitsrekords, denn hohe Kurse und Dividenden bedeuten immer auch Druck auf die Realwirtschaft. Druck auf Löhne und Sozialleistungen, Druck für immer höhere Leistung fürs gleiche Geld, Druck auf die Arbeitsplätze durch Automatisierung und Rationalisierung. Die Freude in den Palästen ist demnach gekoppelt mit dem Frust in den Hütten. Zumindest solange, wie man sich das in den letzteren gefallen lässt.

Advertisements
Posted in: Blog