Saudische Atombomben „Made in Pakistan“

Posted on 28. November 2013


Man mag das letztlich doch überraschend erfolgte Atom-Abkommen mit dem Iran angesichts jahrelanger verbalradikaler Drohungen gegen Israel und vom Iran gestützter islamistischer Gruppierungen im Libanon, Syrien und anderswo skeptisch beurteilen, aber es eröffnet immerhin die Chance auf eine positive Entwicklung der Beziehungen mit dem Iran und auch im Iran selbst. Auch wenn am Gängelband der Regierung Israels hängende Kriegshetzer dies als Freibrief für eine iranische Atombombe betrachten und lieber heute als morgen alle iranischen Atomforschungsanlagen niederbomben möchten, statt sich für eine generelle Absage an den atomaren Wahn stark zu machen.

Bemerkenswert bei der Debatte ist freilich die gezielte Ausblendung des Umfelds im Nahen Osten, der bekanntlich nicht zu Unrecht als politisches Pulverfass gesehen wird. Nicht nur, dass insbesondere die hitzigsten Iran-Kritiker von den hartnäckig verleugneten Atomwaffen im Besitz Israels nicht reden wollen, auch das immer offensivere Auftreten Saudi-Arabiens, der aufstrebenden auftretende Vormacht in diesem Raum, wird gezielt weggeschwiegen.

Eher verschämt wird nunmehr berichtet, dass sich die Saudis bei der Atommacht Pakistan quasi eingekauft haben und die Hälfte der 140 pakistanischen Atombomben auf saudischen Bombern auf dem Stützpunkt Kamra nahe Islamabad montiert und mit saudischen Codes startklar gemacht werden kann. Bereits 2009 erklärte der saudische König Abdallah demonstrativ „Wenn die Iraner Atomwaffen bekommen, dann bekommen wir sie auch“. Die Saudis warteten aber offenbar gar nicht erst ab, sondern schritten zur Tat, denn sie wollten, dass man den Iran bombardiert und nicht mit ihm verhandelt.

Na klar, wenn das Geld dank Ölreichtum fast ohne Ende sprudelt, kann man sich alles kaufen. So wurde nicht nur das pakistanische Atomwaffenprogramm von den Saudis zur Hälfte mitfinanziert, sondern auch hochspezialisierte Forscher aus Südafrika oder Russland als Nuklear-Söldner eingekauft. Und laut Angaben westlicher Geheimdienste hat Saudi-Arabien seine 1988 in China gekauften Raketen vom Typ CSS-2 modernisiert und besitzt Langstreckenraketen vom Typ Ghauri aus pakistanische Produktion.

Außerdem ist Saudi-Arabien seit Jahren weltweit einer der größten Waffeneinkäufer und für die großen Waffenlieferanten aus den USA, Deutschland, Frankreich usw. ist das ein hochprofitabler Absatzmarkt. Im Ergebnis ist Saudi-Arabien 2012 mit 56,7 Mrd. Dollar Rüstungsausgaben bereits auf Platz sieben bei den Rüstungsausgaben aufgerückt und mit 8,9 Prozent des BIP auf einem Spitzenplatz.

Bei so viel Geschäft und entsprechend Profit schweigt man dann auch gerne über den Charakter des saudischen Regimes, einer historisch entstandenen Verquickung einer extrem reaktionären Variante islamischen Fundamentalismus mit mittelalterlichen Praktiken und der Saud-Dynastie, die in den 1930er Jahren die Macht im Wüstenland an sich gerissen und mit dem Ölboom zu unermesslichen Reichtum aufgestiegen ist.

Wenn von Menschenrechten die Rede ist, schreien Politik und Medien hierzulande über Verfehlungen oder Defizite in Nordkorea, Russland, China oder Venezuela. Kaum einmal ist jedoch von wahabitischen Regime in Saudi-Arabien die Rede, auch wenn dieses Land wohl an letzter Stelle der Weltrangliste in punkto Menschenrechten rangiert. Ja schlimmer noch, sogar die Regierung des neutralen Österreich gibt dem reaktionären Saudismus sogar noch eine Bühne zur schönfärberischen Selbstdarstellung.

Die Rede ist vom 2012 gegründeten „König Abdullah bin Abdulaziz Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) in Wien. Dieses präsentiert sein Generalsekretär Faisal Bin Abdulrahman Bin Muammar als „Brücken des Dialogs“, der aber jegliche Verantwortung für echten, inhaltlichen Dialog ablehnt. Da gäbe es nämlich so einiges zu thematisieren: Die Verfolgung von religiös Andersdenkenden, Lesben und Schwulen, das Fehlen elementarer Frauenrechte, mittelalterliche Justizpraktiken mit Peitschenhieben, strikte Demonstrationsverbote, das Verbot kritische Bücher zu besitzen usw. Aber genau damit hat sich Saudi-Arabien offensichtlich als quasi heilige Kuh des Westens dafür qualifiziert, in den UN-Menschenrechtsrat gewählt zu werden.

Laut einer Darstellung der laizistischen „Initiative Religion ist Privatsache“ und der Homosexuellen Initiative (HOSI) wurde der Verkauf des Wiener Palais Sturany, dem Sitz des KAICIID, an Saudi Arabien dank einer gesetzlich nicht gedeckten Verbalnote des Außenministeriums steuerfrei abgewickelt und somit dem Käufer ein Vorteil verschafft, der nicht nur die Republik zwischen 0,6 und einer Million Euro gekostet hat.

Auch der Vatikan spielte dabei eine höchst dubiose Rolle, als vom Papst 2007 gemeinsam mit dem saudischen König die Errichtung des Dialogzentrums beschlossen wurde. Einmal mehr zeigte der Heilige Stuhl, als exterritoriale und daher fremde Macht mit einer Sonderposition in Österreich, welchen starken unmittelbaren Einfluss die katholische Kirche auf österreichische Entscheidungsträger hat und über welche Kanäle diese Einflussnahme sich entfaltet.

Beim „arabischen Frühling“ von 2011 fungierten die Saudis als Drahtzieher und verhinderten, dass die Hoffnung von Millionen nach sozialer Gerechtigkeit und Demokratie Realität wurden. Sie instrumentalisierten und finanzierten jenen islamischen Fundamentalismus, der nach dem Modell Saudi-Arabien schnurstracks ins Mittelalter zurückverweist und die nach Demokratie und Menschenrechten strebenden Menschen zwischen von den USA gestützten Despoten und Militärs auf der einen und islamischen Fundis auf der anderen Seite zerreiben.

Mit welchem Zynismus und entsprechenden Opfern dies verbunden ist, zeigt sich in Syrien, wo es den Saudis bislang trotz massivster Bemühungen nicht gelungen ist, das despotische Assad-Regime zugunsten der Saudi-freundlichen Gruppierungen zu beseitigen. Pikant dabei ist aber auch, dass sich immer öfter und immer deutlicher eine recht unheilige Allianz zwischen den Saudis und Israel zeigt, welche die gemeinsame Gegnerschaft zum Iran und ein gewisser Frust über die USA, die ihre Politik nicht mehr ganz so einseitig als Vasallentreue zu ihren Brückenköpfen Israel und Saudi-Arabien ausrichten wollen, zusammengeführt hat.

Der unmittelbar nach seinem Amtsantritt mit dem versehentlich mit dem Friedensnobelpreis geadelte US-Präsident Barack Obama verkündete am 5. April 2009 bei einem Staatsbesuch in Prag großsprecherisch „eine Welt ganz ohne Atomwaffen zu schaffen“ und bekräftigte dies als Draufgabe mit einem „Yes, we can“.

Wenn man allerdings bedenkt, dass die ersten Atomforschungen im Iran noch in der Zeit des von den USA mit aller Kraft gestützten Schah, der den Anspruch auf Atomwaffen erhob, erfolgt sind, wird ein deutlich anderes Bild sichtbar. Gleiches gilt für Israel und Pakistan, beide seit jeher eng mit den USA verbündet und mit dessen Unterstützung zur Atommacht aufgestiegen. Obamas großspurige Versprechungen sind also Schall und Rauch, nicht zuletzt weil die USA selbst aus politischen und strategischen Gründen und nicht zuletzt wohl auch aus ganz ordinären Profitinteressen zur Verbreitung der Atomwaffen beigetragen haben.

Es gibt kein „Menschenrecht auf Atomwaffen“ wie manche mit dem fragwürdigen Argument der Verteidigung gegen Aggression glaubhaft machen wollen. Vielmehr gilt es alles zu tun, um die Zahl der Atombombenmächte (derzeit laut SIPRI Russland 8.500, USA 7.700, Frankreich 300, China 250, Großbritannien 225, Pakistan 140, Indien 110, Israel 80, Nordkorea 8 Sprengköpfe) zu reduzieren, statt auszuweiten. Die Absurdität dieser Waffe hat Albert Einstein auf den Punkt gebracht: „Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“

 

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