Der Milliardär, der hat´s echt schwer

Posted on 26. November 2013


Dietrich Mateschitz ist einer der reichsten Österreicher. Im Ranking der Vermögen der 100 reichsten ÖsterreicherInnen (trend 7/2013) rangiert er nach der Familie Piech & Porsche auf Platz zwei mit einem Vermögen von satten 7,25 Milliarden Euro. Reich geworden ist er mit Red Bull, einem Energydrink, den er gar nicht selber erfunden, sondern irgendwo in Südostasien aufgegabelt hat. Als Meister des Marketings hat es der frühere Handelsvertreter für Kaffee und Zahnpasta verstanden die sich damit auftuende Profitquelle, an welcher er 49 Prozent der Anteile hält, in ungeahnter Weise zum Sprudeln zu bringen.

Im Gegensatz zu anderen Superreichen wie etwa Stronach oder Haselsteiner, begibt sich Mateschitz nicht persönlich in die Niederungen der Politik, sondern läßt andere für sich agieren. Damit ist er recht gut gefahren, wie seine zahlreichen Projekte zeigen, die durch die Bank (von einigen unverbesserlichen linken Elementen abgesehen) vom medial entsprechend eingestimmten Volk als Wohltaten bejubelt werden.

Entsprechend seiner Maxime ist Mateschitz auch sehr wortkarg und gibt nur selten Interview. Vor kurzem hat er eine Ausnahme gemacht und ist einigen „Qualitätszeitungen“ Rede und Antwort gestanden. Auffallend dabei ist, dass Mateschitz durchgehen immer von „wir“ spricht. Laut Wikipedia ist dieser Pluralis Majestatis, also die Bezeichnung der eigenen Person im Plural, ein Ausdruck der Macht. „Hintergrund der Wahl der Mehrzahl ist, dass Monarchen oder andere Autoritäten immer für ihre Untertanen beziehungsweise Untergebenen sprechen und gleichzeitig eine Hervorhebung der eigenen Person stattfindet“, so Wikipedia.

Was früher bei Adligen und Würdenträgern üblich war hat der neue Geldadel offenbar verinnerlicht. Dazu passt zweifellos auch, dass der geborene Steirer Mateschitz vom Trauma eines „Erzherzog-Johann-Syndrom“ spricht. Aber das haben Wohltäter wohl so an sich.

Reiche alte Männer brauchen ein entsprechendes Spielzeug. Mateschitz konnte sich aus dem kräftig sprudelndem Profit aus der Red Bull-Quelle einen ganzen Spielzeugladen zusammenkaufen. Recht zutreffend wurde ein Mateschitz-Porträt im Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ mit „Machtnetz von Dietrich Mateschitz: Jäger und Sammler“ getitelt, der „nur das Beste in seinem Red-Bull-Reich versammelt“ haben will.

Diese Sammlung ist umfangreich: Vom Fußballklub und Flying Bulls über Servus-TV samt dazu gehörigen Printmedien wie „Servus Landleben“ oder „Red Bulletin“, vom Hangar 7 bis zum  Traditionswirtshaus „Sternbräu“ in Salzburg bis zum Sponsoring der Airpower und der Aviatik-Akademie in Zeltweg, von seinem Red Bull-Racing Team bis zur Wiederbelebung der Formel I am Österreich-Ring in Zeltweg, als Sponsor der Paracelsus-Privatuniversität in Salzburg und als Draufgabe noch Golfplätze, Liegenschaften und Flugplätze.

Mateschitz ist ein starker Kritiker des Staates. Er kritisiert, dass der Staat den Rahmen so eng setzt, dass „von der Verantwortung des Einzelnen nichts mehr übrig bleibt“. Dabei stützt er sich auf Viktor Frankl, der meint „das ureigenste aller Menschenrechte ist das der Eigenverantwortung“. Was davon zu halten ist, davon kann die wachsende Zahl der Ausgegrenzten, Erwerbsarbeitslosen, Prekarisierten ein Lied singen.

Diese Berufung auf die Eigenverantwortung passt zudem perfekt in den gängigen Mainstream des Neoliberalismus nach dem Motto „Privat ist besser als Staat“ und „jeder ist sich selbst der nächste“. Damit wird bekanntlich die Solidarität, ob ideell im Denken der Menschen oder materiell als Sozialstaat oder öffentliches Eigentum, zerstört. Im Ergebnis kann man gestützt auf Wettbewerb und Konkurrenz den ganzen überflüssigen sozialstaatlichen Plunder eliminieren und den Profit erhöhen.

Mateschitz meint, als Politiker wäre er „völlig unbrauchbar“. Denn er findet es „nicht richtig, dass es primär um die Machterhaltung der eigenen Partei“ geht. Ganz klar, ihm geht es um eine andere Macht, die sich eben nicht über eine Partei definiert, sich aber keineswegs scheut, sich der Parteien zu bedienen. Mateschitz` Projekte etwa in Salzburg oder in der Steiermark wären wohl ohne kräftiges Zutun der jeweils regierenden Parteien kaum zustande gekommen.

Ganz klar, dass der Milliardär auch meint, dass „es nicht gut ist, dass man hauptberuflich Politiker ist“. Hauptberuflich Kapitalist darf man natürlich schon sein, das ist ja schließlich ehrsam. Auch der Einwurf „Und warum muss man überhaupt einer Partei angehören?“ verwundert nicht. Man muss natürlich keiner Partei angehören, aber es ist legitim und Ausdruck von Engagement und Einmischung. Exakt das dürfte Mateschitz wohl stören, er braucht schließlich keine Partei, er instrumentalisiert Parteien und Politiker_innen für seine Interessen, wie es für das Kapital eben üblich ist, das die Politik als Vollzugsausschuss für Kapitalinteressen betrachtet.

Aufhorchen läßt Mateschitz` Bekenntnis „eine Vermögenssteuer finde ich durchaus fair und legitim“. Ähnliches haben schon andere Top-Unternehmer wie Strabag-Eigentümer Hans-Peter Haselsteiner („Unvernünftige Einkommen verdienen unvernünftige Spitzensteuersätze. Wenn jemand 50 Millionen Euro verdient, rechtfertigt das einen Spitzensteuersatz von 95 Prozent. Von der letzten Million würden im dann immer noch 50.000 Euro bleiben, was mehr als das Medianeinkommen in Österreich ist. OÖN 23.10.2010) oder DM-Eigentümer Götz Werner (ein Verfechter einer neoliberalen Version eines Grundeinkommens) abgesondert. Die Verwunderung dabei beschränkt sich freilich nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten wird deutlich, dass dies nur der eigenen Machtsicherung und als Einstimmung für ganz andere Ziele dient.

Wenn Mateschitz etwa meint, dass zahlungskräftige Großunternehmen freiwillig zu einer solchen Einmalaktion oder meinetwegen über zwei, drei Jahre hindurch“ herangezogen werden und einen Absatz später erklärt wird, dass das eigentlich nicht viel bringt. Im Gegensatz wenn man bei „allen Arbeitnehmern fünf Euro im Monat einsparen“ würde. Eine solche Milliardärsabgabe also doch nur als Placebo, damit die geschröpfte Masse ihren Obulus freudigen Herzens leisten kann.

Überhaupt hat es der Red-Bull-Boss mit der Großzügigkeit: Etwa wenn er auf die Frage wie viel Steuern Red Bull (4,9 Mrd. Euro Umsatz, 447,6 Mio. Euro Gewinn, 8.966 Beschäftigte, 14 Mrd. Euro Markenwert) zahlt treuherzig „Mehrwertsteuer, Körperschaftssteuer, Lohnsteuer, Kommunalsteuer“ zusammenzählt und auf „ein paar hundert Millionen im Jahr“ kommt. Nun sind Mehrwertsteuer, Lohnsteuer und Kommunalsteuer nur Durchläufer, die nichts mit der eigenen Leistung zu tun haben.

Denn bekanntlich wird die Mehrwertsteuer von den Konsument_innen bezahlt und vom Unternehmen an das Finanzamt abgeführt. Ebenso wird die Lohnsteuer von den Beschäftigten geleistet und vom Betrieb abgeführt. Und auch die Kommunalsteuer als Teil der Lohnnebenkosten ist faktisch ein Lohnbestandteil und keine Steuer die der Unternehmer leistet. Das sollte ein seriöser Unternehmer aber eigentlich wissen.

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