Hartlauers Welt

Posted on 6. November 2013


Der Name Hartlauer steht nicht erst mit dem aktuellen Firmenboss Robert für Provokation gegen soziale Werte. Schon dessen Vater Franz machte von sich reden, als er am 8. Dezember demonstrativ seine Geschäfte aufsperrte. Lange von der Gewerkschaft bekämpft setzte Hartlauer letztlich mit kräftiger Schützenhilfe von Medien und Politik durch, dass der Marienfeiertag zum gewöhnlichen Einkaufstag degradiert wurde.

Sohn Robert hält es ähnlich. So durfte er via „Presse“ (29.9.2013) verkünden „Kollektivvertrag schadet Handel“. Sein Credo ist simpel „Die Normalarbeitszeit ohne Zuschlag muss bis 21 Uhr ausgeweitet werden“ und „Die Tageshöchstarbeitszeit ohne Zuschlag, die zehn Stunden beträgt, gehört ebenfalls überdacht“.

Leerzeiten sollen gefälligst die Beschäftigten tragen: „Ich würde lieber meine Mitarbeiter öfter länger auf Mittagspause schicken, damit sie am Abend länger arbeiten“ meinte Hartlauer ganz treuherzig im „OÖN“-Interview. Dass derart zwangsweise verlängerte Mittagspausen für die Beschäftigten eine verlorene Zeit sein können, kommt dem Vorkämpfer für flexible Arbeitszeiten und gegen Überstundenzuschläge natürlich nicht in den Sinn.

So gar nichts hält der Fotohändler auch vom Kompromiss, auch wenn dieser sozialpartnerschaftlich verbrämt ist. Ein Ausgleich für die Abschaffung von Zuschlägen ist für ihn Teufelszeug: „Das ist genau die Politik, die ich nicht unterschreibe, dass man ständig im Gegenzug etwas geben muss.“

Geht es nach ihm soll rund um die Uhr geshoppt werden: „Ich bin grundsätzlich dafür, dass man am Sonntag aufsperren darf, weil ich generell für die Liberalisierung bin.“ Da wird er sicher bei Neos & Konsorten viel Applaus und Unterstützung bekommen, also bei all jenen, welche die Menschen zu Einkaufswesen degradieren wollen. Pech nur, dass die Einkommen mit diesem Begehren immer weniger Schritt halten. Außer Schauen wird da wohl nicht viel sein am Einkaufssonntag.

Hartlauer geht es offenbar ums Prinzip, wenn er meint, dass „eine Sonntagsöffnung in meiner Branche keinen Mehrumsatz“ bringt, wie er auch mit der Aussage „es gibt keine Krise“ zur Situation im Handel bestätigt.

Ansonsten ist der smarte Unternehmer, der Fernsehen, Abendveranstaltungen und Gesichtsbäder ablehnt, ganz Patriarch: „Ich erwarte von meiner Frau, dass dann die Familie und nicht der Beruf an erster Stelle steht … schließlich ist es biologisch bedingt, dass sich die Frau um die Familie kümmert“ verkündete er seine Philosophie im einschlägigen Klatschblatt „New Business“.

Dazu passt die Feststellung „Ich bin der Kapitän auf dem Schiff … ich erwarte von meinen Mitarbeitern 150 Prozent Einsatz“. Bei der Bezahlung sind ihm freilich hundert Prozent schon zu viel.

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