Objektivität als Fremdwort

Posted on 22. September 2013


Würde Mirko Messner zum Klüngel der Superreichen gehören, dann stünde ihm der ORF auch so untertänig zu Diensten wie Stronach (Vermögen laut trend-Ranking „Die 100 reichsten Österreicher“ 3,9 Mrd. Euro) oder Haselsteiner (Vermögen 1,15 Mrd. Euro). Als Messner die Regierungsansage nur 500 Syrien-Flüchtlinge, bevorzugt Christen, aufzunehmen als Schande bezeichnete und eine Ausweitung verlangte, war dies dem ORF keinen Huster wert. Als Haselsteiner eine Woche später dasselbe vorschlug, kam der Baulöwe, Westbahn-Betreiber, NEOS-Financier und Möchtegern-Minister gleich live im ORF zu Wort.

So verschieden sind die Welten und das ist auch bei einem gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender nicht anders. Auch für den ORF gilt offenbar das Stronach-Motto „Wer das Gold hat, macht die Regeln“. Objektivität ist ein Fremdwort und das bekommt in diesem Wahlkampf vor allem die KPÖ zu spüren.

Als seit 95 Jahren existierend hat sie das Pech keine neue Partei zu sein. Ergo wird über Stronach, NEOS, Piraten etc. ausführlich berichtet, auch wenn diese im Prinzip nichts zu sagen haben. Als nicht von einem Milliardär finanzierte Partei die zudem die Interessen der Underdogs vertritt wird sie nach den geltenden Regeln des Geldes sowieso nach allen Regeln der medialen Kunst ausgeblendet. Als nicht im Parlament vertretene Partei wird sie ebenso wie die anderen Kleinparteien von den Konfrontationen ausgeblendet, denn schließlich wollen die Parlamentsparteien unter sich bleiben.

Ganz in diesem autokratischen Sinne wurde auch die berechtigte Beschwerde der NEOS über die Ungleichbehandlung durch den ORF abgeschmettert. Wirkliche Meinungsvielfalt wird von Wrabetz & Konsorten und ihren politischen Auftraggebern nicht gewünscht. Da sind die meisten privaten Medien weitaus objektiver als der ORF, der eigentlich Vorbild dabei sein müsste.

Während es etwa in Oberösterreich für Bezirkszeitungen völlig selbstverständlich ist auch bei KPÖ-Kandidat_innen um ihre Meinung zur Wahl anzufragen, hält es der ORF nicht für der Mühe wert die Spitzenkandidaten auf Bundes- oder Landesebene trotz Angeboten zu interviewen. Da sorgt schon der schwarze Klüngel in den Chefetagen vor, dass sich keine frevelhaften Äußerungen in die Sendungen verirren. Dafür hat man umso mehr Zeit und Raum um die Spitzenleute der Parlamentsparteien herumzuscharwenzeln und ihnen ganze Sendestunden zur Verfügung zu stellen.

Im Vergleich zum ORF sind die deutschen TV-Anstalten geradezu superdemokratisch. Dort halten sich die Diskussionsrunden der Spitzenpolitiker_innen in Grenzen und im Übrigen erhält jede kandidierende Partei Sendezeit für selbst produzierte TV-Spots.

Gelebte Demokratie steht und fällt mit der Darstellung von Meinungsvielfalt. „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“ meinte schon 1965 der deutsche Publizist Paul Sethe. Real gesehen ist es wahrscheinlich nicht einmal ein Zehntel dieser Zahl. Und grundsätzlich gilt wohl die von Justus Erb charakterisierte Arbeitsteilung: „Sagt der Zentralbanker zum Medienfürsten, du hältst sie dumm, ich mach sie arm.“

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