Die Weisheiten des Herrn Professor

Posted on 24. Juli 2013


Das nennt man Präzision: Exakt 15.088 oberösterreichische Arbeitsplätze wären gefährdet, wenn die Steuerpläne des ÖGB realisiert werden. Das hat zumindest der als „Handwerksbursche“ für seine Gefälligkeitsstudien am Fließband bekannte Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider im Auftrag des oö ÖVP-Wirtschaftsbundes ausgerechnet.

Exakte Wissenschaft ist gut und schön, aber wer so präzise wie ein Uhrmacher agiert macht sich höchst verdächtig, wenn er auf einem Gebiet agiert, das von allzu vielen Unsicherheiten geprägt ist wie es die Wirtschaft nun einmal ist. Vor allem, wenn aus dem Jubelartikel im oö Wirtschaftsbund-Blattes auch beim besten Willen nicht erklärt wird, wie Professor Schneider zu diesem Ergebnis kommt.

Schneider schwadroniert von einem 22 Mrd. Euro schweren Gesamtbelastungspaket. Sein Wundercomputer geht von Steuererhöhungen von 3,2 Mrd. Euro und Belastungen des Faktors Arbeit von 5,4 Mrd. Euro aus und rechnet das bei einem Anteil von 16,6 Prozent für Oberösterreich herunter, wobei er in Summe auf ein Minus des regionalen BIP von 1,87 Mrd. Euro und der Masseneinkommen von 810 Mio. Euro kommt. Sein Fazit demnach: minus 5.614 Arbeitsplätze durch Steuererhöhungen und minus 9.474 durch Belastungen des Faktors Arbeit.

Der gute Professor will uns offensichtlich weismachen, dass die großen Vermögen produktiv in den Unternehmen eingesetzt würden. Die Wirklichkeit schaut freilich anders aus. Von seinem Auftraggeber WKO-Chef Leitl stammt die bekannte Ansage „Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen“. Der Slogan wurde längst von der Wahrheit demaskiert, würde das nämlich angesichts der Verwendung der Gewinne stimmen, müsste die Arbeitslosigkeit längst gegen null tendieren.

Fakt ist nämlich, dass laut Arbeiterkammer von 1994 bis 2012 die Produktivität um 23,9 Prozent stieg, die Bruttolöhne um magere 5,2 Prozent, während die Nettolöhne um 0,5 Prozent gesunken sind. Im selben Zeitraum sank die Lohnquote, das ist der Anteil der Einkommen der Unselbständigen am gesamten Volkseinkommen von 74,7 auf 68,6 Prozent, wobei der Tiefpunkt vor der Krise von 2008 sogar bei 65,1 Prozent lag. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass die Gewinne, also die Einkommen aus Kapital und Vermögen, entsprechend gestiegen sind.

Die Differenz zwischen Produktivität und vorenthaltenen Löhnen wurde freilich nur zum geringsten Teil in die Unternehmen investiert, wie auch laufende Studien der Arbeiterkammer über die Entwicklung der Wertschöpfung bestätigen. Denn heute gilt bekanntlich die Philosophie „Lass dein Geld für dich arbeiten“ und allzu viele glaubten an diese Pseudo-Philosophie, zumindest solange bis sie durch eine veritable Krise wie 2008 jäh entzaubert wurde.

Wenn Schneider und Konsorten also meinen, die Besteuerung überflüssiger Vermögen, sei es in Form von Geld, Gold oder Kapitalanlagen, Immobilien oder auch Luxusgütern wie Schmuck oder Kunstwerken, würde Arbeitsplätze vernichten sieht die Welt verkehrt. Denn Arbeitsplätze werden vielmehr dadurch vernichtet, dass ein immer größerer Teil des Reichtums nicht produktiv eingesetzt, sondern damit spekuliert und veranlagt wird.

Bezeichnend bei der Präsentation von Schneiders Auftragswerk ist, dass die schwarzen Unternehmer zwar heftig gegen die Besteuerung von Millionenvermögen und Superprofiten wettern und dies mit dem Untergang des Abendlandes verbinden, gleichzeitig aber kräftige Geldspritzen für Unternehmer, etwa in Form eines Handwerkerbonus verlangen. Damit soll der Pfusch eingedämmt werden, ein Thema auf das sich Schneider spezialisiert hat und uns Jahr für Jahr mit den neuesten Zahlen beglückt. Darauf aufbauend mobilisiert dann die Wirtschaftskammer Detektive gegen Häuslbauer und andere Schwarzarbeiter.

Aufs Korn genommen werden unter Berufung auf Schneider auch die angeblich zunehmend unfinanzierbaren Verwaltung und die Pensionen. Wohin die bei dem laufend verlangten Verwaltungsabbau freigesetzten Beschäftigten entschwinden sollen enthalten uns Schneider und Leitl freilich vor. Ebenso wie sie gedenken, bei einer Anhebung des faktischen Pensionsalters in Richtung 65 Jahre den älteren Menschen eine akzeptable Arbeit anzubieten, von welcher sie dann gesund in Pension gehen können. Da wären die Unternehmen gefordert, aber die wollen zunehmend 25jährige mit der Arbeitserfahrung von 60jährigen und wer über 50 ist hat für sie sowieso keine Chance mehr.

 

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