Pleiten, Pech und Pannen unterm Giebelkreuz

Posted on 21. Juli 2013


Ordentlich entzaubert wird derzeit die wunderbare Raiffeisen-Welt in Oberösterreich. Man hat den Eindruck, dass der im März 2012 abgetretene und für Inszenierungen mit Pomp und Gloria bekannte frühere Raiffeisen-Boss Ludwig Scharinger seinem Nachfolger Heinrich Schaller vor allem eines hinterlassen hat: Pleiten, Pech und Pannen.

Die Baustellen im Raiffeisen-Imperium mit seit Schallers Amtsantritt schon von 528 auf 470 reduzierten Beteiligungen sind umfangreich. In der Branche wird von „Problemen mit dem Triple-A“ gewitzelt. Gemeint ist dabei freilich nicht das übliche Rating der Agenturen, sondern die „drei A“ namens Asamer, Alpine und AVE.

Hat der als heimlicher Landeshauptmann geltende Scharinger jahrelang mit kräftiger medialer Unterstützung sich als Wohl- und Wundertäter des Landes aufgespielt und die Kombination aus geringer Zinsspanne und erfolgreicher Beteiligungspolitik als Patentrezept dargestellt, so musste sein Nachfolger gleich nach der Amtsübernahme die Bremse anziehen und einen Sanierungskurs einleiten, der vor allem auf ein Abstoßen als nicht zukunftsweisender Beteiligungen hinausläuft. Bereits 2012 musste der Vorsorgebedarf für Kreditausfälle von 87,7 auf 294,7 Mio. Euro vervierfacht werden um laut Schaller auf der „sicheren Seite“ zu sein und sank dementsprechend der Jahresgewinn.

Wie das „Wirtschaftsblatt“ schon im April berichtete, lag bei einer von 38,3 auf 39,8 Mrd. Euro gestiegenen Bilanzsumme und einem von 479,1 auf 410,9 Mio. Euro gesunkenen Betriebsergebnis der Vorsteuergewinn mit 103,5 Mio. Euro im Konzern bei weniger als einem Drittel des Vorjahrs (347,2 Mio. Euro). Unterm dem Strich blieb der Konzern-Nettogewinn nach Steuern und Minderheiten bei 88,6 Mio. Euro (Vorjahr: 304,9 Mio. Euro). Im Einzelabschluss (UGB) fiel der Jahresüberschuss vor Rücklagenbewegung von 173 Millionen auf 48 Mio. Euro zurück. Die Vermutung, es gebe „Leichen im Scharinger-Keller“, wies Schaller im Frühjahr 2012 noch vehement zurück, kündigte aber gleichzeitig eine Reduzierung der 4.566 Mitarbeiter im Konzern an.

Durch sein massives Libyen-Engagement und zwei Jahre kriegsbedingten Produktionsausfall hat der Baustoffkonzern Asamer (5.300 Beschäftigte, 450 Mio. Euro Umsatz) 2012 gut 70 Millionen Euro Verlust geschrieben und müssen die Banken, allen voran Raiffeisen, Kreditrückzahlungen bis 2014 stunden. Dem Asamer-Konzern steht eine Teilung bevor, das Olympia-Engagement in Sotschi wird abgeblasen. Gerüchte dass RLB OÖ, RLB NÖ und Raiffeisen International bei Asamer mit einer halben Milliarde engagiert sind will Schaller nicht kommentieren.

Als mit 13,92 Prozent nach dem Land zweitgrößter Aktionär der teilprivatisierten Energie AG wird für Raiffeisen auch die EAG-Abfalltochter AVE zum Problem. Deren Expansion in Osteuropa hat sich als Flop erwiesen, eine Wertberichtung der Aktien der 2008 durch ÖVP, Grüne und FPÖ zu 47,4 Prozent bereits teilprivatisieren landeseigenen Energie AG steht an.

Zumindest 50 Millionen Euro wird Raiffeisen voraussichtlich bei der Alpine-Pleite als uneinbringlich abschreiben müssen, wofür schon in der Bilanz 2012 vorgesorgt werden musste. Auch die Pleite des Anlagenbauers Doubrawa in Attnang-Puchheim trifft Raiffeisen, nachdem im Zuge der Beteiligungspolitik Fremdkapital in Eigenkapital umgewandelt wurde.

Noch offen ist, welche Folgen die Finanzmisere des Landes Salzburg und damit auch der Hypo Salzburg, an welcher die RLB-OÖ beteiligt ist, Auswirkungen hat. Offen ist auch, welche Auswirkungen die Turbulenzen von RBI auf die Beteiligung der RLB OÖ haben werden. Erleichterung herrscht hingegen darüber, dass Sport Eybl und Sports Experts an einen britischen Konzern und der Mehrheitsanteil von Eisbär an die Tyrol Equity verkauft werden konnte.

Einmal mehr zeigt sich an diesem Beispiel, wie schnell das jahrelang mit hohem Aufwand, medialer Unterstützung und politischer Willfährigkeit aufgeblasene Image als Wohltäter des Landes auf die brutale Realität zurechtgestutzt werden kann.

Advertisements
Posted in: Blog