Prestigeprojekt an den Fakten vorbei

Posted on 31. März 2013


Schon seit einigen Jahren macht sich die politische Elite in Oberösterreich für eine Medizinuni oder zumindest eine medizinische Fakultät an der Johannes-Kepler-Universität stark. Federführend dabei ist das selbsternannte „Landeshauptblatt“ namens „OÖ Nachrichten“, das in punkto Kampagnisierung nicht hinter der kleinformatigen „Krone“ zurückstehen will. Schließlich will man zeigen, wozu die vierte Macht im Staate imstande ist.

Als „politischer Motor“ für eine Meduni Linz gilt LH Pühringer gemeinsam mit dem Linzer Bürgermeister Dobusch. Und mittlerweile ist es nach diversen Resolutionen des Landtages und anderer Gremien und Vergatterung diverser Promis für öffentliche Erklärungen gelungen sogar Bundeskanzler Faymann für dieses Anliegen in Geiselhaft zu nehmen.

Als Rute im Fenster gilt den Kampagnenbetreibern die Drohung mit dem Ärztemangel und es wird so getan, als ob dieser mit einer Meduni Linz aus der Welt geschafft würde. Wer dem widerspricht, muss mit politischer und medialer Ächtung rechnen. Diese Erfahrung musste zuletzt kein geringerer als der namhafte Wiener Mediziner Markus Hengstschläger machen, der es in einem Kommentar in der „Presse“ gemeinsam mit dem Rektor der Meduni Wien, Wolfgang Schütz, gewagt hatte die Argumente der Kampagnisierer zu zerpflücken.

Erschwerend dabei war freilich, dass der Genetikprofessor Hengstschläger gleichzeitig wissenschaftlicher Leiter der ÖVP-Parteiakademie Academia Superior ist, einer vom bisherigen ÖVP-Landesgeschäftsführer und Neo-Wirtschaftslandesrat Michael Strugl geleiteten schwarzen Denkfabrik. Solcherart Nestbeschmutzung kommt bekanntlich nicht gut an.

Ebenso wird Hengstschläger vorgehalten, dass er Mitglied des Uni-Rates der Johannes-Kepler-Universität ist und als solcher gefälligst das Maul zu halten hat. Da machte sich sogar die sonst außer bei Sport-Events ziemlich unauffällige Linzer SPÖ-Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal dafür stark Hengstschläger nahezulegen einen „Rückzug aus dem Uni-Rat zu erwägen“. Wenn es um die schwarzrotblaugrüne Achse für die Medizinuni Linz geht, ist Geschlossenheit angesagt.

Dabei hatten Hengstschläger und Schütz im Wesentlichen nur festgestellt, dass auch mehr Studienplätze in Linz nichts an den strukturellen Ursachen des strukturellen Ärztemangels ändern würden. Es ist eine Milchmädchenrechnung, dass eine Linzer Meduni (oder eine medizinische Fakultät, die es allerdings seit der Ausgliederung der Medunis an allgemeinen Universitäten gar nicht mehr gibt) die Studienplätze nur auf Kosten der derzeitigen öffentlichen Medunis in Wien, Graz und Innsbruck sowie einer privaten in Salzburg anders verteilen würde.

Die eigentliche Problematik liegt vielmehr darin, dass es in Österreich im internationalen Vergleich insgesamt eine sehr hohe Ärztedichte vor allem in den städtischen Zentren gibt, allerdings einen Mangel an praktischen und vor allem an FachärztInnen in den ländlichen Regionen. Und vor allem auch darin, dass seit über einem Jahrzehnt eine Zahl von MedizinabsolventInnen auf hohem Niveau vorhanden ist, sich allerdings ein beachtlicher Teil davon einen Job im Ausland sucht.

Das liegt wiederum daran, dass ausgebildete MedizinerInnen jahrelang bei Wartezeiten von teilweise bis zu zwei Jahren als TurnusärztInnen als billige Systemerhalter in Krankenhäusern eingesetzt werden und Arbeiten wie Spritzen verabreichen leisten müssen, die eigentlich auch DiplomkrankenpflegerInnen erledigen könnten. Mit Ausnahme der Universitätskliniken wo sofort mit einer sechsjährigen Facharztausbildung begonnen wird ist diese erst möglich, wenn vorher die dreijährige Ausbildung als Allgemeinarzt absolviert wird. Im Ergebnis erlangen ÄrztInnen erst Mitte 30 eine Berufsberechtigung.

In Deutschland, der Schweiz oder Skandinavien können hingegen ÄrztInnen statt eines zähen und sinnlosen Turnus direkt mit einer wirklichen Facharztausbildung die zudem besser bezahlt ist als in Österreich starten, was zweifellos attraktiver ist. Von einer Reform des Turnus wird in Österreich zwar seit Jahren geredet, geändert hat sich bis dato freilich nichts, das haben Ärztekammer und Politik bislang strikt blockiert. Die Landespolitik fertigt jede Kritik an ihrer Kampagne mit den Eigeninteressen der Meduni Wien ab. Das ist natürlich ein maßgeblicher Aspekt, geht aber am Kernproblem vorbei.

Aufhorchen lässt zudem LH Pühringers Äußerung über ein Finanzierungsmodell, „das für die öffentliche Hand günstiger kommt als die bestehenden Modelle“. Das klingt sehr nach einer Drittmittelfinanzierung wie sie insbesondere an der Uni Linz schon seit Jahren als Verfilzung von Wissenschaft und Kapital gang und gäbe ist.

Und es würde nicht verwundern, wenn bei diesem Finanzierungsmodell einmal mehr die Raiffeisen Landesbank federführend wäre, die sich Land und Gemeinden mit keineswegs uneigennützigen PPP-Projekten anbiedert. Ist doch „zufällig“ erst vor kurzem deren seit 2012 amtierender neuer Generaldirektor Heinrich Schaller als Nachfolger von Ludwig Scharinger zum Vorsitzenden des Uni-Rates gewählt worden und folgt ihm nun auch in dieser Funktion nach.

Ein Aspekt wird bei der ganzen Debatte allerdings sehr gezielt vernebelt. Nämlich dass diverse Primarii der Linzer Spitäler ein gravierendes Interesse am Projekt einer Meduni Linz haben um dort ein hochbezahltes universitäres Betätigungsfeld für Lehre und Forschung verbunden mit einem bescheidenen „Zubrot“ vor der Haustür zu erhalten.

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