Überflüssige Oasen

Posted on 28. März 2013


Das „Geschäftsmodell“ Zypern ist ganz offensichtlich gescheitert. Ein in Relation zur Wirtschaftsleistung derart aufgeblähter Bankensektor mit 70 Milliarden Euro Einlagen, davon die von russischen Oligarchen, und dazu 40.000 höchst diskrete Briefkastenfirmen als Transaktionsbasis für spekulative Geschäfte ist auf Dauer nicht haltbar, weil damit Krisen ausgelöst und verstärkt werden. Vieles hätte wohl vermieden werden können, wären schon viel früher energische Schritte dagegen unternommen worden.

Ein Vergleich zeigt freilich, dass Zypern nicht der einzige Risikofaktor in der EU ist. So ist das Volumen der Bankgeschäfte in Luxemburg 16mal so hoch wie das BIP, in Zypern siebenmal, in Großbritannien sechsmal, in Irland und der Schweiz fünfmal. Auch wenn die Struktur anders gelagert ist als in Zypern, darf man also die berechtige Frage stellen, was passiert wenn etwa das „Geschäftsmodell“ Luxemburg platzen sollte. Ein Überblick zeigt zudem, dass es neben Zypern zahlreiche andere Fluchtgeld- und Steueroasen in der EU gibt, die trockengelegt werden müssen.

Großbritannien: Die Kanalinseln Jersey und Guernsey, die Isle of Man und Gibraltar (30 Banken, 70.000 Briefkastenfirmen) gelten als Zufluchtsort für dubiose Geldanleger, Diskretion gilt als selbstverständlich, das wusste schon Julius Meinl für seine Bankgeschäfte zu schätzen. Mittlerweile kann auf Jersey und Guernsey freilich nur mehr „sauberes“ Geld steuerschonend angelegt werden.

Frankreich: Andorra ist zwar kein EU-Mitglied, genießt aber einen privilegierten Sonderstatus und der französische Präsident ist traditionell Ko-Staatschef der Zwergrepublik, in der praktisch keine Steuern existieren, ein wasserdichtes Bankgeheimnis und kein Steuer- und Rechtshilfeabkommen mit anderen Ländern besteht.

Spanien: Als guter Standort für Unternehmen um ganz legal Steuern zu sparen gelten die Kanarischen Inseln, der Körperschaftssteuersatz beträgt nur vier Prozent.

Portugal: Auch die Insel Madeira gilt mit nur vier Prozent Körperschaftssteuer als Steuersparstandort für Unternehmen.

Malta: Die Mittelmeerinsel ist vor allem für Holding-Konstruktionen steuerlich attrarktiv, durch ein ähnliches Mißverhältnis zwischen Bankeinlagen und BIP wie in Zypern aber auch riskant.

Luxemburg: 170 Banken, 9.000 Investmentfonds mit über einer Billion Euro Volumen sprechen für sich. Dafür sorgt ein striktes Bankgeheimnis, das aber zunehmend unter Druck kommt. Und wer soll den demonstrativen Beschwichtigungen von Ministerpräsident Juncker, es könnte nichts passieren weil Luxemburg doch so grundsätzlich anders sei als Zypern, wirklich trauen?

Österreich: Neben Luxemburg beharrt nur Österreich auf einem strikten Bankgeheimnis zum Schutz von Anlegern großer und dubioser Gelder. Und die nach wie vor steuerbegünstigten Privatstiftungen sind auch weiterhin für ausländische Anleger (Beispiel Flick) höchst attraktiv.

Zypern: Mit der unbürokratischen Anlage von Flucht- und Schwarzgeldern aus dubiosen Quellen russischer und sonstiger, auch österreichischer Herkunft (Stichwort Grasser, Hochegger, Schlaff), ist es erst einmal vorbei. Nach wie vor lockt hingegen die von zehn auf 12,5 Prozent erhöhte, aber weit unter dem Standard von 25 Prozent, liegende Körperschaftssteuer auf Gewinne von Kapitalgesellschaften.

Bulgarien: Das Land gilt mit nur zehn Prozent Körperschaftssteuer als Tipp zum Steuersparen, jedoch mit dem Risiko mangelnder Rechtssicherheit.

Irland: Obwohl ein Krisenland, gilt Irland mit nur 12,5 Prozent Körperschaftssteuer als idealer Steuerstandort für das Kapital, so wickeln manche Konzerne (wie vor Jahren die Lenzing AG) ihre Gewinne steuerschonend über Irland ab.

Nun mag man in Europa auf Steuerparadiese auf den Bahamas, in Singapur oder im US-Bundesstaat Delaware oder im eigenen Nahbereich in der Schweiz oder Liechtenstein verweisen, glaubwürdig sind solche Fingerzeige nicht, solange man beide Augen in den eigenen EU-Mitgliedländern zudrückt. In Summe handelt es sich also um höchst überflüssige Oasen, die im Interesse der europäischen SteuerzahlerInnen ebenso wie der Realwirtschaft schleunigst dichtgemacht werden sollten.

 

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