Alzheimer in blau

Posted on 17. Januar 2013


Auf frischer Tat erwischt. Das passiert der FPÖ nicht nur einmal, sondern ist quasi ein Dauerzustand wenn es um Verstrickungen mit dem Rechtsextremismus geht. Der jüngste derartige Fall ist ein gewisser Robert Hauer.

Der frühpensionierte Berufssoldat und jetzt als Waffenschieber verhaftete ehemalige Linzer Gemeinderat gehört laut „Richtigstellung“ von Stadtrat und Bezirkschef Detlef Wimmer seit 2009 nicht mehr der FPÖ an. Warum er dann 2009 trotzdem für die FPÖ (wenngleich auch auf dem aussichtslosen Platz 21) für den Gemeinderat kandidierte erklärte Wimmer nicht, ebenso ob Hauer ausgeschlossen wurde, ausgetreten ist oder einfach als Mitglied (nachträglich?) gestrichen wurde.

Ähnlich agiert FPÖ-Landeschef Manfred Haimbuchner, der zur Causa Hauer von Anschüttungen der Linken gegen die FPÖ sprach und behauptete mit Hauer schon längst nichts mehr zu tun zu haben. Laut Vereinsregisterauszug vom 8. Jänner 2013 war Hauer freilich bis zuletzt noch Obmann des rechtsextremen Witikobundes und Haimbuchner ebenso wie der Linzer FPÖ-Gemeinderat Übelacker seine Stellvertreter. Nun war freilich Handlungsbedarf für Haimbuchner & Co. angesagt und laut Vereinsregisterauszug vom 17. Jänner hat der Witikobund seinen Obmann schlichtweg verloren, ein solcher scheint für diesen Verein nicht mehr auf.

Auch in Wels herrscht bei den Blauen die Amnesie: Als jetzt publik wurde, dass ein gewisser Jochen Lageder auf der rassistischen Facebook-Seite „I mog Wels nimma!“ im Austausch mit dem bekannten Rechtsextremisten Ludwig Reinthaler die Aussage  „mit dem kanackengesindel und der dazugehoerigen sympathisierenden stadtregierung koits etc muss aufgeraeumt werden. ich waere für eine gezielte umsiedlung weit in den osten zB ins kurhotel ausschwitz“ gepostet hatte erklärte FPÖ-Stadtrat Rabl umgehend diesen Mann nicht zu kennen bzw. dass dieser schon ewig nicht mehr FP-Mitglied sei.

Dabei hatte Lageder 2003 für die FP bei der Welser Gemeinderatswahl kandidiert. Und Rabl selbst war via Facebook mit einem erklärten FPÖ-Fan befreundet, obwohl dieser mit „88“ (Code für „Heil Hitler“) grüßte und Neonazi-Hetze verbreitete: „Ich mag Adolf und sein Reich …“ oder „Türken klatschen, das ist fein, drum lade ich euch alle ein“.

Als Ende 2012 bekannt wurde, dass der Linzer FP-Gemeinderat Horst Rudolf Übelacker bei einem „Leserkreis-Treffen“ des neonazistischen Blattes „Volk in Bewegung“ referieren wollte reagierte die FPÖ mit Theaterdonner: Übelacker werde aus der Partei geworfen, ließ Klubchef Sebastian Ortner (in den 1990er Jahren selbst als Sebastian Mühlegger in der Neonazi-VAPO aktiv) verlauten.

Der politisch einschlägig vorbelastete Übelacker ist freilich nach wie vor in Amt und Würden, in der FPÖ ebenso wie im Witikobund, für letzteren sogar als Vereinsadresse. Bevor er nach seiner Übersiedelung nach Linz bei der FPÖ Unterschlupf fand war der frühere Bundesbankdirektor in Deutschland für die Republikaner aktiv und Chef des vom deutschen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Witikobundes.

Und die Moral aus der Geschichte: Immer wenn die FPÖ auf frischer Tat ertappt, wenn also ihre Verstrickungen mit rechtsextremen Kreisen und Aktivitäten nachgewiesen werden, versucht sie schnell die Notbremse zu ziehen und den lästigen Ballast abzuschütteln. Oder zumindest so zu tun als ob. Die Häufigkeit solcher Vorfälle und Distanzierungen zeigt jedoch, dass sie offenbar unheilbar vom braunen Virus befallen ist.

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