Der Wert der Demoskopie

Posted on 12. Dezember 2012


Unter MeinungsforscherInnen ist es nicht üblich bei der berühmt-berüchtigten Sonntagsfrage die KPÖ abzufragen. Bei einer Gallup-Umfrage für „Österreich“ vom 29. November 2012 als Folgewirkung der Grazer Gemeinderatswahl machte man eine Ausnahme und siehe da, vier Prozent erklärten die KPÖ wählen zu wollen.

Zusätzlich erklärten 17 Prozent des Samples von 400 Befragten es sei gut, wenn die KPÖ im Aufwind ist (31 Prozent schlecht), 35 Prozent sahen die KPÖ „prinzipiell“ für wählbar und 39 Prozent attestierten der Grazer Wahlsiegerin Elke Kahr ein gutes (20 Prozent ein schlechtes) Image.

Nun ist bekannt, dass mit Umfragen Politik gemacht wird und man sich nicht durch Eintagsfliegen täuschen lassen darf, auch wenn in Graz jene Umfragen welche der KPÖ 20 Prozent vorhersagten ausnahmsweise ziemlich genau zutrafen. Den Unterschied merkt man bei der zeitgleich zu Gallup Ende November durchgeführten OGM-Umfrage für den „Kurier“: Dort kommen weder KPÖ noch Piraten vor und auch die fehlenden fünf Prozent für „Sonstige“ lässt man unter den Tisch fallen.

Vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer stammt der Ausspruch „Ich glaube keiner Statistik, außer ich habe sie selber gefälscht“. Ähnlich „seriös“ geht die Meinungsforschung vor. Die Zahl der Umfragen steigert sich mittlerweile ins Astronomische. Fast schon wöchentlich kann es passieren, im Auftrag eines Instituts angerufen und systematisch ausgefratschelt zu werden. Der Eindruck, dass die Demoskopie mittlerweile zu einer höchst profitablen Industrie geworden ist, die Umfragen am Fließband produziert, wenn es nur entsprechende Auftraggeber gibt, dürfte nicht verfehlt sein.

Dabei gibt es regelrechte Gustostückerl, was Wissenschaftlichkeit und Seriosität betrifft. So stellt etwa das Institut OEKONSULT dem p.t. Publikum nicht die berühmte Sonntagsfrage („Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag gewählt würde?“), sondern die recht schwammige Frage „Für welche Parlamentspartei wird Ihrer Meinung nach 2012 ein gutes Jahr?“ Realitätssinn und Ehrlichkeit vorausgesetzt können angesichts der Tristesse der rotschwarzen Regierungspolitik sogar Linke der FPÖ ein solches „gutes Jahr“ konstatieren. Das Institut und willfährige Medien schlussfolgern aus dem Ergebnis hingegen „Umfrage: Die FPÖ hat Rot und Schwarz überholt“ (StadtRundschau Linz 12.1.2012).

Ähnliches gilt für völlig irreführende Fragestellungen, etwa wen man als Landeshauptmann oder Bundeskanzler wählen würde. Weiß doch jeder der Grundkenntnisse in Staatsbürgerkunde hat, dass diese Funktionen gar nicht direkt gewählt werden, sondern sich aus dem Proporzsystem oder aus hemmungslosen Packeleien ergeben, etwa als 2000 der Obmann der drittplatzierten Partei Bundeskanzler wurde. Der Zweck ist offensichtlich einzig und allein mit solchen Fragen den jeweiligen Parteien einen Zusatzschub durch Fokussierung auf eine Person zu verleihen.

Als sich 2010 die KPÖ bei einem Meinungsforschungsinstitut beschwerte, dass sie laut Informationen von Befragten bei einer Umfrage zur Linzer Stadtpolitik explizit ausgeklammert wurde, reagierte der Geschäftsführer recht gereizt auf den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit. Sein Argument: Der Auftraggeber einer Umfrage könne es sich aussuchen, welche Mitbewerber abgefragt werden und welche nicht. Nun ja, Geld stinkt bekanntlich nicht, aber mit Seriosität und Wissenschaftlichkeit haben solche demoskopischen Ergüsse dann nichts mehr zu tun, nur mehr mit Manipulation.

Damit wieder zurück zum Anfang: Würde die KPÖ wie man es seriöserweise erwarten könnte bei jeder Umfrage abgefragt, wäre sie damit auch in der Öffentlichkeit präsent, wird sie es nicht, existiert sie für die meisten Menschen ebensowenig wie sie in den Medien vorkommt.

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