Verschwendete Ressourcen

Posted on 5. Dezember 2012


Wenn Ex-SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch als Sprecher des sich für ein Berufsheer stark machenden Personenkomitees „Unser Heer“ die von ihm als „Naturalsteuer“ definierte Wehrpflicht als „Zeit- und Ressourcenverschwendung“ (Die Presse, 28.11.2012) sieht, dann gilt dies umso mehr für das Bundesheer insgesamt. Jeder der beim Bundesheer „dienen“ musste, weiß um den Wert einer verlorenen Zeit Bescheid.

Die Verschwendung von jährlich mehr als zwei Milliarden Euro mag gemessen an der Wirtschaftsleistung im internationalen Vergleich nicht sehr viel sein. Aber es sind um zwei Milliarden Euro zuviel, viel Geld, das weitaus sinnvoller für andere Zwecke eingesetzt werden könnten. Etwa um im Sozialbereich ordentlich bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen statt Zivildiener als Billigarbeitskräfte zum Lohndumping für die ganze Branche einzusetzen.

Androsch hat natürlich recht, wenn er von einem „riesigen Speckbauch im Heer und einen riesigen Wasserkopf“ spricht und darauf hinweist, dass 200 Millionen Euro für die Rekruten ausgegeben werden, das Heeresbudget aber das Zehnfache ausmacht. Das spricht recht klar für eine Alternative zu den Positionen der beiden Regierungsparteien: Nicht Berufsheer kontra Wehrpflicht, sondern Auflösung des Bundesheeres.

Das österreichische Bundesheer ist zudem schon eine ausgesprochene Supertruppe: 155 Brigadiere, 19 Generalmajore, sechs Generalleutnante und zwei echte Generäle befehligen 35.000 Mann. In der k.u.k.-Armee befehligten 1914 331 Generäle ein Heer von 1,8 Millionen.

Praktisch schaut das dann heutzutage etwa so aus: 1.572 Rekruten des Bundesheeres (Stand 2011) sind damit beschäftigt die rund 2.900 Offiziere durch die Gegend zu chauffieren. Nicht schlecht, es geht wirklich nichts über einen ordentlichen Wasserkopf. Ein Grund mehr diesen Verein aufzulösen und die mehr als zwei Milliarden Euro jährlich sinnvoll für Ausbau der sozialen Dienste und des Katastrophenschutzes zu verwenden.

Allen jenen, die sich jetzt mit großer Begeisterung für die Wehrpflicht in die Bresche werfen dürfen auf die „strenge Kammer“ verwiesen werden: Warum das Bundesheer wichtig ist, erklären uns nämlich via Boulevard die Frauen: „Da lernen die Burschen Ordnung und Pünktlichkeit“ (Zilk-Witwe Dagmar Koller), „Weil es den Burschen guttut“ (TV-Sternchen Zabine) und „Die Burschen brauchen einen Schliff“ (Heilmasseurin Trixi).

Über solche „Österreich“-Sprüche freuen sich die Militärschädeln. Ob sich bei manchen Friedensbewegten, die sich jetzt Arm in Arm mit der Offiziergesellschaft als kostenlos arbeitende PR-Agentur zur Verteidiger des Bundesheeres stark machen, angesichts solchen Unsinns eine gewisse Schamröte breit macht, ist leider unbekannt.

Advertisements
Posted in: Blog