Überschüssige Profite für Uni-Sponsoring

Posted on 19. Juli 2012


Ich kauf mir eine Uni und richte sie nach meinem Bedarf aus: So denken offenbar milliardenschwere Unternehmer und werden dabei von der Regierung ermuntert.

Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle rangieren die berühmt-berüchtigten Drittmittel neben den von ihm forcierten Studiengebühren längst vor den Staatsmitteln, die im Zuge diverser „Sparpakete“ sukzessive ausgedünnt werden. Wie dieses Sponsoring konkret ausschaut zeigen einige Beispiele.

Der sich jetzt als Parteigründer gebärdende und in die Politik drängende Austrokanadier Frank Stronach steckte von 2003 bis 2012 satte 24 Millionen Euro in das Institut für Fahrzeugtechnik um dort seinen Technikernachwuchs maßgeschneidert ausbilden zu lassen. Vergleichsweise magere 200.000 Euro investierte seine Stronach-Stiftung in eine Forschungsgruppe der Uni Graz um sein politisches Engagement über die Unis vorzubereiten.

70 Millionen Euro, den dritthöchsten Betrag der je von einer Privatperson europaweit dafür investiert wurde, sponserte der Milliardär Dietrich Mateschitz für die Paracelsus Privatuniversität Salzburg. Schon beim Ankauf der Liegenschaft für diese Uni hatte er zwei Millionen spendiert. Allein in den ersten fünf Jahren wurden für diese Uni Drittmittel von 27 Millionen Euro von privaten Sponsoren aufgebracht.

Der Waffenproduzent Gaston Glock steckte jetzt 500.000 Euro in die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Med-Uni Wien, bereits im Dezember 2011 hatte er dafür 250.000 Euro locker gemacht. Meinungen, dass damit die Auswirkungen des Einsatzes von Glock-Pistolen bei diversen Familienmassakern erforscht werden sollen, sind natürlich böse Gerüchte.

Auch auf den eigenen Vorteil bedacht ist der Grazer Unternehmer Rudolf Roth, der 200.000 Euro für die Uni Graz sponserte. Wie es der Zufall so will, wird damit der Themenkreis Südosteuropa gefördert, jener Bereich, wo Roths Ölfirma expandiert.

Gar nicht bescheiden war auch der Pharmaunternehmer Peter Bertalanffy (Ebewe), der zehn Millionen in das Institut of Science and Technology in Maria Gugging sponserte und dafür ein Laborgebäude nach sich benennen ließ. Die Erforschung von Krebs-Wirkstoffen wird sich sicher nicht nachteilig für Ebewe auswirken.

Rein optisch wird an der Linzer Johannes-Kepler-Universität die Präsenz der Sponsoren vorgeführt: Mit einem Raiffeisen-Saal, einem Sparkassen-Saal und einem Borealis-Saal. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Linzer Großbanken ihren Nachwuchs über das von ihnen gesponserte Bankeninstitut maßschneidern lassen. Und sicher nicht zufällig hat die oö Industriellenvereinigung kürzlich deutlich gemacht, dass sie die vielfach geforderte Medizin-Uni in Linz für überflüssig hält, dafür einen Ausbau der technischen Richtungen forcieren will.

Die Beeinflussung von Forschung und Lehre durch private Sponsoren wird vom Minister natürlich strikt zurückgewiesen, auch wenn sie noch so sehr auf der Hand liegt. Lediglich zwei „problematische Fälle“ an der Uni Innsbruck räumt Töchterle ein. Einer davon bezog sich auf eine Stiftungsprofessur, bei welcher der Lehrende vom Rüstungskonzern EADS, dem Lieferanten der Eurofighter, finanziert wurde.

Weil aber der Anteil privater Drittmittel in Österreich mit elf Prozent im Vergleich zu EU (22 Prozent) oder OECD (31 Prozent) immer noch recht mager ist, dürfen wir uns auf eine Flut privaten Geldes für die Unis einstellen. Weil die Steuern für Konzerne und Milliardäre systematisch gegen Null gesenkt wurden und der Staat somit immer weniger Geld für öffentliche Aufgaben wie etwa die Finanzierung der Unis hat, dürfen Stronach, Mateschitz und Konsorten ihr überschüssiges Geld durch solches Sponsoring anlegen und sich ganz feudalistisch dafür feiern lassen. Wenn man ihren und jenen der PolitikerInnen Worte glauben würde, natürlich ganz selbstlos. Weit haben wir es gebracht.

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