Das Kleeblatt, das Glücksschwein und das Kleingedruckte

Posted on 23. Februar 2012


Früher, als die Welt noch in Ordnung war, war es selbstverständlich, dass die BAWAG als Gewerkschaftsbank einen Gutteil ihres Geschäfts über das Netz von BetriebsrätInnen und Gewerkschaftsstrukturen abwickelte. Stichwort günstige Betriebsratskredite und ähnliche Angebote.

Das alles ist freilich Schnee von gestern. Die BAWAG wurde von überehrgeizigen Managern bei stillschweigender Duldung in Erwartung satter Renditen durch die ÖGB-Spitzen in der Karibik versenkt und nach dem faktischen Bankrott von 2006 günstig an einen US-Finanzkonzern verschleudert. Aber alte Gewohnheiten leben fort, etwa, dass die BAWAG regelmäßig im ÖGB-Journal namens „Solidarität“ um das Geld der 1,3 Millionen Gewerkschaftsmitglieder wirbt.

Dass man dabei allerdings völlig instinktlos vorgeht und kräftig daneben schießt, zeigt ein Inserat in der Februar-Ausgabe 2012: Dort wird in einem halbseitigen Inserat der mittlerweile zur BAWAG-PSK mutierten Bank unter dem Motto „Wir verlängern Prosit Neuspar auch noch in den Februar!“ groß getitelt „Bis zu 2,25 % p.A. für Neugeld bis 30.6.2012“ und als Draufgabe per Kleeblatt und Glücksschwein „Sogar bis zu 2,625 % p.A“ angeboten. Das klingt gut, freilich sollte man das Sternchen am Ende nicht übersehen. Im Kleingedruckten wird nämlich darauf hingewiesen, dass diese Aktion nur „für Neugeld ab einer Gesamteinlage von € 100.000“ gilt.

Nun verfügen natürlich gewöhnliche Lohnabhängige und GewerkschafterInnen jederzeit über solche Beträge, angesichts der enormen Lohn- und Gehaltssteigerungen der letzten 15 Jahre wissen sie wohl nicht, wohin mit ihrem Geld. So dürfte zumindest die Meinung der BAWAG-Bosse sein, die aufgrund ihrer hohen Gagen und Boni wohl immer ziemlich viel Flieder herumliegen haben.

Aber auch wenn wirklich jemand 100.000 Euro flüssig haben und eine Veranlagung suchen sollte, ist das Angebot der „Gewerkschaftsbank“ ziemlich müde. So bietet nämlich eine Direktbank bereits ab 5.000 Euro Einlage Zinsen von 2,849 Prozent und bei zwölfmonatiger Bindung bieten gleich acht Banken höhere Zinsen als die BAWAG – durchwegs unabhängig von der Höhe der Einlage.

Solche Inserate sind daher in doppelter Hinsicht eine ziemliche Verarschung von Gewerkschaftsmitgliedern und der ÖGB täte gut daran, solche Inserate zurückzuweisen.

 

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