Josef Lehner im Haifischbecken

Posted on 21. Februar 2012


„Es sind die Interessen des alten Kontinents knallhart zu vertreten und die Rohstoffquellen zu sichern, besonders Energie“, fordert Josef Lehner in den OÖN vom 18.2.2012 im klassisch-imperialistischen Jargon als Aufgabe der EU.„Die EU muss rund um den Globus eine starke Präsenz zeigen“, so das Credo Lehners.

So nebenbei sieht er Russland von einer „macht- und geldgierigen Elite“ regiert. Da sollte er freilich den Regierenden der EU-Länder den Spiegel vorhalten: Daraus blickt wohl auch nichts anderes als das Gesicht eines Polit- und Wirtschaftsklüngels, der die Sicherung und den Ausbau der Macht einer kleinen Minderheit zum Ziel hat und sich mit aller Vehemenz gegen jede Umverteilung des angehäuften Reichtums im Sinne sozialer Gerechtigkeit wehrt und die dabei das Anwachsen von Armut und sozialer Verunsicherung keinen Deut kümmert.

Mit der Behauptung Europa werde zunehmend eingekreist und islamische Staaten hätten ihre Völker „längst im Herzen des Feindes implementiert“ bedient Lehner zudem rassistische Schablonen, wie es die Rechtsextremen mit ihrem Jargon von der „Umvolkung“ auch nicht besser machen könnten.

Lehners Darstellung über das „Haifischbecken Erde“, in dem die Großmächte ihre Einflusszonen absichern erinnert durchaus zu Recht frappant an die Situation vor 1914, als die damaligen Großmächte einen Wettlauf um die Aufteilung bzw. Neuaufteilung der Welt und den Kampf um „Lebensraum“ entfachten, der dann zur Katastrophe von 1914 führte der 1939 eine Fortsetzung folgte.

Wer aber die Zukunft Europas nur in „knallharter“ globaler Intervention um Interessen- und Einflusssphären sieht, macht sich nicht nur zum Knecht der Profitinteressen der großen Konzerne, sondern führt auch alle Sonntagsreden von der EU als Friedensgemeinschaft ad absurdum. Denn auch Lehner sollte wissen, dass gesteigerter militärischer Wahn letztendlich wie ein Bumerang auf den Ausgangspunkt zurückschlägt, das mussten bislang noch alle großen imperialistischen Mächte in der Geschichte zur Kenntnis nehmen.

Europa beschäftigt sich daher nicht wie Lehner meint zuviel, sondern viel zuwenig mit sich selbst. Würde es das tun, hätte man die Misere Griechenlands und anderer Ländern längst in den Griff bekommen. Aber das liegt wohl nicht im Interesse der Regierenden und jener Kräfte, die sie maßgeblich vertreten.

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