Wessen Inserate ich nehme, dessen Lied ich singe…

Posted on 13. Februar 2012


Wer sich mit Inseraten in Millionenhöhe von der Regierung schmieren lässt, singt zwangsläufig auch deren Lied. Und so preist Wolfgang Fellner im Gratis-Buntblatt mit dem allumfassenden Titel „Österreich“ das Belastungspaket der Regierung und liest in einem Aufwaschen auch gleich der Opposition die Leviten und meint, diese habe gefälligst ihr ja zur Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung abzugeben.

Fellner erklärt die Regierung zum „klaren Sieger“ und meint damit hätten die „bisher eher blassen“ Chefs Faymann und Spindelegger Farbe bekommen. Das genüssliche Grinsen der beiden Herren wird freilich kaum die mit dem „Paket“ vermittelte soziale Kälte übertünchen können.

Für Medienmacher vom Schlage des flotten Fellner kommt es darauf an, dass die Regierung arbeitet, egal was dabei produziert wird. Und so ist er voller Anerkennung, was die beiden Strahlemänner und ihr Team da in zehn Wochen Verhandlungen zustande gebracht haben und bezeichnet das Paket als „tatsächlich respektabel“.

Nach dieser Logik sehnen sich die Österreicherinnen geradezu danach, mit solchen „Konsolidierungspaketen“ kartätscht zu werden. Aus den lichten Höhen der Neo-Bourgeoisie lässt sich freilich leicht applaudieren.

Aber genug ist natürlich nicht genug. Und so wie Fellner die Belastungen für PensionistInnen und den öffentlichen Dienst kleinredet, meint er, dass dies „definitiv zuwenig“ ist, und fordert die Koalition auf „mit Vollgas weiter an Spar-Reformen“ zu arbeiten.

Man kann sich freilich auch zu Tode sparen. Wie ja der einst positive Begriff des Sparens heute genauso negativ besetzt ist wie der Begriff Reform. Aber vielleicht sollte die Regierung wenigstens einen vernünftigen Akt des Sparens setzen und „Österreich“ sämtliche Regierungsinserate streichen.

 

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