Vom Shoppingspaß zum Horrortrip

Posted on 9. Februar 2012


„Die Post bringt allen was“ ist ein bekannter Werbespruch. Das trifft zwar immer weniger zu, wenn man sich die Schließung von Postämtern, die Demontage von Briefkästen und den Personalabbau in den letzten Jahren oder Mitteilungen, dass die Post nur mehr alle zwei Tage zugestellt wird, vor Augen hält. Doch manchen bringt die Post tatsächlich was, wenn auch eher Fragwürdiges.

So flatterte kürzlich ein Werbeprospekt der seit 2006 zur Hälfte teilprivatisierten und damit dem Zwang den AktionärInnen möglichst satte Dividenden zu zahlen unterworfenen Post AG mit dem bescheidenen Titel „kuvert“ in die Haushalte worin zum „Shoppingspaß de Luxe“ in den mittlerweile zu Gemischtwarenläden adaptierten Postfilialen geworbenwird. Neben keineswegs überraschender BAWAG-Werbung und „Shoppingvergnügen mit der Post“ sticht dabei eine Reisewerbung ins Auge.

Geworben wird nämlich für Reisen in die „Ewige Stadt Rom“ und „Frühling am Gardasee“ eines Anbieters namens THV aus Eugendorf in Salzburg. Im eher kleingedruckten bei den angepriesenen Sonderangeboten findet man nämlich den dezenten Hinweis „Produktpräsentation – Teilnahme frei“.

Gezielt angesprochen werden dabei mit einer „Aktion 50 plus“ ältere Semester. Die dabei eingesparten 100 Euro von Reisegästen über 50 hofft man sich wohl beim Verkauf von Thermodecken und ähnlichem Schabernack zu überhöhten Preisen wieder hereinzuholen.

Aus einschlägigen Berichten von Journalisten die sich inkognito an solchen Reisen mit angeschlossener Produktpräsentation, im Klartext Verkaufsveranstaltungen, beteiligten weiß man zur Genüge wie dabei gevifte Vertreter mit allen Psychotricks werken, um ihren Ramsch an den Mann bzw. die Frau zu bringen und wie man mit Menschen umgeht, die sich nicht „freiwillig“ an diesen Präsentationen beteiligen.

Es ist wahrlich ein Ruhmesblatt der Post, dass solche dubiosen Aktivitäten mittlerweile auch am Postschalter von einem immerhin noch zur Hälfte im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen verkauft werden. Der „Shoppingspaß de Luxe“ wird dabei freilich nur allzu oft zum Horrortrip, für den dann der KonsumentInnenschutz zuständig ist. Das nennt man dann wohl Arbeitsteilung.

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