Leicht versautes Sauschädel-Essen

Posted on 11. Januar 2012


Jetzt ist wieder die Zeit der Neujahrsempfänge und damit Stress pur für die Promis und für alle, die sich für solche halten: „Na Mahlzeit: Pándi lässt die Sau raus“ titelt die „Krone“ und läßt ihren Chefschreiber Claus Pándi sich selbst zum traditionellem Sauschädelessen des allerobersten Raiffeisen-Bosses Christian Konrad einladen. Konrads Imperium hat durch ein völlig überzogenes Osteuropa-Engagement freilich derzeit wenig Grund zum Lachen, womit auch das Sauschädel-Essen leicht versaut werden dürfte.

Eine Ebene darunter stieg am 10. Jänner 2012 in Linz der traditionelle Neujahrsempfang von Ludwig Scharingers Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich. Diesmal wohl mit viel Wehmut, ist es doch das letzte Mal, wo „Lugi Moneti“ sich im ganz großen Stil präsentieren kann. Denn im März wird sein Nachfolger, der derzeitige Börse-Boss Heinrich Schaller die Geschäfte übernehmen und hat schon verlauten lassen, dass er keinen Schattendirektor neben ihm dulden will.

Also ade für die jetzt jahrezehntelang ausgeübte Rolle als heimlicher Landeshauptmann für Scharinger, dessen Gestaltungsdrang wohl einen deutlichen Knick erfahren wird. Ade auch für die rund 20 Aufsichtsratsposten im Raiffeisen-Imperium. Aber als Konsulent wird man ihn schon nicht verhungern lassen.

Mit diesmal 2.700 TeilnehmerInnen zeigte Scharinger aber noch ein letztes mal vor, wer ob der Enns die Nummer eins ist. Ob er es geschafft hat, allen die Hand zu drücken spielt dabei wohl nicht die entscheidende Rolle. Wichtig ist ihm wohl, dass alle antanzen, wenn „König Ludwig“ ruft. Hat doch LH Pühringer einst treffend gemeint: „Leisten Sie sich das einmal: Vom Scharinger eingeladen – und nicht kommen.“

Aus einer anderen Sicht kann Scharinger hingegen durchaus froh über seinen Rückzug sein: Hartnäckig behaupten Ex-Immofinanz-Boss Karl Petrikovics und der Lobbyist Peter Hochegger, dass von den 9,6 Millionen Euro Provision die bei der Privatisierung der Bundeswohnungen geflossen sind, die Hälfte das Konsortium Raiffeisen, Wiener Städtische, Hypo und OÖ Versicherung übernommen hat und beide gaben das auch per „profil“-Interview bzw. bei der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll. Persönlich genannt wird von Hochegger dabei Scharinger-Vize Georg Starzer als Gesprächspartner. Raiffeisen dementiert heftig und droht mit Klage gegen Petrikovics.

Gelaufen sein dürfte der Deal folgendermaßen: Durch Hocheggers Vermittlungsdienste und Insiderkenntnisse im Umfeld des damaligen Finanzministes Karl-Heinz Grasser erwarben Immofinanz und das Raiffeisen-Konsortium die 62.000 Bundeswohnungen um 961 Millionen Euro, wobei die Immofinanz die BUWOG, WBG Wien und 56 Prozent der ESG Villach übernahm, Raiffeisen & Co. hingegen die WAG, EBS Linz und 44 Prozent der ESG Villach. Kurz darauf übernahm die Immofinanz die restlichen 44 Prozent der ESG Villach und in diesem Kaufpreis dürfte die Hälfte der 9,6 Millionen Provision versteckt worden sein.

Und auch die Causa Terminal-Tower ist für Raiffeisen ein Klotz am Bein: Als Honorar dafür, dass auf Weisung Grassers die Finanzverwaltung in diesen Büroturm einzog und für die Auslastung sorgte, kassierte nicht nur der Lobbyist und Grasser-Spezi Walter Meischberger (ehemals FPÖ-Generalsekretär) 200.000 Euro, sondern es sind weitere 700.000 Euro dafür an „Finanz oder Dritte“ geflossen. Das Objekt wurde vom Baukonzern Porr und der Raiffeisenlandesbank finanziert und errichtet. Auch dazu wird seit Jahren ermittelt.

Bei solchen Troubles kann Konrad ebenso wie für Scharinger freilich der Appetit beim neujährlichen Sauschädelessen und großspurigen Neujahrsempfängen vergehen. Den Opfern eines enthemmten Finanzmarktes und der dort fuhrwerkenden Banken ist er ohnehin schon lange vergangen.

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