Stronachs Wunderwelt

Posted on 17. November 2011


Von Dichand Juniors Gnaden dürfen in der sonntäglichen „Krone“-Beilage nicht nur Kardinal Schönborn, der Burschenschaftler Roland Girtler, die Sexualexpertin Gerti Senger, sondern auch Österreichs Kanada-Export Frank Stronach allwöchentlich ihre Weisheiten von sich geben. Und so erklärt uns der Multimilliardär, der bekannt dafür ist ausrangierte Politiker aller Farben von blau und orange über schwarz bis rosarot anzuheuern, in „Franks Welt“ seine Sicht der Dinge.
Zuletzt ereiferte er sich zum Thema Verwaltungsreform, fabulierte von 700.000 öffentlich Bediensteten in Österreich und erklärte diese mehr oder weniger für überflüssig. Nun kommt man real gerade auf etwa die Hälfte dieser Zahl von Beschäftigten: 132.804 Bund, 142.798 Länder, 74.922 Gemeinden. Aber offensichtlich rechnet Stronach nicht nur diverse ausgegliederte Gesellschaften, mittlerweile längst als Aktiengesellschaft geführte Unternehmen wie die ÖBB oder die an die Börse gehievte Post dazu, sondern weil es in einem Aufwaschen geht auch gleich alle pensionierten Beamten.
Der flotte Frank gibt zwar zu „Verwaltung abzubauen ist eine sehr schwierige Aufgabe“ und heuchelt Mitgefühl „weil es bedeutet, Mitarbeiter zu kündigen“. Aber was soll´s, für ihn gelten „die gleichen Umstände auch für den Staat und die Staatsbürokratie“. Denn, wie soll es auch anders sein „wir alle sind dafür verantwortlich, da wir ein zu starkes Anspruchsdenken gegenüber der öffentlichen Hand entwickelt haben“.
Einmal mehr das alte Lied von über den Verhältnissen gelebt zu haben also. Die Fakten zeugen bekanntlich vom Gegenteil, wie etwa die Eigentumsverteilung (ein Prozent ein Drittel, neun Prozent das zweite Drittel, 90 Prozent das letzte Drittel) beweist. Über den Verhältnissen gelebt hat also wohl nur das oberste Zehntel der Gesellschaft, zu dem auch Stronach gehört.
Worauf zielt Stronach mit seiner Stimmungsmache für einen als „Verwaltungsreform“ getarnten Personalabbau im öffentlichen Dienst? Der Anteil des in der eigentlichen Verwaltung tätigen Personals ist relativ gering, so sind etwa von den 75.000 Gemeindebediensteten nur 10.000 im Verwaltungsbereich, die große Mehrheit hingegen im Dienstleistungsbereich tätig. Ähnlich bei Ländern und beim Bund, wo etwa allein schon die LehrerInnen einen Großteil des Personals ausmachen. Bei der Exekutive und beim Militär will Stronach sicher nicht einsparen, die sollen doch die Privilegien der Minderheit und das von dieser zusammengeräuberte Privateigentum schützen. Aber vielleicht möchte er die Finanzverwaltung ausdünnen um noch weniger Steuern zahlen zu müssen.
Was hinter Stronachs Wehklagen über den öffentlichen Dienst und das ihn angeblich verursachende Anspruchsdenken steckt ist freilich leicht durchschaubar: Ihm geht es wie allen anderen die täglich dieses Lamento ablassen darum, möglichst viele öffentliche Leistungen privaten InteressentInnen zu überlassen. Also private Schulen, private Infrastruktur, private Spitäler usw. Denn bekanntlich sucht überschüssiges Kapital immer Anlagenmöglichkeiten und der öffentliche Sektor tut sich da als Stronachs Wunderwelt auf.

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