Neoliberale Drogendealer

Posted on 9. Oktober 2011


Übermütig sind und bleiben die hochgradig neoliberal eingefärbten „OÖ Nachrichten“, die jetzt gemeinsam mit der Raiffeisen-Bankengruppe auch 2011 wieder ein „Börsespiel“ veranstalten. Angeboten werden eine Erwachsenenwertung (ab 18) mit einem Sonderpreis für Studierende, eine SchülerInnenwertung (ab der 8. Klasse) und als Draufgabe eine Klassenwertung (für LehrerInnen die gleich die ganze Klasse für den Unfug vergattern). Als Lockmittel gibt es Preise für mehr als 25.000 Euro, darunter ein Auto sowie passenderweise einen Goldbarren.

Aus der Finanzkrise hat man beim selbsternannten „Landeshaupt(mann)blatt“ ebenso wenig gelernt wie in „Luigi Monetis“ Bankzentrale am Europaplatz. Schon 2008 hinderte OÖN und Raiffeisen nichts daran, geradezu abenteuerlich ausgerechnet in einer Zeit, als fast jeden Tag eine Bank zusammenkrachte, die Börsenkurse in den Keller rasselten und das Scheitern des neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus auch für den Dümmsten unübersehbar wurde für die Spekulation mit Aktien und anderen Börseprodukten zu werben.

Gemeingefährlich bis kriminell wird es freilich, wenn dazu auch heuer wieder SchülerInnen und Schulklassen eingeladen werden, bei diesem Spiel mitzumachen und dazu mit jugendgerechte Preisen wie iPads, PlayStations und iPods oder Konzertbesuche gelockt wird. Da kann man betonen, dass dieses „Spiel“ natürlich „ohne finanzielles Risiko“, also auf dem Trockendock, erfolgt.

Denn der Hintergedanke ist nicht so platonisch: Die Bank und ihr neoliberales Sprachrohr wollen letztendlich die TeilnehmerInnen auf den Finanzmarkt locken. Die Zurichtung neoliberal angepasster finanzmarktkonformer Investoren und Konsumenten ist schließlich das Ziel solcher „Spiele“. Wozu wird schließlich seit Jahr und Tag jede „Zeit im Bild“ mit den aktuellsten Börsekursen garniert.

Bei einer TV-Debatte auf einem deutschen Sender ging es 2009 um die internationale Finanzkrise. Dabei wurde auch die Frage gestellt, ob es nur die Gier einiger wildgewordener (und millionenschwer abgefertigter) BankmanagerInnen ist oder ob nicht doch auch die Gier der AnlegerInnen mit Schuld an der Misere ist. Das Spiel an der Börse wird damit zur neoliberalen Droge, „OÖN“ und Raiffeisen sind nichts anders als gewöhnliche Drogendealer.

Damit schließt sich der Kreis zum „Börsespiel“: Wenn Banken, Medien, Politik und Experten ihr Ziel darin sehen, die Menschen mit dem Finanzmarkt „vertraut“ zu machen, ihnen tagtäglich einhämmern, dass der „freie Wettbewerb“ ohnehin alles besser regelt als der vielgeschmähte Staat, dass die Finanzierung von Pensionen, Gesundheit etc. über Aktien besser wäre als über das als antiquiert abgestempelte Umlagensystem, dann steckt doch dahinter die Absicht den Menschen einzureden, sie hätten es in der Hand zum großen Geld zu kommen.

Über die meist im Kleingedruckten angemerkten Risiken spricht man natürlich nicht. Wenn es kracht haben die AbzockerInnen ihre Profite längst ins Trockene gebracht, die ManagerInnen werden mit Millionen abgefertigt – und der Staat darf auf Kosten der SteuerzahlerInnen den Schaden sanieren wenn der Börsenbulle an die Wand kracht…

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