Monarchistischer Firlefanz

Posted on 6. Juli 2011


Otto Habsburg ist verblichen und es darf kräftig gemonarchistelt werden. Ist doch der Abgesang auf den Nicht-Herrscher mit den 17 Vornamen eine willkommende Ablenkung von den Realitäten des Realkapitalismus und macht die Krisenlasten erträglicher. Am auffälligsten agiert dabei die Sozialdemokratie, die ihre republikanische Gesinnung als lästigen Ballast ablegt und deren Spitzen devot zum Begräbnis pilgern.

Begonnen mit Kreiskys historischem Händedruck für den Habsburger 1972 bis zur Zustimmung der SPÖ bei der Aufhebung der Bestimmung, dass „Mitglieder regierender Häuser oder solcher Familien, die ehemals regiert haben“ von einer Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl ausgeschlossen waren zieht sich die Kontinuität der Unterwerfung. Das „Angebot“ des Habsburgers Ulrich für die SPÖ zu kandidieren zeigt Spott und Hohn für diese Unterwerfung.

Fischer, Faymann und Konsorten verbeugen sich jetzt vor dem „großen Österreicher“ Otto statt dem monarchistischen Firlefanz die lange Nase zu zeigen. Wo ist die Zeit geblieben als „Unser Motto, keinen Otto“ lautete und der ÖGB gegen die Habsburg-Einreise protestierte und streikte?

Multimedial wird Otto der (hoffentlich) letzte als Demokrat, Europäer und Visionär abgefeiert. Nun kann man ihm durchaus zugutehalten, 1938 bis 1945 gegen Hitler und für Österreich gewesen zu sein. Was freilich nicht verwundert, standen seinen restaurativen Bestrebungen zur Wiederbelebung einer Austro-Monarchie doch die konträren Vorstellungen Hitlers gegenüber, in denen für Österreich kein Platz war.

Aber ein Antifaschist war Habsburg nicht. Davon zeugt nicht nur sein Lob für den Austrofaschisten Dollfuß bei der Ausschaltung des Parlaments und Auflösung der Parteien 1933/34 „Wenn es ums Land geht, bin ich zu jeglicher Sache bereit. Ich habe Dollfuß unendlich respektiert“. Sondern ebenso sein Schwärmen für den spanischen Diktator Franco. Dieser verschuf ihm 1952 politische Starthilfe und überlegte sogar Otto die spanische Krone anzubieten und erhielt dafür auf Betreiben des Habsburgers 1956 zur Verärgerung des offiziellen Österreich die „Goldmedaille des Stiftes Mariazell“.

Habsburg machte sich immer auch als Schirmherr der „Altösterreicher“ besonders für die Vertriebenen stark, ohne die historischen Ursachen dafür – die unter anderem auch in der Politik der Habsburger zu finden sind – anzusprechen. Im Selbstverständnis des Clans eine zwangsläufig logische Funktion. Damit stellte er sich bewusst in die ganz rechte Ecke von FPÖ und Konsorten, welche durch die Instrumentalisierung von Sudetendeutschen etc. die Ergebnisse des Sieges über den Hitlerfaschismus revidieren wollen.

Erst als er nach der Niederschlagung des Faschismus 1945 feststellen musste, dass für seine „Donaukonföderation“ kein Platz im neuen Europa war und die Habsburger-Gesetze von 1918 wieder in Kraft gesetzt wurden wandelte er sich notgedrungen zum „Europäer“, der sich mit dem Wohlwollen des bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß ins Europaparlament gehievt als solcher profilieren konnte.

Aber sein Europa sah er als eine „Translatio imperii“, die Idee des (christlichen) Abendlandes und „Habsburg war die kaiserliche Dynastie des Abendlandes, sie verkörperte seit Rudolf I. die reichische Idee“, so die Widergabe der Vorstellung des Meisters durch die Habsburg-Biografin Eva Demmerle.

Seine Aussage zu der 1961 geleisteten Verzichtserklärung „Ich habe das für eine solche Infamie gehalten. Ich hätte es am liebsten überhaupt nie unterschrieben“ zeigt das innerliche Beharren auf gottgewollten Ansprüchen. Seine Mutter Zita war da ehrlicher und konsequenter, die „Königin der Völker“ sah sich absolut nicht berechtigt auf irgendwelche Herrscherrechte zu verzichten. Ebenso Ottos in Mexiko lebender Bruder Felix.

Wie hinreichend dokumentiert ist haben die nach eigenem Verständnis „von Gottes Gnaden“ regierenden Habsburger nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 keineswegs freiwillig auf ihre Herrschaftsansprüche verzichtet. Der Verzicht des letzten Monarchen Karl Habsburg „auf jeden Anteil der Staatsgeschäfte“ bedeutete nach eigenem Verständnis keineswegs die Abdankung, sondern nur einen vorübergehenden Rückzug, eine Erklärung an die er sich „absolut nicht gebunden“ fühlte.

Und sogar nach Verlassen des Landes erklärte er in seinem letzten Manifest am 24. März 1919 „alle Beschlüsse der Republik Deutschösterreich für null und nichtig“. Auch ein wirklicher Verzicht der Habsburger auf eine Rückgabe des beschlagnahmten Vermögens erfolgte nicht, wie die zuletzt 2005 von zwei Erben versuchte Restitution deutlich macht, wobei es immerhin um 200 Millionen Euro geht.

Der international weitverzweigte Habsburg-Clan mit über 600 Angehörigen sieht sich nach wie vor ganz unmissverständlich als politischer Faktor, wie die Aussage des aktuellen Clan-Chefs Karl Habsburg „Immerhin waren wir 800 Jahre lang Berufspolitiker“ (Der Spiegel, Geschichte, 6/2009) verdeutlicht. Wobei Karl selbst mit seinen politischen Ambitionen schmählich scheiterte.

Bekanntlich waren Otto Habsburg für die CSU und Karl Habsburg für die ÖVP Abgeordneter im EU-Parlament, Walpurga Habsburg ist Abgeordnete im schwedischen Reichstag, Georg Habsburg ist ungarischer Botschafter und Gabriela Habsburg agiert als Botschafterin Georgiens in Berlin. Und wenn Ulrich Habsburg-Lothringen demonstrativ vom „wir“ spricht konterkariert er nicht nur die angeblich ihm gegenüber verweigerten Menschenrechte, sondern demaskiert auch das republikanische Verständnis der ihm nahestehenden Grünen.

Aber zurück zu Otto: Gestützt auf ein umfassendes monarchistisches Netzwerk kümmerten ihn Geldangelegenheiten kaum und einem wirklichen Brotberuf ging er nie nach. Seine Mission war laut Eigenaussage „Wenn man einmal am Opium der Politik geschnuppert hat, kriegt man es nicht mehr weg“ eindeutig.

Otto Habsburgs wichtigstes Ziel war zweifellos der Kampf gegen den Kommunismus, passte es doch so gar nicht in seine Vorstellung, dass einstige „Kronländer“ nach 1945 realsozialistisch regiert wurden. In diesem Kampf war er letztlich auch höchst erfolgreich, seine „Paneuropa-Bewegung“ wirkte mit dem „Picknick an der Grenze“ 1989 als Schleusenöffner für den Zusammenbruch des Realsozialismus.

Gestützt auf über 600 Jahre Habsburger-Herrschaft haben Otto und sein Clan ihr Wirken stets gottgewollt gesehen, menschliches Versagen war dabei nicht vorgesehen. Dass die Habsburger „ihr“ Land 1914 (mit kräftigem Zutun des deutschen Kaiserreiches) in die bis dahin größte Katastrophe gestürzt haben wurde von ihnen nie als Fehlleistung gesehen. Aber bis heute gibt es von den Habsburgern kein Wort des Bedauerns oder der Verantwortung für diese Kriegsschuld. Im Gegenteil meint Ulrich Habsburg-Lothringen zynisch „Damals war es kein Verbrechen, einen Krieg zu beginnen“ (News 2/10).

Umso konsequenter war daher, dass die Angehörigen einer Sippe, die die jahrhundertelang Österreich und viele andere Länder beherrscht und ausgeplündert hat, zahlreiche Aufstände und nationale Protestbewegungen im damaligen Österreich-Ungarn, am Balkan und in Italien blutig niederschlagen ließ und für den 1. Weltkrieg wie zahlreiche andere Kriege maßgeblich verantwortlich waren 1918 vom Thron und zum Teufel gejagt wurden.

Weil es aber keinen Gott gibt kann auch niemand für sich wirklich beanspruchen gottgewollt zum Herrschen bestimmt zu sein. Das sollte spätestens seit der französischen und der russischen Revolution bekannt sein und gehört auch dem „Hause Habsburg“ ins Stammbuch geschrieben.

Advertisements
Posted in: Blog