Reichtum als Triebkraft der Gesellschaft?

Posted on 30. Juni 2011


Ein Loblied „Warum wir Superreiche brauchen“ singt Andreas Lampl im „trend“ anlässlich der jährlichen Präsentation der reichsten ÖsterreicherInnen.

Und da finden sich Stilblüten wie etwa „die meisten verdanken es ihrem Dasein als hart arbeitende Unternehmer“ oder „umso wichtiger ist die Vorbildwirkung der wenigen, die es schaffen, damit sich genügend Leute finden, die das Abenteuer Unternehmertum wagen“.

Denn, so die weise Erkenntnis des Herrn Lampl „die Basis für den Wohlstand der gesamten Gesellschaft schaffen immer noch die Unternehmer“. So ist das also, da lehnen sich die faulen ArbeiterInnen und Angestellten genüsslich zurück und lassen die Kapitalisten den ganzen Mehrwert nicht nur schaffen sondern sie müssen ihn sich zur Strafe auch gleich noch aneignen um wirklich reich zu werden.

„Reichen-Bashing ist indirekt immer auch ein Unternehmer-Bashing“ so die messerscharfe Schlussfolgerung Lampls, der dann freilich wohlweislich zwischen dem schaffenden und dem raffenden Kapital unterscheidet, indem er meint „auch die Erbschaftssteuer darf nicht sakrosankt sein“.

Die Fakten stellen freilich Lampls Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Anteil jener Unternehmer die durch eigene Arbeit in den Olymp der MillionärInnen aufsteigt bewegt sich wohl im Promillebereich. Das ergibt sich zwangsläufig schon aus der Tatsache, dass 54 Prozent der WKO-Mitglieder sogenannte EPUs (also Ein-Personen-Unternehmen) sind. Also Menschen die formal als selbständig gelten, durch Werkverträge etc. aber de facto LohnarbeiterInnen gleich- und vielfach noch schlechter gestellt sind als diese.

Die Verlockung durch emsiges Schaffen zu den oberen 73.900 – so viel Euro-MillionärInnen gibt es laut DACH-Report 2010 in Österreich und sie haben ein Vermögen von 230 Milliarden Euro  – aufzusteigen mag vorhanden sein, ob sie wirklich die Triebfeder der Marktwirtschaft ist wie Lampl meint, darf jedoch bezweifelt werden.

Allein wenn man die Liste der TOP100 der Superreichen, deren Vermögen mehr als hundert Milliarden Euro beträgt, durchforstet stößt man im Dutzend auf Namen, die ihren Reichtum kaum mit ihrem wirklichen Schaffen legitimeren können. Sie haben im großen Stil geerbt, haben Firmenanteile verkauft und leben von der Revenue oder sind durch Spekulation reich geworden (manche sind dabei auch abgestürzt, das gehört zum Risiko in der „freien Marktwirtschaft“).

Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie Unmengen von überschüssigem Kapital verkörpern das nach neuen Veranlagungsmöglichkeiten drängt. Daher verwundert es auch nicht, dass gerade aus diesen Kreisen der ständige Ruf nach Privatisierung kommt. Nachdem die Verstaatlichte längst verscherbelt ist will man bei der Pensionsvorsorge, im Gesundheits- und Bildungswesen Rendite machen und die lukrative E-Wirtschaft und die kommunale Infrastruktur hat man sowieso auf dem Speiseplan.

Was bei diesem Loblied auf die Superreichen als angebliche Triebkraft der Marktwirtschaft auf der Strecke bleibt ist die Tatsache, dass es immer noch die millionenfache Zahl von Lohnabhängigen ist, die als ArbeiterInnen oder Angestellte die wirklichen Werte schaffen, die weit unter den ihnen zustehenden Produktivitätsanteil mit Brosamen als Lohn und Gehalt abgespeist werden wie die Reallohnentwicklung des letzten Jahrzehnts beweist, während sich die formalen Eigentümer der jeweiligen Unternehmen den Großteil des Kuchens unter den Nagel reißen. Auch wenn die unternehmerische Leistung vielfach in keinem Verhältnis dazu steht.

Von Demokratie in der Wirtschaft kann keine Rede sein und daher wird dieses Thema von den sonst so eifrigen Kämpfern für Demokratie auch wohlweislich ausgespart. Was Karl Marx schon im 19. Jahrhundert beschrieben hat, daran hat sich also letztlich nichts geändert.

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