Mit hoher Lebensqualität und zeichenhaft präsent

Posted on 22. Juni 2011


„SUE steht für Strategie und Entwicklung“, so steht es zumindest in der Selbstdarstellung einer zeitgeistigen ArchitektInnengruppe aus der Wiener Kaiserstraße. „Denn Architektur braucht mehr denn je Herzblut, Fachwissen aber zuallererst eine Strategie“ so die beherzten SelbstdarstellerInnen. Daher entwickelt SUE „maßgeschneiderte vitale Strategien, die den künftigen Nutzern ein starkes Grundgerüst geben, einen großen Freiheitsgrad ermöglichen und keine Zwänge generieren“. Soweit so schön.

„Wir sind keine Theorietruppe“ meint das SUE-Team über sich selbst. Im Idealfall entsteht dann, bezugnehmend auf ein Postulat von Friedrich Kiesler „die Kunst, das Überflüssige notwendig und das Notwendige überflüssig zu machen“ meint zumindest Bernhard Steger bei der Architektur in Progress Werkschau über SUE. Und Romana Ring schwärmt in den „OÖ Nachrichten“ ebenfalls „Es ist schön, wenn Form und Funktion zueinander finden“. „Einfach, punktgenau, lebendig, spritzig, sehr poetisch“ schließlich die Jury beim RED ZAC Architektenauswahlverfahren über SUE.

Und so verwundert es dann nicht, wenn diese ArchitektInnentruppe in ihrer Leistungsschau auch ein ganz besonderes Projekt präsentiert, das in der Selbstbeschreibung so präsentiert wird: „Das Projekt ist im Wesentlichen in zwei Bereichen gegliedert: Ein langgestreckter Verwaltungstrakt unmittelbar an der Straße und von dieser abgewandt ein kammartig gegliederter Wohntrakt, dessen Höfe sich zu Bach und Berg öffnen.“

Die Rede ist von dem für 20 Millionen Euro geplanten Schubhaftzentrum Vordernberg (Steiermark) für 200 AsylwerberInnen, über das weiter geschwärmt wird: „Der Schubhaftteil mit seinen Fingern bildet für jede Abteilung eine individuelle Hofsituation und ist so angelegt, dass hier Wohngruppen möglichst autark und mit hoher Lebensqualität funktionieren. Um diese Höfe ist jeweils eine Abteilung gruppiert. Die ostseitigen Finger bilden die Gemeinschaftszonen und durchdringen den formal strengen Verwaltungstrakt.“

Und weiter geht´s: „An diesen Punkten finden die funktionalen Berührungspunkte zwischen den Angehaltenen und der Verwaltung Platz. Diese Treffpunkte (Besuch, Verhandlung von Asylfragen, Rückkehrberatung, etc) öffnen sich zur Straßenseite hin. Die Anwesenheit der angehaltenen Menschen wird daher mittelbar wie auch zeichenhaft präsent, die Differenz zu einer Haftanstalt bewusst. Der Verwaltungstrakt übernimmt an Stelle einer Mauer die Außensicherung entlang der Straße.“ Wie beruhigend, dass kein elektrisch geladener Stacheldraht aufgezogen wird.

Wie man daraus ersehen kann hält sich das Innenministerium nicht nur mit dem „Verein Menschenrechte Österreich“ einen Abschiebeexeperten der für seine „Rückkehrberatung“ für AsylwerberInnen bekannt ist, sondern auch ArchitektInnen, welche die Schubhaft fast zum Luxusurlaub machen.

 

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