Kampfmonat für die Promis

Posted on 24. Januar 2011


„Weihnachten ist die stärkste Zeit im Jahr“, heißt es im Volksmund. Das trifft freilich nur für die gewöhnlichen Menschen zu, denen bereits ab September von Politik, Medien und Wirtschaft das Kaufen auf Teufel komm raus verordnet wird. Dass „die da unten“ mangels Kaufkraft infolge krisenbedingt stagnierender Löhne, gekürzter Pensionen und gestrichener Sozialleistungen nicht so kaufen können wie sie wollten, lässt „die da oben“ kalt, die sich zudem immer wieder über die angebliche Konsumverweigerung der KonsumentInnen mokieren.

Für die „oberen Zehntausend“ ist nämlich immer der Jänner der Kampfmonat, denn das ist die Zeit der Empfänge. Kaum ein Tag, an dem nicht eine wichtige Institution die Promis aus Politik, Wirtschaft und Medien zum gesellschaftsfähigen Fressen und Saufen einlädt. In den Klatschspalten von „Krone“ über „OÖN“ bis zur „Rundschau“ kann man dann die Highlights nachvollziehen, damit auch das gewöhnliche Volk etwas davon hat. Wo die Redaktionen nicht freiwillig dafür sorgen, wird mit sündteuren Inseraten zur Selbstbeweihräucherung nachgeholfen. Schließlich zahlen wir freilich über unsere Steuergelder oder Bankgebühren etc. diese Gelage.

Der obligate Neujahrsempfang des Linzer Bürgermeisters Dobusch inklusive gemeinsamen Sauschädel-Anschneiden mit LH Pühringer ist im Reigen dieser Empfänge längst Schnee von gestern, auch wenn Dobusch von der „Sozialen Musterstadt“ schwärmt und die Durchsetzung des abgespeckten Westringes und als Beschwichtigung eine zweite Straßenbahnachse beschwört. Ebenso im Hintertreffen sind die Empfänge anderer Institutionen wie Bundesheer oder Wirtschaftskammer. Die Banken haben ihnen längst den Rang abgelaufen, allen voran natürlich die „Landesbank“.

Der ungekrönte König der Empfänge ist Raiffeisen-Boss Ludwig Scharinger, auch wenn seine Bank mit heuer nur 2.685 gezählten Gästen gegenüber den 2.783 vom Vorjahr etwas schwächelte. Den sittsam Schlange stehenden Gästen schüttelt „Luigi Moneti“ persönlich die Hand, womit sich der Beginn des Gelages natürlich gewaltig verzögert.

Die sorgfältig ausgewählte „Berichterstattung“ zeigt nicht nur das Netzwerk Scharingers in Politik und Wirtschaft mit Ausläufern an die Universität und in die Kultur, sondern auch hausinterne Präferenzen. Die Bedeutung dieses „Kundenempfangs“ hat LH Pühringer vor einigen Jahren auf den Punkt gebracht: „Leisten Sie sich das einmal: Vom Scharinger eingeladen – und nicht kommen.“

Krise hin, Krise her – stolz verkündet Scharinger eine neuerliche Rekordbilanz der Raiffeisen Landesbank für 2010. Von den dunklen Flecken spricht er lieber nicht, etwa von dubioses Honorarzahlungen beim Kauf der Bundeswohnungen oder der Errichtung des Terminal Towers. Alle reden zwar über den dabei involvierten Ex-Finanzminister Grasser, von Scharinger redet keiner und die Journaille sorgt für entsprechendes Schweigen.

Deutlich abgeschlagen gegenüber Raiffeisen rangiert die Oberbank auf Platz zwei: Nur 1.500 Gäste kann deren Boss Gasselsberger via zweiseitigem „OÖN“-Inserat vermelden, dafür im eigenen Haus an der Donaulände und nicht im protzigen Design-Center. Freudig darf Gasselsberger den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte der Oberbank, 230 Millionen Euro, für 2010 verkünden. Auch hier wohlausgewählte Bilder diverser Promis, wobei man sich nicht entblödet auch „Fürst“ Georg Starhemberg zu präsentieren, ganz so als ob die Adelstitel nicht schon seit 1918 abgeschafft wären.

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