Viel Unsinn von Herrn Sinn

Posted on 3. Januar 2011


Ein großer Weiser hat gesprochen und der „Standard“ als lachsrosa Zentralorgan des neoliberalen Populismus sorgt für entsprechende Verbreitung. Die „Weisheiten“ von Hans-Werner Sinn, dem Frontmann reaktionärer Politökonomie in Deutschland, sind es freilich wert, etwas näher betrachtet zu werden.

Da wimmelt es geradezu von untergriffigen, der gerne beschworenen „europäischen Solidarität“ Hohn sprechenden Diffamierungen, wie sie auch von Kleinformaten wie „Krone“ oder „Österreich“ hierzulande unter Schlagzeilen über die „Pleitegriechen“ verbreitet werden. Etwa dass die „überschuldeten Südländer an das deutsche Geld ran wollen“ und auf eine „Sozialisierung der Schulden“ hinauswollen.

Laut Sinn wurde mit dem Euro ein „großer Anreiz für kreditfinanzierte Investitionen“ geschaffen und „der Löwenanteil der deutschen Ersparnisse floss aus Deutschland ab“. Für Sinn hat „Deutschland unter dem Euro extrem gelitten“. „In Deutschland kam die Flaute, im Süden war Party“ erklärt uns der Herr Wirtschaftsprofessor flapsig.

„Zwei Drittel der deutschen Ersparnisse wurden seit 2002 ins Ausland gebracht. Deswegen dieses Drama“, so die scharfsinnige Analyse. Bemerkenswert daran ist freilich, dass die Rolle der Banken schamhaft ausgeblendet wird. Denn bitte, wer hat denn Griechenland (und Irland, Portugal, Spanien usw.) einen Milliardenkredit nach dem anderen aufgedrängt und dabei herrlich verdient, wenn nicht die Banken Deutschlands (und Frankreichs, Österreichs usw.)?

Und was waren die Rettungspakete für Griechenland, Irland und den Euro letztlich anderes als Banken-Rettungspakete? Und haben nicht Deutschland und Frankreich im Zuge der „Griechenland-Rettung“ dem hoffnungslos überschuldeten Hellas mit den höchsten Rüstungsausgaben gemessen am BIP in der gesamten EU sogar noch weitere Rüstungskäufe aufgedrängt um die Profite der Rüstungskonzerne zu steigern?

Kein Wunder daher, dass Sinn einen Ausstieg Deutschlands aus dem Euro entschieden ablehnt, denn „der Euro ist notwendig für die Stabilität Europas“. Können doch die deutschen (und andere) Banken auch künftig unter dem Regenschirm namens „Euro-Rettung“ kräftig den Staat anzapfen und ihre AktionärInnen mit saftigen Dividenden versorgen. Dass etwa die österreichischen Banken für 2010 schon wieder über drei Milliarden Euro Gewinn ausweisen zeigt, dass ihnen die Krise nicht geschadet hat, dafür aber der Staatshaushalt immer stärker demoliert wird.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, wer die durch extremes Lohndumping (Stichwort Hartz IV) finanzierten deutschen Exporte kaufen soll, wenn die potentiellen Abnehmerländer hoffnungslos verschuldet sind. Dass die deutschen (und auch österreichischen) Reallöhne in den letzten 15 Jahren von völliger Stagnation gekennzeichnet sind und die den Lohnabhängigen vorenthaltenen Produktivitätsanteile auf dem Kapitalmarkt verzockt wurden, was mit zur Finanzkrise beigetragen hat, lässt den für seine asozialen Aussagen bekannten „Wirtschaftsweisen“ Sinn freilich ziemlich kalt.

Ein Trost bleibt freilich bei der Philosophiererei des Herrn Hans-Werner Sinn: Als Folgewirkung einer Abschaffung des Euro sieht er eine „wirtschaftliche Destabilisierung der gesamten EU“. Ähnliche Gefahren sieht er freilich bei allen anderen Szenarien der „griechischen Tragödie“. Bleibt demnach die Schlussfolgerung, dass sich auch das von Sinn so sehr bemitleidete Deutschland in einer Schicksalsgemeinschaft verfangen hat die nach dem Motto „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen“ funktioniert.

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