Nur gedankenlos?

Posted on 18. Mai 2010


Wenn alte (und neue) Nazis in Argumentationsnotstand kommen, ziehen sie sich gerne auf Argumentationen nach der Art „Aber Hitler hat doch die Autobahnen gebaut“ zurück. Ganz davon abgesehen davon, dass besagte Autobahnen vielfach durch Zwangsarbeit errichtet wurde, dient das Argument zur ausdrücklichen Verharmlosung des durch Terror und Massenvernichtung gekennzeichneten NS-Regimes.

In ähnlicher Art ist in Linz bis heute mit einer auffallenden Hartnäckigkeit von „Hitlerbauten“ die Rede. Gemeint sind die vielen tausend in den Jahren 1938 bis 1945 errichteten Wohnungen, die zur Unterbringung der Beschäftigten der aus den für die Kriegswirtschaft aus dem Boden gestampften Betrieben wie die „Reichswerke Hermann Göring“ (die heutige voestalpine) und die Stickstoffwerke notwendig waren und die bis heute ganze Stadtteile in Urfahr, am Bindermichl und Spallerhof und in der Neuen Heimat prägen.

Linz ist wohl wie kaum eine zweite Stadt Österreichs vom Nazifaschismus nachhaltig geprägt worden. Das wird allein schon am Wachstum von einer Provinzstadt mit etwas über 100.000 Einwohnern zu einer ausgeprägten Industriestadt mit fast 200.000 Einwohnern in den sieben Jahren von 1938 bis 1945 deutlich. Darüber hinaus gab es Pläne Linz zu einer „Führerstadt“ mit 350.000 Einwohnern zu entwickeln, die glücklicherweise am fehlenden Kriegsglück des Nazifaschismus scheiterten.

Viele LinzerInnen verwenden den Begriff „Hitlerbauten“ nach wie vor fast liebevoll wie gedankenlos. Bestärkt werden sie dabei dadurch, wenn auch Politik und Medien sich dieses Ausdrucks befleißigen. Etwa wenn in den „OÖN“ titeln „Jetzt ist es fix: Hitler-Bauten in Linz stehen unter Denkmalschutz“ und „Holz oder Plastik: Welche Fenster brauchen Linzer Hitler-Bauten?“ Der Begriff hat es sogar in Wikipedia geschafft, aber dort im Gegensatz zu den „OÖN“ wenigstens mit Anführungszeichen.

Diese verbale Verharmlosung zeigt die Hartnäckigkeit, mit welcher zumindest einzelne Elemente der NS-Ära jahrzehntelang als positive Errungenschaften weitergepflegt wurden und werden. Ein Regime, das Wohnblöcke oder Autobahnen baute, kann doch wohl nicht so schlecht gewesen sein…

 

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