Geldaffine SozialdemokratInnen

Posted on 11. Mai 2010


Anneliese Rohrer staunt in der großbürgerlichen „Presse“ mit welcher Wendigkeit der frühere SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer die „Diskrepanz zwischen sozialdemokratischen Ansprüchen und kapitalistischen Realitäten“ überwunden hat. Gleichzeitig bedauert Rohrer, dass „Vertreter des Kapitalismus“ wie Ex-ÖVP-Vizekanzler Wilhelm Molterer und der frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser (erst FPÖ, dann ÖVP) noch immer auf „eine adäquate berufliche Tätigkeit“ warten.

In der Tat ist Gusenbauer – ähnlich wie Androsch, Vranitzky, Klima, Schröder oder Ederer – ein „Protoyp der geldaffinen Sozialdemokraten“, einer jenen, die zwischen Politik und Kapital hin- und hergeisternd wirklich keinen Genierer kennen und auch keinen Sautrog auslassen: „Vom Bodenküsser auf dem Roten Platz in Moskau zum Aufsichtsratschef eines Konzerns unter dem Giebelkreuz von Raiffeisen“ spottet Rohrer. Wer von Gusenbauer oder anderen SozialdemokratInnen seines Schlages jemals etwas anderes erwartet hat, hat sich freilich nur selbst betrogen.

Die besondere Wendigkeit solcher SozialdemokratInnen einerseits und die Bereitschaft kapitalistischer Großkonzerne ihr Füllhorn für eben diese auszuschütten hat freilich einen ganz simplen Grund: Ein Molterer oder Grasser werden auf Grund ihrer Herkunft und ihres politischen Standorts niemals in der Lage sein so wie Gusenbauer und Konsorten im Sinne kapitalistischer, neoliberaler Hegemonie jenen beträchtlichen lohnabhängigen und traditionell sozialdemokratisch orientierten Teil des WählerInnenvolkes sozialpartnerschaftlich verbrämt mit jenen sozialen Phrasen bei der Stange zu halten, der für das Funktionieren des Systems so unentbehrlich ist.

Dafür ist ein wenig Dankbarkeit seitens der herrschenden Klasse zwangsläufig angebracht und diese läßt sich das durchaus auch einiges kosten. Da nimmt man zwischendurch sogar in Kauf, dass Gusenbauer trotz seiner mittlerweile großkapitalistischen Allüren in der kapitalistischen Geisterbahn zwischen Alpine und Strabag, Haselsteiner-Stiftung, Signa-Holding und WAZ an der Columbia University in New York revolutionäre Phrasen zugunsten des Sozialismus nach der Lesart von Hugo Chavez schwingt.

Wen es trotzdem noch immer in Gusenbauers Partei hält, der muß einen richtigen Saumagen haben. Aber niemand soll sagen, er oder sie habe das nicht gewußt…

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